Twistringer Fleischermeister im Wettbewerb

Nationalmannschaft des Fleischerverbandes: Wenn die Jury die Servierplatte leer nascht

Volle Konzentration: Raphael Buschmann (r.) und sein Teamkollege Manuel Kirchhoff beim internationalen Wettbewerb in Frankfurt bei der Präsentation.

Twistringen - Erst 23 Jahre alt, aber schon ein Meister seines Fachs und einer der besten deutschen Jungfleischer: Raphael Buschmann aus Twistringen ist inzwischen ein Aushängeschild als Mitglied der Nationalmannschaft des Fleischerverbandes.

Nach dem internationalen Leistungswettbewerb vor einigen Wochen hat sogar der Verbandspräsent Herbert Dohrmann aus Bremen den kreativen Handwerker in höchsten Tönen gelobt. Buschmann wird im September 2020 mit dem Nationalteam nach Österreich reisen. Dort steigt der nächste Wettbewerb. „Ich nehme nicht teil, aber ich fliege auf jeden Fall hin, um die Kollegen anzufeuern, die dann die deutschen Farben vertreten.“

Ansonsten nimmt der Twistringer für den Verband repräsentative Aufgaben wahr. Im Juni hat das Nationalteam im Kronprinzenpalais Berlin für das Sommerfest des parlamentarischen Kreises Mittelstand der CDU/CSU im Bundestag gekocht. Nach Buschmanns Aussage – er selbst war verhindert – ein Erfolg für das Bundesteam, das auch 2020 das Fest in Berlin kulinarisch bereichern soll.

Raphael Buschmann stammt aus einer traditionsreichen Twistringer Handwerkerfamilie an der Georgstraße. 2018 feierte die familiengeführte Wurstfabrik den 100.  Geburtstag. Daneben empfahl sich der Jungfleischer für höhere Aufgaben.

2018 in die Nationalmannschaft berufen

2018 wurde er in die Nationalmannschaft des deutschen Fleischerhandwerks berufen. „Ich war erstmal extrem sprachlos, dass ich zu einem internationalen Wettbewerb durfte“, erinnert sich Raphael Buschmann.

Der heutige Fleischermeister hatte seine Karriere Ende 2017 mit der Teilnahme am Bundeswettbewerb in Bremen gestartet. Er siegte. Und erhielt nach einem Auswahlverfahren Ende 2018 die Zusage zur Teilnahme am internationalen Wettstreit der besten Jungfleischer für diesen Mai in Frankfurt. Im Team mit dem Berufskollegen Manuel Kirchhoff (21) aus Olpe gab der junge Twistringer in der Bankenmetropole sein Bestes.

Im Nachhinein ist er überzeugt, dass Kirchhoff und er nicht so schlecht abgeschnitten haben. Zwei Berufskolleginnen aus den Niederlanden hatten am Ende die Nase vorn. Beim Wettbewerb werden stets nur die Sieger bekannt gegeben.

Vorbereitung auf Frankfurt seit Januar

Mit seinen 23 Jahren musste Buschmann ab Januar „Vollgas geben“ bei der Vorbereitung auf Frankfurt. Mit Kirchhoff trainierte er in einem kleinen Dorf im Siegerland. Mehrmals pro Woche konzentrierten sich die beiden auf die verschiedenen Disziplinen: Herstellen einer Pastete, Zerlegen einer Rinderschulter, auch eine Barbecue-Platte „mit schwierigeren Anforderungen als 2017 in Bremen“, so Buschmann.

Nur zwei Stunden vor dem Wettbewerb hätten sie die Zusatzaufgabe bekommen, ein Stück Schweinebauch mit Kurzbratstücken zu kreieren. Küchenfertig.

Vor Publikum produzierte das Duo zum Beispiel Nierenzapfen vom Rind als besondere Delikatesse und ein Omelett-Filet Wellington. Die Zubereitungszeiten für jede Aufgabe waren streng vorgegeben.

Besonders in Erinnerung blieb ihm die Stimmung inmitten der internationalen Konkurrenz: „Ich bin ja einiges gewohnt, aber die Erlebnisse auf der weltgrößten Fleischbedarfsmesse waren überwältigend. Die Stimmung war atemberaubend. Womit ich überhaupt nicht gerechnet habe“, schwärmt Raphael Buschmann heute noch. Kirchhoff und er hätten ihr Bestes gegeben – unter Mitbewerbern aus der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und England.

Zwei Wettbewerbstage und Besuch von der Familie

Nach zwei stressigen Wettbewerbstagen reiste zur Siegerehrung auch Buschmanns komplette Familie an. Die Ergebnisse aller Teilnehmer waren ausgebreitet. Jeder habe sehen können, was gelungen und was nicht so gut sei, erzählt der 23-Jährige.

„Im Moment der Siegerehrung war die Platzierung egal. Wir haben uns alle gefreut. Es war schon eine Ehre, für die Nationalmannschaft anzutreten.“ Besonders hat sich der Twistringer über das Lob vom Verbandspräsidenten Dohrmann gefreut. „Da weiß man: Man hat alles richtig gemacht.“

An eine Anekdote zum Schmunzeln erinnert sich Buschmann. Ein Prüfer kam auf die deutschen Teilnehmer zu und meinte, man habe ein Problem: Eine der Servierplatten der Deutschen sei leer. Buschmann lacht: Da sei ihre Hähnchenbrust im Speckmantel mit Käsekern sowie Brät mit Erdbeeren, Schokolade und Mango bei den Prüfern wohl besonders gut angekommen. Nach sieben Disziplinen sah sich das deutsche Duo selbst auf Platz drei oder vier unter sechs Teams. Natürlich hätten die ersten vier Monate dieses Jahres nervlich und körperlich sehr an der Kondition gezerrt, betont der Twistringer. Aber wenn noch einmal eine Anfrage für einen Leistungswettbewerb komme, sei er bereit, wieder mitzumachen.

Respekt für Gewinner aus den Niederlanden

Respekt und Anerkennung zeigte Buschmann in Frankfurt den Gewinnerinnen aus den Niederlanden. Deren Leistung sei super gewesen. Dabei seien die jungen Kolleginnen nicht gerade von kräftiger Statur gewesen. Da habe sich wieder einmal bewiesen, dass beide Geschlechter, Frauen und Männer, das Handwerk können, der junge Fleischermeister.

Und was nun? Von Wettbewerben hat Raphael Buschmann zunächst genug. Jetzt stehe das Tagesgeschäft des Familienbetriebes im Mittelpunkt, sagt er. Ideen hat der Firmenjunior genug, aber im Alltag sei das schwer umsetzbar, schon aus wirtschaftlichen Gründen. Und für Kunstwerke müsse der Kunde ja auch einen guten Preis zahlen.

Der junge Mann, der stolz auf sein Handwerk ist und begeistert dafür arbeitet, möchte auf jeden Fall in diesem Jahr noch einen Sommelier-Kurs für Fleisch belegen, im kommenden Jahr einen Kurs für Wurst, in Augsburg beziehungsweise in Landshut. Und er freut sich mit dem Nationalteam 2020 auf den Entscheid in Österreich.

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