Keine Eingangskontrollen bei Vortragsabend über AfD

„Stoppschild-Strategie“

Twistringen - Von Anke Seidel. Der Blick auf die „Braunzone“ in der AfD hatte schon im Vorfeld für Diskussionen gesorgt. Denn schon bei der Ankündigung ihres öffentlichen Vortragsabends in Twistringen hatten die Veranstalter klar gestellt: Teilnehmer aus rechten Gruppierungen haben keinen Zutritt. „Es wird aber keine Eingangskontrollen geben“, erklärte Referent Ralf Beduhn auf Nachfrage dieser Zeitung.

Denn ihm seien – genau wie seiner Co-Referentin Erika Schneider vom Bündnis gegen Rechts – viele Gesichter aus dieser Szene bekannt, berichtete Beduhn. Er beobachtet die rechte Szene seit Jahrzehnten, hat an der Kooperativen Gesamtschule in Leeste 24 Jahre die „Antifa“ geleitet – eine Schüler-Arbeitsgemeinschaft gegen Rassismus und Neofaschismus.

Mit dem Verweis auf Paragraf 6 des Versammlungsgesetzes und der klaren Zutritts-Regelung wolle man sich juristisch absichern, so Beduhn. Als Vertreter der „Kommission Courage“ in der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) will er Dienstag um 19 Uhr in der Twistringer Penne die Hintergründe der AfD und ihre Strömungen erläutern. „Ich will konkrete Beispiele für den neuen Antisemitismus beleuchten“, so Beduhn. Erklären wolle er auch, in welcher Verbindung die AfD zu Reichsbürgern stehe, sagte der Referent.

Er wünscht sich eine sachlich-konstruktive Diskussion, die nicht durch provozierende Beiträge aus rechten Gruppierungen gestört werden soll. Deshalb sei der Hinweis auf das Versammlungsgesetz als „Stoppschild-Strategie“ zu verstehen.

Ralf Beduhn referiert heute Abend in Twistringen. - Foto: Brauns-Bömermann

Gastgeber sind sowohl die GEW als auch das Bündnis gegen Rechts und die Partei Bündnis90/Die Grünen – exakt sieben Tage vor der konstituierenden Sitzung des neuen Kreistags. Dem gehört die AfD mit einer fünf Mitglieder starken Fraktion an. Deshalb will Beduhn nicht nur das Grundsatzprogramm der AfD kritisch beleuchten, sondern aus seinem Blickwinkel ebenso zwei Funktionäre dieser Partei im Landkreis Diepholz vorstellen: den stellvertretenden Kreisvorsitzenden Andreas-Dieter Iloff und den Kreistagsfraktionsvorsitzenden Harald Wiese.

Unabhängig davon will der Referent auf Wunsch grundsätzliche Empfehlungen dazu geben, wie sich Kreistagsabgeordnete der etablierten Parteien im Umgang mit der AfD verhalten können.

Sein Wunsch und der von Erika Schneider sei es, so Ralf Beduhn, „dass sich im Landkreis Diepholz eine neue Gruppe bildet, um das Verhalten der AfD zu beobachten“. Die Mitglieder dieser Gruppe, so hofft Beduhn, „könnten dann auch als Multiplikatoren wirken“.

Grundsätzlich bietet er als Vertreter der „Kommission Courage“ bei der GEW auch Vorträge in Schulen an. „Ich überlege noch, das auch für Politiker zu tun“, fügt der 65-jährige pensionierte Pädagoge hinzu.

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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