Vier Monate nach der Feuersbrunst: Thomas Jürgens baut neue Firmenhalle

„Nur in Jeans und barfuß“

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9. April 2015: Am Morgen nach der Feuersbrunst an der Wildeshäuser Straße.

Twistringen - Von Theo Wilke. Nur in Unterhose eilt Thomas Jürgens gegen 0.40 Uhr aus dem Haus. Die Alarmanlage hat den Twistringer Autohändler aufgeschreckt. Ist ein Rolltor offen, eine Tür aufgegangen? Viel schlimmer: Der 48-Jährige entdeckt Feuer. Er wählt den Notruf und weckt die Familie. Der 9.April 2015 wird für Familie Jürgens an der Wildeshäuser Straße zur Schreckensnacht. Autos, Garage, Werkstatt und Wohnhaus gehen in Flammen auf.

Wo bis April noch das Wohnhaus von Thomas Jürgens stand, entsteht eine neue Firmenhalle.

Die Ereignisse jener Nacht, als rund 150 Feuerwehrleute gegen die Flammen ankämpften, treiben Thomas Jürgens immer noch um: „Das war echt schlimm. Ich hatte nicht viel Zeit, das Ganze zu verarbeiten. Wir konnten nichts mitnehmen. Am schlimmsten war es für meine Mutter, sie hat fast 50 Jahre im Haus gelebt. Sie hat das aber ganz gut weggesteckt.“ Der 48-Jährige erinnert sich genau an die Brandnacht: „In Jeanshose und barfuß habe ich versucht, was zu retten.“ Sogar Polizisten hätten geholfen, Autos aus dem Gefahrenbereich zu schaffen. Von Herzen dankbar ist er den Feuerwehrleuten für ihren Einsatz. Es sei ganz wichtig, wenn sich Einsatzkräfte unter Atemschutz im Haus umsehen und Wertgegenstände sichern, etwa Handys und Geldbörsen.

Beispielhaft, lobenswert und unbedingt erwähnenswert aus Sicht des Autohändlers: Ein junger Feuerwehrmann, Freund seines Sohnes, habe sogar noch Festival-Tickets für das Hurricane in Scheeßel gerettet. Ein weiterer Brandbekämpfer, auch aus der Freundesclique, sei nicht müde geworden, zu helfen. Am Morgen habe er sogar die Pferde der Familie auf der Weide versorgt.

Am 9. April sind unter anderem zwei Oldtimer in der Werkstatt am Wohnhaus, drei Fahrzeuge in der Pflegehalle, das Nebengebäude (alte Werkstatt für Pflege, Tüv und Abgas) sowie Reifen und Fachwerkschuppen vernichtet worden.

Experten mehrerer Versicherungsgesellschaften fanden an nur einem Tag die Brandursache: technischer Defekt. Der anfangs auf rund 650000 Euro geschätzte Schaden liegt am Ende bei einer Million Euro.

Nach dem Abriss des unbewohnbar gewordenen alten Wohnhauses und der übrigen Brandruinen entsteht auf dem freien Platz eine neue Betriebshalle mit Büroräumen.

„Ich bin sehr dankbar für die große Hilfe, die Anteilnahme und das Mitgefühl aus der Bevölkerung.“ Den Nachbarn, den Freunden und Bekannten. „Und meinem eigenem Team, das mir den Rücken freigehalten und viel Arbeit abgenommen hat.“ Die Nachbarsfamilie Beuke habe seine über Nacht obdachlos gewordene Familie sofort aufgenommen. Später seien sie bei Familie Johannes Funke (Hof 12 Eichen) auf der anderen Straßenseite untergekommen.

Jürgens' Familie wohnt dort noch bis zur Fertigstellung des eigenen neuen Hauses, hinter dem Gewerbebetrieb, neben der Pferdeweide.

Beeindruckt hat den Twistringer Unternehmer ebenso die unbürokratische Unterstützung durch die Stadt Twistringen und den Landkreis. Zügig sei die Baugenehmigung fürs Wohnhaus eingetroffen. Auf die Bauvoranfrage für die neue Firmenhalle habe man schnell und positiv reagiert.

Nicht zu vergessen die Hilfe der zuständigen Versicherungsbüros (Allianz, VGH, Makler-Team Wessels) in Twistringen. Und: „Elektro Siemers hat nach dem Feuer morgens um 7 Uhr gleich zwei Gesellen geschickt. Gegen 9 Uhr konnte unser Autohaus-Betrieb weiterlaufen“, betont Jürgens. Er freut sich jetzt auf das neue Eigenheim. Seine Erfahrung: Es sei immens wichtig, die richtige Unterstützung vor Ort zu haben.

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