Wehmut kommt später

Heiligenlohs Ortsbrandmeister Friedrich Wellhausen hört auf

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Heute Abend tritt Ortsbrandmeister Friedrich Wellhausen nicht mehr zur Wahl an.

Heiligenloh - Von Theo Wilke. „Als ich in die Feuerwehr eingetreten bin, da war Atemschutz noch kein Thema“, erinnert sich Friedrich Wellhausen. Das war 1977. Der Ellinghauser ist Jahrgang 1956. Ihm bleiben noch gut 14 Monate bis zum Eintritt in die Altersabteilung. Seit 2006 ist er Ortsbrandmeister in Heiligenloh. Heute Abend gibt Friedrich Wellhausen sein Amt ab. Schon ein bisschen wehmütig? Nein, meint er, erstmal müsse er die Jahreshauptversammlung über die Bühne bringen. Seine Nachfolge sei aber schon vorbereitet.

Mehr als 40 Jahre hat Wellhausen freiwillig und ehrenamtlich als Feuerwehrmann im Dienst der Allgemeinheit gestanden – gerne und viel Freizeit dafür geopfert. „Da muss die Familie schon dazu stehen“, betont der zweifache Familienvater, Landwirt und Führungskraft mit Dienstgrad Oberbrandmeister. Überhaupt: Feuerwehrarbeit gelinge nur in der Gemeinschaft, so Wellhausen. Im März wird er 62. Fast seine ganze Familie ist in der Feuerwehr.

„Opel Blitz – mein Jahrgang!“

Im Bassumer Krankenhaus geboren, wächst Wellhausen in Ellinghausen auf, besucht die Schule in Heiligenloh, noch zu Zeiten des Schulmeisters Otto Bach. Dort, wo heute an der Hermannstraße der Kindergarten untergebracht ist.

Sein Großvater ist in der Feuerwehr gewesen, seine Eltern aber nicht. Dieter Passade überzeugt den 21-jährigen Friedrich seinerzeit, und der tritt gemeinsam mit Gerd Harms aus Bissenhausen und Heinrich Brand aus Heiligenloh in die 1905 gegründete Feuerwehr ein. Damals sind es knapp 40 Aktive, heute – gemeinsam mit der Löschgruppe Ridderade – aktuell 47 Aktive, darunter sechs Frauen.

„Mein erstes Einsatzfahrzeug war der Opel Blitz von 1956. Mein Jahrgang!“, erzählt der Ortsbrandmeister begeistert.

1978/79 wird die ehemalige Tischlerei am Kiekbusch zum Feuerwehrhaus umgebaut. Im Bild v.l.: Karlheinz Franz, Werner Fehner, Günter Haase, Rolf Bode, Friedrich Wellhausen, Volker Jungblut, Wolfgang Fehner und Ingo Blome. - Fotoarchiv: Feuerwehr

Zu den unvergessenen Höhepunkten zählt für Wellhausen ganz klar der Umbau der alten Tischlerei am Kiekbusch zum neuen Feuerwehrgerätehaus. „Das war sehr aufwendig. Da haben alle mit angepackt.“ Bei der Einweihungsfeier 1979 schließt die Ortsfeuerwehr ihr Kapitel „Spritzenhaus“ an der Hauptstraße – einst mit finanzieller Beteiligung der Blauröcke aus Bockstedt errichtet.

Heiligenloh wird Ende der 1970er-Jahre zur Stützpunktfeuerwehr. Die Stadt Twistringen stellt ein gebrauchtes Tanklöschfahrzeug zur Verfügung – einen Magirus, Baujahr 1954. Fünf Jahre ist der im Einsatz, bevor Heiligenloh einen neuen „Tanker“, das TLF 10, erhält. 2014 habe man das geländegängige Tanklöschfahrzeug TLF 2000 erhalten, zählt Friedrich Wellhausen sichtlich stolz auf. Mit 2000 Litern Löschwasser an Bord bestens geeignet für Flächenbrände.

Im vergangenen Jahr ist der Ortsbrandmeister maßgeblich an der Fusion mit Ridderade (jetzt Löschgruppe) beteiligt gewesen. „Wir sind aber noch im Anfangsstadium. Langsam wächst da was zusammen“, meint der Feuerwehrchef. Dies erfordere noch Zeit und Geduld.

Oft erstaunt von der Entwicklung

Mit den Ortsfeuerwehren Natenstedt, Borwede und Rüssen gehört Heiligenloh-Ridderade zum Löschzug West. Nach den neuen Standard- und Einsatzregeln werde der komplette Löschzug in Zukunft häufiger alarmiert, so Wellhausen. Und ganz wichtig sei, dass der Arbeitgeber mitspiele, damit die Kameraden im Ernstfall freigestellt werden. „In Heiligenloh klappt das gut“, lobt der scheidende Ortsbrandmeister.

Die Entwicklung im Feuerwehrwesen hat den fast 62-Jährigen in den vergangenen Jahrzehnten oft erstaunt. Früher habe man nur Feuer bekämpft. Inzwischen gebe es wesentlich mehr technische Hilfeleistungen und erheblich mehr Anforderungen an die Feuerwehr. Die Ausbildung sei viel intensiver geworden. Heutzutage gebe es fast keinen Einsatz mehr ohne Atemschutzgeräte.

In Heiligenloh funktioniere die Alarmierung mit Pieper und neuerdings auch über App auf dem Handy recht gut. Der digitalisierte Funkverkehr bereite keine Probleme, freut sich Wellhausen. In diesem Jahr würden noch die neuen Meldeempfänger an die Einsatzkräfte verteilt.

Was wünscht sich der Ortsbrandmeister? Wellhausen: „Dass der Standort Heiligenloh erhalten bleibt.“ Und seine schönste Erinnerung: „Der Opel Blitz. Damit habe ich angefangen, und damit fahre ich heute noch gerne. Und der liegt mir mehr am Herzen als der Magirus, der in unserer Scheune steht.“

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