Eckhard Ströhmer schafft vielseitige Werke

Verborgene Kunst

Eckhard Ströhmer mit seinem jüngsten Werk: ein hölzerner Adler. Schon als Kind hat Ströhmer hin und wieder geschnitzt.
+
Eckhard Ströhmer mit seinem jüngsten Werk: ein hölzerner Adler. Schon als Kind hat Ströhmer hin und wieder geschnitzt.

Twistringen – Stolz breitet der Weißkopfseeadler im Garten von Eckhard Ströhmer seine Flügel aus. Die Krallen des Tieres sind spitz, der Blick ist scharf. Ein verirrter Gast aus Amerika? Nicht ganz. Es handelt sich um die jüngste Holzskulptur von Eckhard Ströhmer. Seit mehr als 60 Jahren schafft er verschiedenste Kunstwerke. Sie sind in allen Winkeln seiner Wohnung zu finden, doch vor der Öffentlichkeit sind sie weitgehend verborgen. Schade eigentlich.

Es ist der Hinweis eines Nachbarn, der die Kreiszeitung zu Eckhard Ströhmer führt. Schon im Treppenhaus des Mehrparteienhauses in Twistringen, in dem er mit seiner Frau Ingrid wohnt, hängen realitätsgetreue Gemälde mit seiner Signatur. Eines zeigt das Meer.

„Uns zieht es immer wieder an die Ostsee, weil wir beide aus Pommern kommen“, erzählt Eckhard Ströhmer. Im Mai 1942 wurde er in Nörenberg geboren. Er war noch ein kleines Kind, als seine Familie aus der Heimat vertrieben wurde. Ströhmer wuchs auf einem Bauernhof auf. „Da fing ich schon ein bisschen an, mit dem Messer zu schnitzen“, erinnert er sich. Auch sein Interesse für bildende Künste zeichnete sich früh ab.

Es war ein weitläufiger Verwandter, der das Talent des Jungen ein paar Jahre später entdeckte und förderte. Ströhmer bewunderte diesen Verwandten. „Der konnte alles“, erzählt der 78-Jährige heute.

Mittlerweile ist er selbst ein Mann, der sich gut mit dem Wort „vielseitig“ beschreiben lässt. Er malt mit Öl- und Pastellfarbe, graviert Gläser, verziert Steine, verschönert Porzellan, schnitzt und bildhauert. Er fertigt kleine Möbelstücke, hat aber auch schon mal einen ganzen Wintergarten gebaut. „Man kann nicht sagen, ich mache alles – aber alles, wozu ich Lust habe“, sagt Ströhmer.

Erstes Bild 1958

Ab 1958 malte er seine ersten Bilder in Öl. „Ich hab nicht angefangen mit Blumen und Schmetterlingen, das war mir viel zu einfach. Ich habe gleich kompliziertere Sachen ausprobiert.“ Ein Schmunzeln breitet sich auf seinem Gesicht aus, wenn er an seine ersten Bilder denkt. „Gott, die würde ich heute in die Tonne werfen. Aber ich war so stolz.“

Die Jahre vergingen, Ströhmers Bilder wurden besser. Kunst war immer seine Leidenschaft, doch nie sein Beruf. Eigentlich wollte er Bühnenbildner werden. Der Wunsch überkam ihn bei seiner Schulentlassung, als er in Bremen in der Oper „Der Waffenschmied“ das handgemalte Bühnenbild sah. „Da wusste ich: Das ist mein Beruf“, sagt er. „Meine Eltern haben aber gesagt: Mach was Vernünftiges.“ Die Möglichkeiten waren begrenzt, und so wurde er Raumausstatter. Damals hieß das noch Polsterer und Dekorateur.

Großformat: Die Hand (rechts im Bild) verdeutlicht, wie groß dieses Gemälde von Eckhardt Ströhmer ist. Es hängt bei ihm und seiner Frau Ingrid zuhause im Flur.

