Sönke Neubauer nur noch bis Ende 2020 Honorararzt in Twistringer Praxis Winter

Warten auf den Erbschein

Kümmern sich weiter um die Patienten der Winter-Praxis: die Bassumer Arztpraxis mit (v.l.) Henrike Holste, Iryna Behrend, Sönke Neubauer und Gerda Meyer-Winkler.
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Kümmern sich weiter um die Patienten der Winter-Praxis: die Bassumer Arztpraxis mit (v.l.) Henrike Holste, Iryna Behrend, Sönke Neubauer und Gerda Meyer-Winkler.

Twistringen/Bassum – Bis zu 1500 Patienten können zunächst aufatmen: Die Arztpraxis des verstorbenen Martin Winter wird bis Jahresende in der bisherigen Form weiter betrieben. Dr. Sönke Neubauer darf laut Kassenärztlicher Vereinigung Niedersachsen in Verden (KVN) ab Ende September für ein weiteres Quartal die Vertretung übernehmen. Dann ist Schluss. Die Nachfolge sei allerdings weiter ungeklärt, bedauert Honorararzt Neubauer. Der Erbschein vom Nachlassgericht fehlt noch.

Von der KVN wird es keine weitere Verlängerung geben. Aber: „Es sieht nicht schlecht aus. Mit der Verlängerung der Vertretungsregelung haben wir Zeit gewonnen. Alle Beteiligten sind an einer Nachfolge-Lösung interessiert. Es bewegt sich was“, betont Michael Schmitz auf Nachfrage. Der Geschäftsführer der KVN in Verden weiter: Im November werde sich der Zulassungsausschuss zusammensetzen und ein „gutes Gesamtkonzept“ beschließen, ist sich Schmitz sicher, ohne weitere Details zu nennen.

Laut des Bassumer Allgemeinmediziners Neubauer ist das erst mal eine gute Nachricht für die Patienten in Twistringen: „Von der KVN habe ich die Zusage, dass ich die Vertretung in Twistringen bis Jahresende in dieser Form fortführen darf.“ Aber er habe der Kassenärztlichen Vereinigung gesagt, dass er das allein nicht schaffen werde.

Deshalb hat Sönke Neubauer nach Zusage der KVN die Ärztin in Weiterbildung Henrike Holste angestellt. Sie wird ihn ab Mitte   September in Twistringen unterstützen. In seiner Bassumer Praxis im Gesundheitszentrum kümmern sich vor allem die angehende Fachärztin für Allgemeinmedizin, Iryna Behrend, und Dr. Gerda Meyer-Winkler aus Engeln weiterhin um die Patienten.

Mit der Anstellung von Henrike Holste sei es möglich, die tägliche Sprechzeit in Twistringen ab 14. September zu erweitern – von 8 bis 12 Uhr auf dann 8 bis 13  Uhr.

Dennoch, betont Neubauer, sei die Situation weiterhin sehr angespannt. Der notwendige Erbschein vom Nachlassgericht in Syke als Voraussetzung für die Praxis-Übernahme beziehungsweise den Verkauf an einen Nachfolger liege immer noch nicht vor.

Eine Anwaltskanzlei aus Syke vertritt die Interessen der Arzt-Witwe, Anke Meyer-Wolters. Bis heute könne diese jedoch nicht über das Praxis-Konto verfügen. Dort gingen aber weiterhin die Einnahmen der Praxis ein. Die Gehälter der Beschäftigten sowie laufenden Kosten müsse Meyer-Wolters aus eigener Tasche bezahlen. Und das Finanzamt fordere eine Steuerschuld ein, heißt es.

Sönke Neubauer äußert sich enttäuscht: Wenn der Twistringer Bürgermeister anrufe und frage, was er tun könne, und zusage, sich ans zuständige Amtsgericht zu wenden, auch andere ihre Hilfe anbieten – und es keine Rückmeldung gebe, dann sei das beschämend. Neubauer: Für die Arzt-Witwe und alle Beteiligten sei das „eine ganz schöne Zumutung“.

Bürgermeister Jens Bley berichtete Mitte Juli im Stadtrat über einen offenen Brief der Freien Wählergemeinschaft. Darin sei der Wunsch geäußert worden, sich um die Nachfolge und Fortführung der Hausarztpraxis von Dr.  Winter zu bemühen. Bley erklärte weiter, er habe bereits Gespräche mit Dr. Neubauer und auch mit der KVN geführt. Eine Fortführung der Praxis sei denkbar. Bley kündigte an, wegen der erbrechtlich ungelösten Angelegenheiten Kontakt zum Amtsgericht aufzunehmen, um eine „zügige Nachfolge zu erwirken“.

Sönke Neubauer befürchtet indes, dass sich kein Praxis-Nachfolger findet. „Es sei denn, ich übernehme den Standort.“ Er sorgt sich um die Praxis-Beschäftigten in Twistringen, die Ende 2020 ihre Jobs verlieren könnten, wenn die Übergangszeit einfach verstreicht. Jetzt heißt es: warten auf den Erbschein.

Im Juli berichteten wir bereits, dass der Arztpraxis Winter das Aus drohe. Damals Michael Schmitz von der KVN: „Wir haben gehört, dass es privatrechtlich nicht so einfach ist.“ Von der zulassungsrechtlichen Seite her sehe man kein Problem, wenn Dr. Neubauer nach der Vertretungsphase die Twistringer Praxis übernehme. Und: „Unser Ziel ist, die Patientenversorgung in Twistringen sicherzustellen – in irgendeiner Form.“ Denn alle Arztpraxen seien stark belastet.

Von Theo Wilke

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