Ziel: Ausgleichsflächen und Artenvielfalt

Vorreiter: Stadt Twistringen schafft Blühstreifen

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Ulrike Ehlers und Martin Schlake mit dem Beispielblatt eines aufgemessenen Weges im Bereich Rüssen.

Twistringen - Von Theo Wilke. Die Stadt Twistringen steht unter Druck: Sie verfügt über keine eigenen Ausgleichsflächen für neue Bauprojekte mehr. Andererseits sind laut Experten 75 Prozent der Insekten ausgestorben, die Artenvielfalt ist extrem bedroht.

Dies sind zwei schlagende Argumente für das Wegeseitenränderkonzept der Kommune. Seit dem Frühjahr läuft die Umsetzung, werden zuvor überpflügte Randstreifen in artenreiche Blühsäume verwandelt. Die Stadt holt sich – ohne erhobenen Zeigefinger – öffentlichen Grund zurück.

„Die im Frühjahr in Rüssen eingesäten Wegestreifen sind gut angekommen“, freut sich Ulrike Ehlers im Rathaus. In Rüssen sind etwa zehn Kilometer Wegeseiten betroffen. Rund vier Hektar Fläche.

Bürgermeister Martin Schlake betont: Twistringen sei Vorreiter im Landkreis und stelle in der Wir-im-Norden-Region (WiN) gemeinsam mit den Nachbarkommunen Stuhr, Weyhe, Syke und Bassum die „Randstreifenentwicklung an landwirtschaftlichen Wegen“ auf eine breitere Basis. „Wir haben uns dieses Ziel im Bereich Klima und Umwelt gesetzt, und andere werden nachziehen“, weiß Ehlers, Diplom-Ingenieurin für Landschaftsentwicklung im Fachbereich Bau und Ordnung.

Bürgermeister lobt das Engagement

Der Bürgermeister lobt ausdrücklich Ehlers’ Engagement: „Klasse Arbeit!“ Sie habe das Thema schrittweise vorangebracht. Es werde niemand an den Pranger gestellt. „Ich habe mir jeden Acker und jeden Weg angeschaut, auch Fotos gemacht“, so Ehlers. Das beauftragte Büro Nordwestplan (NWP) aus Oldenburg hat Luftfotos ausgewertet und mit Hilfe des Lichtbildabgleichs sowie Vermessungsunterlagen Infoblätter mit Steckbrief für jeden öffentlichen Seitenstreifen dokumentiert.

Im Frühjahr in Rüssen gesät.

Abgestimmt wird die Umsetzung des Konzepts mit der Kreis-Naturschutzbehörde. Im Frühjahr 2018 werden weitere Blühstreifen im Bereich Borwede angelegt. Auch dort wird ein beauftragter Lohnunternehmer Seitenstreifen vorbereiten und laut Ehlers gleichzeitig ein besonderes Saatgut für dauerhafte Blühstreifen in die Erde bringen. Dies geschieht im Einvernehmen mit den Landwirten. Beispielsweise verzichtet die Stadt auf „Wilde-Möhre“-Saatgut im Bereich großflächigen Möhrenanbaus.

„Wir setzen Eichenspaltpfähle entlang der Ackergrenze, um die Blühstreifen gegen erneutes Überpflügen zu schützen“, so Ulrike Ehlers. Als Ansprechpartnerin für alle Betroffenen berichtet sie auch schon von ersten Kooperationen mit Landwirten. 

Einer von ihnen in Rüssen habe selbst vorgeschlagen, nördlich der Landesstraße, am Weg zu einem Schlatt statt eines 470 Meter langen Blühstreifens lieber eine Strauchhecke anzupflanzen. Ulrike Ehlers möchte Landwirte bei der Pflege der Blühstreifen einbinden. Geplant sind auch Kooperationen mit den Schulen

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