Die Gardinen im Wohnzimmer von Eckhard und Ingrid Ströhmer sind fein drapiert, die Falten perfekt gelegt. Gemälde hängen an den Wänden. Auf der Fensterbank stehen Specksteinfiguren. Eine selbstgedrechselte Uhr zeigt an, wie spät es ist. Die Fenster geben den Blick in den Garten frei. Auch dort: Kunst, wohin man sieht.

Nur ein einziger Malkurs

Eckhard Ströhmer ist Autodidakt, hat sich sein Können also selbst beigebracht. „Einen einzigen Malkurs habe ich mitgemacht, in Bruchhausen-Vilsen“, berichtet der zweifache Vater. Das war allerdings zu einer Zeit, in der seine Bilder schon ziemlich nah an die Realität herankamen. Persönlich mag er die niederländischen Meister wie Rembrandt gerne.

Hände malen, Ausdruck schaffen – „das sind Herausforderungen. Und da fängt die Malerei für mich erst an“, sagt Ströhmer. Seinen Bildern ist das anzusehen. Der Twistringer hat immer das Bestreben, noch genauer, noch realistischer zu werden.

In Ausstellungen hat er seine Werke schon länger nicht mehr gezeigt. Die letzte war 2008 in Wildeshausen. Es war eine Gemeinschaftsausstellung mit seiner Frau, die Aquarelle malt. Damals lebten die beiden noch in Ahlhorn, bevor sie 2013 nach Twistringen kamen.

Diese zwei Eulen und der Stuhl beweisen: Die Kunst des Twistringers ist vielseitig.

Auftritt im Fernsehen

Auch in Brinkum und Moordeich hatte Eckhardt Ströhmer seine Werke präsentiert. Und: Sein großformatiges Landschaftsbild „Großglockner“ wurde 1984 aus mehr als 700 Einsendungen für die Fernsehsendung „Sonntagsmaler“ ausgewählt und so einem größeren Publikum gezeigt. Später wurde es in Bremen ausgestellt.

Inzwischen ist ihm der Aufwand für Ausstellungen aber zu groß. Das Großglocknerbild liegt zusammengerollt auf einem Schrank. Der Platz in der Wohnung ist nun einmal begrenzt. Recht kompakt sind da zum Glück Ströhmers Videoaufnahmen. Mehr als zehn Jahre lang hat er Naturfilme gedreht. „Ich stand manchmal stundenlang mit dem Stativ im Kornfeld und hab auf den Kleiber gewartet“, sagt er. „Aber es hat immer viel Spaß gemacht.“ Sein aufwendigstes Drehprojekt hatte ausnahmsweise nichts mit Natur zu tun: Es war ein Film zum 100-jährigen Jubiläum des Deutschen Roten Kreuzes in Harpstedt.

Manchmal guckt sich Ströhmer die alten Filme an, manchmal liest er, häufig schafft er Neues. Langeweile kommt zumindest nicht auf. „Ich muss immer etwas machen“, sagt er und lächelt.

Von Katharina Schmidt

Kunst im Treppenhaus: Eckhard Ströhmer mit einem seiner Werke

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Meistgelesene Artikel

Landkreis Diepholz: Todesfall nach Astrazeneca-Impfung – Staatsanwaltschaft ermittelt

Landkreis Diepholz: Todesfall nach Astrazeneca-Impfung – Staatsanwaltschaft ermittelt

Landkreis Diepholz: Todesfall nach Astrazeneca-Impfung – Staatsanwaltschaft ermittelt
Familienfehde in Diepholz: Großer Polizeieinsatz

Familienfehde in Diepholz: Großer Polizeieinsatz

Familienfehde in Diepholz: Großer Polizeieinsatz
Seniorin aus Weyhe stirbt nach Corona-Impfung: Entwarnung nach der Obduktion

Seniorin aus Weyhe stirbt nach Corona-Impfung: Entwarnung nach der Obduktion

Seniorin aus Weyhe stirbt nach Corona-Impfung: Entwarnung nach der Obduktion

Kommentare