Hilfe unter ehemaligen Twistringern: Spontaner Einsatz für Videodreh

Wenn plötzlich der Bassist fehlt

Die Hamburger Progressiv-Rockband Deafcon5: (v.l.) Dennis Altmann, Frank Feyerabend, Michael Gerstle, Ralf Schlake und Sebastian Moschüring.
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Die Hamburger Progressiv-Rockband Deafcon5: (v.l.) Dennis Altmann, Frank Feyerabend, Michael Gerstle, Ralf Schlake und Sebastian Moschüring.

Twistringen – Ein neuer Bassist musste her, und zwar schnell. Es waren noch vier Wochen bis zum geplanten Videodreh für die Single „Surprise“, als die Hamburger Rockband Deafcon5 plötzlich Ersatz für ihren „Basser“ brauchte. Aus dieser Situation heraus ergab es sich, dass zwei Twistringer, die es mittlerweile in unterschiedliche Winkel Norddeutschlands verschlagen hat, kürzlich zusammen vor der Kamera performten.

Sebastian Moschüring, geborener Dieckmann, ist der Schlagzeuger bei Deafcon5. Als er erfahren hat, dass der Bassist die Band aus persönlichen Gründen verlässt und jemand anderes für den Dreh des Musikvideos einspringen muss, kam ihm sein alter Freund Ralf Schlake in den Sinn. Die beiden kommen ursprünglich aus Twistringen und sind fast gleich alt. Über die Musikszene lernten sie sich zu Jugendzeiten kennen.

Ralf Schlake musste nicht lange überlegen, ob er beim Videodreh mitmacht. „Sebastian ist mein Kumpel, deswegen bin ich gerne eingesprungen“, erzählt er. Und ergänzt: „Rückblickend muss ich sagen, dass es doch viel Arbeit war.“ Die Musik von Deafcon5 sei sehr komplex. „Ich wollte nicht aussehen wie Dieter Bohlen bei Modern Talking mit seiner Luftgitarre. Also habe ich mich da schon reingehängt.“

Er hat seinen Kumpel nicht enttäuscht. Ralf Schlake habe das Lied in Rekordzeit gelernt, sagt Moschüring anerkennend. Bei den Dreharbeiten in der Hamburger Kneipe „Bahnhof Pauli“ habe er einen guten Job gemacht.

Beim Dreh kam die Band das erste Mal in der neuen Formation zusammen. An dem Tag spielte die Gruppe ihren Song „Surprise“, der immerhin mehr als sechs Minuten dauert, 15 Mal in Vollbesetzung. Hinzu kamen drei Einzeltakes pro Musiker. Aus all den Aufnahmen hat der Kameramann das Video dann zusammengeschnitten. „Pi mal Daumen lief das Stück also mindestens 30 Mal an diesem Tag“, erzählt Sebastian Moschüring. „Als wir im Auto waren, haben wir erst mal das Radio ausgemacht. Ein bisschen die Ruhe genießen.“ Der Tag sei sehr anstrengend gewesen. Aber auch sehr gut.

Für den Schlagzeuger war es nicht der erste Videodreh, aber mit Abstand der professionellste. Der 39-Jährige lebt in Hamburg. Zu Deafcon5 ist er nach der ersten CD-Veröffentlichung der Band im Jahr 2012 gestoßen. Die Progressiv-Rockgruppe dürfte einigen Twistringern nicht zuletzt durch zwei Auftritte bei der Ziegelei bekannt sein.

Angefangen hat für Sebastian Moschüring alles im Twistringer Spielmannszug. Er war elf Jahre alt und wollte Schlagzeug spielen. Seine Eltern meldeten ihn aber erst einmal zum Trommeln beim Spielmannszug an. Moschüring vermutet, dass sie schauen wollten, ob das mit dem Schlagzeugspielen vielleicht nur so dahingesagt war. War es nicht. Und so fing der Twistringer mit zwölf Jahren an, Schlagzeug zu lernen. Dem Spielmannszug blieb er trotzdem treu. Elf Jahre lang. „Da habe ich mich sehr wohlgefühlt“, sagt Moschüring. „Es war eine gute Lebenszeit, an die ich mich gerne zurückerinnere.“

Um seinen Techniker in Elektrotechnik zu machen, verließ er schließlich Twistringen und zog nach Hannover. Nach einem Zwischenstopp in Bremen für seinen technischen Betriebswirt verschlug es ihn dann nach Hamburg. „Ich fand die Stadt immer interessant, weil sie sehr weltoffen ist“, begründet er seine Entscheidung für die Hansestadt. Seit zehn Jahren arbeitet er bei Airbus in der Lieferantenbetreuung.

Auch wenn Moschüring jetzt in Hamburg lebt, ist er seiner Heimat noch eng verbunden. Er hat Familie und Freunde in Twistringen. Um sie zu besuchen, kommt er gerne zurück. „Außerdem habe ich zwei Kinder. Die freuen sich auch immer, Oma und Opa zu sehen.“

Auch Schlake stattet Twistringen immer mal wieder einen Besuch ab. Früher war er Mitglied der Gruppe Permanent Solution. „In Twistringen und Umgebung haben wir überall gespielt“, erinnert er sich.

Aktuell spielt Schlake in einer Rock-Coverband. Er wohnt in der Nähe von Kiel und arbeitet beim NDR. Deafcon5 hätte sich gut vorstellen können, nach dem Videodreh weiter Musik mit ihm zu machen. „Wir hätten ihn gerne als Bassisten gehabt, aber er hat abgelehnt“, sagt Sebastian Moschüring. Schlake schildert, dass es für ihn zu aufwendig wäre, für die Bandproben immer nach Hamburg zu fahren.

Mittlerweile habe Deafcon5 einen anderen guten Bassisten gewinnen können, berichtet Moschüring. Er beschreibt die Musikgruppe als „professionelle Hobbyband“. „Hauptberuflich machen wir das alle nicht“, erklärt er. „Aber wir investieren alle extrem viel Zeit.“

Die Musiker haben kürzlich ihr drittes Album F.E.E.L herausgebracht. Die Single „Surprise“ – also das Lied, bei dem Moschüring und Schlake gemeinsam im dazugehörigen Video abrocken – ist auf Platz 14 der deutschen alternativen Charts eingestiegen. Diese Rangliste orientiert sich nicht an den Verkäufen, sondern wird von 350 ausgewählten DJs und Trendhändlern erstellt. „Wir waren schon baff“, sagt der Schlagzeuger zum Erfolg der Single. „Aber wir sind natürlich echt happy.“

Link zum Musikvideo

https://www.youtube.com/watch?v=-4efv26Wi44

Von Katharina Schmidt

Kennen sich seit Jugendzeiten: Sebastian Moschüring (geb. Dieckmann, vorne) und Ralf Schlake (hinten).

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