Geprägt durch das große Vatikanische Konzil

Goldenes Jubiläum: Manfred Beuke seit 50 Jahren Priester

Seit 50 Jahren Priester: Manfred Beuke.
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Seit 50 Jahren Priester: Manfred Beuke.

Manfred Beuke aus Twistringen ist seit 50 Jahren Priester. Auf die Idee, diesen Weg einzuschlagen, brachte ihn einst sein Onkel. Der war bei einem österreichischen Orden. Ein frommer Mann – aber das war gar nicht der ausschlaggebende Punkt. „Entscheidend war für mich, dass er Holz hacken konnte“, erzählt Beuke und lacht.

Twistringen - „Er hat zugepackt, das hat mir imponiert“, erinnert sich der 80-Jährige an die Heimatbesuche seines Onkels in Twistringen. Zusammen mit seiner Mutter hat Beuke dem besagten Onkel dann auch mal einen Besuch in Österreich abgestattet. Da kam dann die Frage auf: Sag mal, was willst du eigentlich später werden?

Sie kamen auf das Priestertum zu sprechen. „Mein Onkel hat gesagt: ,Dann kannst du doch deine Matura hier in Österreich machen!‘“, berichtet Beuke. So kam es dann auch. Der Twistringer legte in Österreich bei einem Stift mit entsprechender Schule die Reifeprüfung (gleichzusetzen mit dem Abitur) ab.

Wo der Papst Deutsch lernte

„Weil meine Mutter alleinstehend war, bin ich danach wieder nach Deutschland zurückgezogen“, erzählt Beuke. An der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt machte er sein Philosophikum. Kleine Anekdote am Rande: Papst Franziskus war später auch dort, um im Rahmen eines Praktikums die deutsche Sprache zu lernen.

Für sein weiteres Studium sattelte Manfred Beuke nach Münster um. In die Zeit fiel ein Ereignis, das ihn bis heute stark prägt: das Zweite Vatikanische Konzil. Die Versammlung gilt als ein einschneidendes kirchliches Ereignis. Rund 2 500 Bischöfe aus aller Welt kamen zusammen und setzten sich mit der Frage auseinander, wie es mit der Kirche weitergehen soll. Als Berater waren auch Professoren Beukes direkt vor Ort in Rom, zum Beispiel der bekannte Theologe Karl Rahner. „Ich bin glücklich, dass wir diese Professoren noch erlebt haben“, so Beuke.

„Macht die Fenster weit auf!“: Das zweite vatikanische Konzil

Das Konzil stand unter dem Leitspruch „Macht die Fenster weit auf!“ Es ging darum, neue Impulse zu setzen, an festgefahrenen Strukturen zu rütteln und, wie Beuke sagt, „frische Luft in die Bude zu lassen“. „Das hat uns damals so richtig gepackt“, schildert er. Ein Teil der damaligen Aufbruchstimmung ist bei ihm immer noch spürbar, wenn er über die Veränderungen durch das Konzil spricht. „Dadurch wurden andere Religionen als für uns wichtig anerkannt – auch die anderen Religionen und sogar Ungläubige können in den Himmel kommen, wenn sie ehrlich nach ihrem Gewissen leben.“ Außerdem sei herausgestellt worden, dass nicht der Pastor allein das Sagen hat, sondern alle Getauften in der Kirche mitwirken dürfen und sollen.

Die neue Offenheit gegenüber dem evangelischen Glauben stand in einem Gegensatz zu der stark gegen Luther gerichteten Kirche, die Beuke zuvor während seiner Zeit in Österreich erlebt hatte. Damals herrschte im Zuge der Gegenreformation die Meinung vor, Evangelische müssten wieder katholisch werden – sonst müssten sie unter Umständen sogar in der Hölle schmoren. „Das hat sich zum Glück total geändert“, sagt Beuke. Er ist auch durch seine Familie offen geprägt und hatte immer ein gutes Verhältnis zu seinen evangelischen Verwandten. Er bezeichnet sie als „Geschwister im Glauben“.

„Alles, was Angst macht, ist falsch“

„Alles, was Angst macht, ist falsch“, ist der Pastor im Ruhestand überzeugt. „Gott will uns nicht gängeln. Er will uns Lebensmöglichkeiten eröffnen.“ Noch heute müssten die Verantwortlichen schauen, wie die einzelnen Punkte des Konzils besser umgesetzt werden könnten – weltweit.

Beukes Priesterweihe war am 26. Juni 1971. Danach trat er eine Stelle in Flensburg an. Dort erlebte er eine gute ökumenische Zusammenarbeit, wie er sie bis heute wichtig findet und auch in Twistringen wahrnimmt. Sein Weg führte Manfred Beuke weiter über Osnabrück, wo er stark im Bereich der Jugendarbeit tätig war, nach Bad Oldesloe, Rendsburg, Eckernförde und Neumünster.

Im Ruhestand ist er wieder zurück in seine Heimat gegangen. „Ich war immer mit Twistringen verbunden und habe hier auch noch Verwandtschaft“, erzählt er. Als Pastor i. R. ist er ins Gemeindeleben eingebunden und leitet zum Beispiel Gottesdienste. „Das macht mir Freude“, sagt er. „Ich bin froh, dass ich wieder hergekommen bin.“

Die Pfarrei möchte Beukes goldenes Priesterjubiläum am Sonntag, 4. Juli, feiern. Die Predigt übernimmt Ralph Sauer. Die Pfarrei hofft, dass im Anschluss an die Heilige Messe ein fröhliches Beisammensein mit der Gemeinde – unter Pandemiebedingungen – im oder beim Pfarrzentrum möglich ist. Anstelle von Geschenken wünscht sich Manfred Beuke eine Spende zugunsten der Twistringer Tafel. Die entsprechende Bankverbindung ist im aktuellen Pfarrbrief abgedruckt.

Von Katharina Schmidt

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