Am Lebensende lindern

Palliative Chemotherapie kann nicht heilen, aber helfen

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Wollen aufklären über Hilfsmöglichkeiten in der letzten Lebensphase: (v.l.) Rieke Rohlfs, Alena Scholz, Michael Gillner, Georg Weißenborn, Erika Thoben und Andreas Weber-Sordon.

Twistringen - Von Anke Seidel. Nicht Heilung, sondern Linderung – das ist das Ziel der palliativen Chemotherapie, wenn Menschen unter einer unheilbaren Krankheit leiden und sich auf das Ende ihres Lebens vorbereiten müssen. Welche Chancen und welchen Nutzen hat so eine Behandlung am Ende des Lebens – und vor allem: Welche Risiken? Darüber berichtet der Internist, Onkologe und Hämatologe Dr. Georg Weißenborn während der ersten Hospiz- und Palliativ-Fachtagung im Landkreis Diepholz.

„Zuhause leben und sterben“ lautet das Thema der Tagung am Freitag und Sonnabend, 11. und 12. September, im Twistringer Hildegard-von-Bingen-Gymnasium. Als Veranstalter erwartet der Palliativstützpunkt Sulingen dazu Interessierte aus dem gesamten Landkreis Diepholz und weit darüber hinaus. Denn nicht nur Menschen, die tagtäglich mit unheilbar Kranken und Sterbenden arbeiten, wünschen sich mehr Informationen und Impulse – vor allem Angehörige, die sich auf den endgültigen Abschied vorbereitet müssen, wissen die Organisatoren.

Dr. Georg Weißenborn betreibt seine Praxis an der Twistringer Kirchstraße – für viele Menschen ein Ort der Hoffnung, weil sie ihre Krebskrankheit mit Hilfe einer Chemotherapie bekämpfen wollen. Genau die erhalten sie in der Praxis.

Doch für lange nicht alle erfüllt sich der Traum, wieder gesund zu werden. „In Deutschland erkranken in jedem Jahr 500000 Menschen neu an Krebs. Jeder zweite wird geheilt“, nennt Dr. Weißenborn Zahlen, die mit den Erfahrungen des Palliativstützpunktes übereinstimmen.

In den zwei Jahren ihres Bestehens hat diese Einrichtung mit Sitz in Sulingen knapp 500 Patienten versorgt. „400 von ihnen haben eine palliative Chemotherapie bekommen“, sagt Erika Thoben als Geschäftsführerin und Koordinatorin des Stützpunkts. Denn sage und schreibe 90 Prozent der Menschen, die über diese Einrichtung von Fachkräften betreut werden, leiden an Krebs.

Eine heimtückische Krankheit, die das Leben zerstören kann. Dr. Weißenborn nennt ein Beispiel: „Bei einem Menschen Mitte Fünfzig kann Darmkrebs so lange unerkannt wachsen, bis der Krebs schon unbemerkt in andere Organe gestreut hat.“ Der Betroffene verliere an Gewicht und leide an Appetitlosigkeit. Wende er sich dann an seinen Hausarzt, stelle der erhöhte Leberwerte fest – und am Ende Metastasen in diesem Organ. „In so einer Situation wissen wir, dass wir den Patienten nicht heilen können“, erklärt der Onkologe. Ohne eine Behandlung würde der Patient binnen sechs Monaten sterben. Ihm könne die palliative Chemotherapie aber wirksam helfen, weil sie die Symptome der Krankheit lindere und das Leben verlängere – bis zu drei Jahre.

Eine Zeitspanne, in der sich der Betroffene und seine Familie mit der Endlichkeit des Lebens auseinandersetzen müssen – und sich vorbereiten auf das Ende der einzig wirklich bewiesenen Existenz.

Wer um den eigenen Tod wisse, der erlebe das Leben in der letzten Zeitspanne besonders intensiv, sagt Andreas Weber-Sordon, ehrenamtlicher Hospizhelfer.

Mehr Informationen über wirksame Hilfen und Entlastungsmöglichkeiten gibt es während der Tagung. Das Programm ist im Internet zu finden.

www.palliativ-diepholz.de

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