Digitale Geschichtsbeiträge des Twistringer Stadtarchivs

Vergangenheit zum Herunterladen

Alte Dokumente wie das über Höfe in Twistringen sind oft schwer zu entziffern. Stadtarchivar Friedrich Kratzsch macht sie für die breite Öffentlichkeit zugänglich.
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Alte Dokumente wie das über Höfe in Twistringen sind oft schwer zu entziffern. Stadtarchivar Friedrich Kratzsch macht sie für die breite Öffentlichkeit zugänglich.

In vergangene Zeiten eintauchen, ohne bei nasskaltem Wetter vor die Tür treten zu müssen? Das geht mit den digitalen Geschichtsbeiträgen des Twistringer Stadtarchivs. 18 Dokumente stehen zum Herunterladen bereit. Weitere sollen folgen.

Twistringen – Timpen Berrus aus Neuenmarhorst war ein wandernder Handwerker. Er arbeitete um 1900 auch im Oldenburgischen. Eines Tages nahm er in der dortigen Gegend die Maße für ein Fenster. Das fertige Fenster passte später allerdings nicht. Ähnliches wiederholte sich. Konnte der Mann etwa nicht richtig messen?

Daran lag es nicht, wie sich herausstellen sollte. Sein Zollstock hatte hannoversches Zollmaß, nicht oldenburgisches. Maßeinheiten unterschieden sich damals teils von Ort zu Ort – eine üble Nachwehe der Kleinstaaterei.

Die Anekdote von Timpen Berrus stammt von Bernhard Lüllmann und ist in dem Buch „Überwiegend heiter geht es weiter“ (2003) von Twistringens Stadtarchivar Friedrich Kratzsch zu lesen. Was einst Timpen Berrus die Arbeit erschwerte, macht auch ein aktuelles Projekt von Kratzsch kniffliger.

Er arbeitet derzeit ein Dokument über Höfe im Kirchspiel Twistringen um 1600 auf, das er vom Kreisarchiv in Diepholz bekommen hat. Es ist eine Art Bestandsaufnahme: Welcher Hof hat wie viele Scheunen, wie viel Leinensaat, wie viel Vieh? „Die unterschiedlichen Maßeinheiten waren so was von provinziell und engstirnig. So kleinstaatlich war Deutschland organisiert“, erzählt Kratzsch.

Mit dem Dokument über die Höfe will er Twistringens digitales Archiv erweitern. Das umfasst bis dato 18 Beiträge. Sie handeln zum Beispiel von Hexen, Huren, Totenschlägern, Armut oder der gewerblichen Entwicklung Twistringens.

Die bisher veröffentlichten digitalisierten Beiträge stammen überwiegend von dem Heimatforscher Otto Bach (†2010) und Friedrich Kratzsch selber. Nach und nach sollen weitere hinzukommen. „Ich würde gerne noch einige Sachen von Otto Bach weiter verbreiten“, erzählt Kratzsch und erwähnt an der Stelle Bachs „Vorträge zur Geschichte des Twistringer Raums“.

Und die Höfeliste, die soll eben auch noch folgen. Kurz einscannen und fertig, mag sich da mancher denken. Aber mitnichten! Dahinter steckt viel Arbeit. Kratzsch will das Dokument nicht nur veröffentlichen, sondern auch verständlich machen.

Das fängt schon damit an, die alten, geschwungenen Buchstaben zu übersetzen – für Laien sind sie kaum bis gar nicht zu entziffern. Auch viele Begriffe sind weitgehend in Vergessenheit geraten. Kratzsch erklärt sie daher. So bedeutet „Hervesschatt“ zum Beispiel „Herbstschatz“ und damit eine Steuer, die zum Herbst zu entrichten ist. Und hinter dem sonderbar anmutenden Begriff „vhaernothe“ steckt der Furchengenosse – also der Nachbar einer Langstreifenflur eines anderen Bauern.

Die Arbeit an der Höfeliste beschert dem Archivar nicht nur Arbeit, sondern vor allem auch neue Erkenntnisse. Zum Beispiel bestärkt sie seine Annahme, dass es einst eine Wassermühle in Köbbinghausen gegeben haben könnte.

Noch ist das Dokument nicht digital einsehbar – um die Zeit bis dahin zu überbrücken, gibt es aber noch genügend anderen Lesestoff (siehe Infokasten). Hier geht‘s zum digitalen Archiv.

Folgende Beiträge sind online zu finden:


. Die Evangelischen im Kirchspiel Twistringen bis um 1900

. Aus der Geschichte der Kirchenglocken im Stadtgebiet

. Literaturverzeichnis-Stadtarchiv-Twistringen

. Straßennamen der Ortschaften von Twistringen

. Straßennamen der Stadt Twistringen

. Von Hexen Huren und Totschlägern

. Hexenglauben im Gebiet des jetzigen Landkreises Diepholz vor dem 2. Weltkrieg

. Wir konnten doch nicht spielen! – Kinderarbeit vom 17. bis 20. Jahrhundert

. Eisen und Stroh – Gewerbliche Entwicklung Twistringens (1871-1939)

. Twistringer Armenwesen der 1740er- bis zu den 1860er-Jahren

. Das Kloster im Fang bei Heiligenloh

. Der Kanonikerhof in Natenstedt

. Der Klosterhof in Natenstedt

. Graf Rudolph und die Goldene Brücke

. Junkernhöfe im Raume Twistringen

. Die Diepholzer Grundherrschaft im Raume Twistringen

. Um 1600 – Der letzte eingesetzte evangelische Pfarrer in Twistringen vor der Rekatholisierung

. Rekatholisierung Twistringens zur Zeit der Gegenreformation im Niederstift Münster

Von Katharina Schmidt

Für Laien kaum lesbar: Schrift von früher
Ein altes Dokument

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