Haftstrafe für Twistringer Schwarzfahrer

„Wahnsinnige kriminelle Energie“

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Haftstrafe für Twistringer Schwarzfahrer

Twistringen - Von Dieter Niederheide. Zwei Jahre und sechs Monate Gefängnis sprach das Schöffengericht gegen einen 46-jährigen Twistringer aus. Der Mann wurde aus der Justizvollzugsanstalt vorgeführt, wo er seit Januar einsitzt. Das Gericht hielt ihn für schuldig, über einen längeren Zeitraum 25 Schwarzfahrten mit Zügen der Bundesbahn und der Nordwest-Bahn sowie vier Diebstähle und einen Betrug begangen zu haben.

Der Vorsitzende Richter sagte dem Angeklagten in der Urteilsbegründung ins Gesicht: „Sie haben eine wahnsinnige kriminelle Energie und lassen sich durch nichts aufhalten. Sie sind nicht zu beeinflussen.“ Bei der Urteilsfindung spielten auf der einen Seite die Reihe an Vorstrafen eine strafverschärfende Rolle, auf der anderen Seite rechnete das Gericht dem Mann, der in Twistringen wohnte, sein „Ohne-Wenn-und-Aber-Geständnis“ strafmildernd an. Einbezogen in das Urteil wurden Vorstrafen.

Die Staatsanwältin beantragte zwei Jahre und acht Monate Gefängnis und sprach von einer verbrecherischen Intensität des Mannes. Der Angeklagte selbst, ein gelernter Einzelhandelskaufmann, schilderte sich als einen Menschen, der an den Rand der Gesellschaft gerückt wurde und das, wie er einsah, nicht zu Unrecht. Sein letztes Wort: „Ich werde nach der Strafverbüßung gesetzestreu leben.“ Ein Gutachten zur Frage der verminderten Schuldfähigkeit attestierte ihm eine vereinsamte Lebensführung, ein instabiles Selbstwertgefühl und ein exzessives Essen.

Das vorgeworfene Delikt der Beförderungserschleichung (im Volksmund Schwarzfahrt) war ihm nicht neu, als er 2015 und 2016 vom Zugpersonal bei rund 25 Fahrten ohne Fahrschein erwischt wurde. Dabei begnügte er sich nicht allein mit den regionalen Strecken zwischen Osnabrück, Twistringen, Syke und Bremen. Er setzte sich auch in Fernzüge und reiste im Raum Dortmund, Frankfurt, Hanau, Aschaffenburg, Köln, Kassel und Hannover herum. Der Angeklagte erklärte, er sei auf der Suche nach Arbeit oder neuen Lebensmittelpunkten gewesen. Bei der Feststellung der Personalien habe er den Zugbegleitern seine Gesundheitskarte gezeigt.

Nicht neu im Reigen der Anklagen war das Delikt Diebstahl. Vier Mal hatte er gestohlen, unter anderem in Hamburg. Die Beute waren unter anderem teure Handys, die er zu Geld machte. Bei dem angeklagten Betrug bot er per Internet-Kleinanzeige ein Handy für 500 Euro an. Ein Interessent leistete eine Anzahlung von 200 Euro auf das vom Angeklagten an gegebene Konto eines Bekannten. „Ich konnte das Handy nicht liefern, hatte kein Geld, war perspektiv- und arbeitslos, ich weiß, auch das war falsch von mir“, erklärte der 46-Jährige. Das durch die Diebstähle und den Betrug ergaunerte Geld habe er ausgegeben, weil er Hartz IV bezogen und sich auch mal was habe gönnen wollen.

Wie die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer ausführte, war der Fall sachlich klar, nicht zuletzt durch das offene Geständnis. Die Frage sei: „Was machen wir, um die Taten zu ahnden?“ Der Verteidiger ging kurz auf die Umstände ein, die den Mandanten dazu gebracht hatten, die Straftaten zu begehen. Das sei unter anderem die ständige finanzielle Notlage gewesen. Zur Lebenssituation des Mannes sagte der Anwalt: „Er hat die Arschkarte gezogen.“

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