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Reiterin verkauft krankes Pferd und verschweigt Diagnose

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Landgericht Verden
Vor dem Landgericht in Verden musste sich ein Thedinghausener verantworten – das Verfahren wurde eingestellt. © Archivfoto: Bruns

Das Amtsgericht hatte eine 28-Jährige bereits wegen Betruges verurteilt. Vor dem Landgericht Verden will die Mutter einen Freispruch erstreiten.

Twistringen – Fünf Wochen nach dem Kauf einer wegen gesundheitlicher Probleme als „bedingt reitbar“ deklarierten Fuchsstute, soll eine 28 Jahre alte Angeklagte aus Achim diese zum zehnfachen Preis weiterverkauft haben. Weil sie der Käuferin verschwiegen habe, was sie zum Gesundheitszustand des Pferdes wusste, wertete das Amtsgericht Achim dies als Betrug und verurteilte die Frau zu acht Monaten Gefängnis. In einem Berufungsverfahren am Landgericht Verden will die junge Mutter einen Freispruch erstreiten.

Im Jahr 2016 wurde bei der Oldenburger Stute die Verdachtsdiagnose Meniskus-Riss gestellt. Bedingt durch Umzug und Studium sei das Pferd namens Insa in den folgenden Jahren nur ganz wenig geritten worden, berichtete die damalige Besitzerin in dem Prozess. Als die 27-Jährige nach Twistringen zurückkehrte, wollte sie wieder ihrem Hobby nachgehen, doch es war nicht möglich. Die Stute machte immer mehr Probleme. Schweren Herzens habe sie sich zum Verkauf entschlossen.

Die Gründe will sie der Angeklagten erklärt haben. Der damalige Klinikbericht war Teil des Kaufvertrages vom 19. Mai 2019. Statt der geforderten 1000 Euro einigten sich die Frauen auf 500 Euro. Die Angeklagte habe Insa als Beistellpferd haben wollen. „Ich hatte das Gefühl, dass es gut passt“, sagte die Zeugin.

In der Folgezeit habe sie das Pferd noch einmal in Oyten besucht und sich in der Folgezeit immer wieder erkundigt, wie es diesem geht. Fotos habe die Angeklagte ihr geschickt und Anfang 2020 die traurige Nachricht vom Tod der Fuchsstute. Ein Reitunfall, Fotos vom offenen Bein seien dabei gewesen. Eine Operation sei erfolgreich verlaufen, doch nach einer Kolik sei das Tier eingeschläfert worden, habe die Angeklagte ihr geschildert.

Im Sommer 2020 habe sich telefonisch eine Reitlehrerin aus Hamburg bei ihr nach Insa erkundigt. „Ich sagte, dass sie tot ist“, so die Zeugin. Doch die Anruferin habe gesagt, die Stute würde leben. Sie plane mit ihr zu züchten. „Ich bin aus allen Wolken gefallen und am selben Tag hingefahren. Dann stand das Pferd da.“

So entstand der Kontakt zu der 25-Jährigen, die von der Angeklagten das Tier für 5000 Euro gekauft hatte. Die Hamburgerin schilderte vor Gericht, dass sie die Stute nie richtig habe reiten können und den Grund bei sich gesucht habe. Ihre Reitlehrerin habe schließlich die Stute übernehmen wollen. Erst von der Twistringerin habe sie von den gesundheitlichen Problemen erfahren. Nach einer weiteren klinischen Untersuchung sei auch die Zucht nicht mehr in Frage gekommen. Heute lebe die 18-jährige Stute auf einem Gnadenhof.

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Die Angeklagte, die sich als Berufsreiterin bezeichnet, schweigt zu alldem. Viel mehr zu sagen und zu fragen, hatte einer ihrer Verteidiger. Doch kein Wort der Einsicht und Reue. Mit alten Aufnahmen aus dem Twistringer Reitstall, die ihm „zugespielt“ worden seien, versuchte er, Aussagen der 27-Jährigen zu widerlegen. Doch beide Zeuginnen zeigten sich sattelfest. „Wir wollen nicht das Leben des Pferdes im Detail klären“, merkte die Vorsitzende kritisch an. Die Kammer will bis zum Fortsetzungstermin entscheiden, ob sie Beweisanträgen des Verteidigers nachgehen will. Als der Verteidiger am Ende der mehrstündigen Verhandlung eine Verfahrenseinstellung anregte, erteilte der Staatsanwalt dem eine klare Absage: „Ich möchte Ihre Mandantin in Haft sehen.“

Das Achimer Urteil vom 10. September 2021 sei richtig. Die Angeklagte habe unter laufender Bewährung gestanden. Nur wenige Wochen vor der Tat soll sie zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden sein.  

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