Vandalismus und Partys: Überwachungskamera vor Twistringer Kirche installiert 

Benutzte Kondome auf dem Friedhof

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Der Friedhof hinter der Martin-Luther-Kirche wird nachts gelegentlich für Saufgelage aufgesucht.

Twistringen - Von Maik Hanke. Saufgelage, Drogenkonsum, Sex – auf dem Friedhof. Dort, wo Tote begraben liegen und Menschen trauern, feiern andere Partys. Die Liste der Vorfälle, an die sich die Mitglieder des Friedhofsausschusses der evangelischen Kirche in Twistringen erinnern, scheint endlos. Die Kirchen-Verantwortlichen merken: Immer mehr Menschen ist nichts mehr heilig. Und sie finden: Langsam reicht es.

Über die Frage, wie oft sie in diesem Jahr Ärger erlebt haben, können Pastorin Petra Rauchfleisch, Annemarie Behring vom Kirchenvorstand und Friedhofsgärtner Michael Bartels nur lachen – es waren unzählige Male.

Sie haben mittlerweile alles erlebt: von kleinen Respektlosigkeiten, wenn Hundehalter ihre Tiere auf fremden Gräbern liegen lassen, über die unterschiedlichsten Diebstähle – zuletzt von losen Grabeinfassungen – bis hin zu völligen Geschmacklosigkeiten, wenn etwa auf einer freien Grabfläche ein riesiges Hakenkreuz eingeharkt wird.

„Die Respektlosigkeit wird schon deutlich größer“, sagt Pastorin Rauchfleisch. Gerade im Sommer sei es schlimm, dann würden Menschen auf dem Friedhof regelrecht Partys feiern. Schnapsflaschen und benutzte Kondome findet Annemarie Behring danach regelmäßig.

„Je schöner und wärmer der Sommer ist, desto größer sind die Probleme“, sagt Rauchfleisch. Und auf Ermahnungen reagieren viele Menschen gar nicht mehr, hat Michael Bartels festgestellt: „Ich finde, dass die Leute aggressiver geworden sind.“

Wie extrem die Situation ist, war der Polizei bisher nicht bekannt, heißt es auf Anfrage der Kreiszeitung. Denn: Nur die wenigsten Fälle wurden gemeldet. „Wenn wir von nichts wissen, können wir auch nicht reagieren“, sagt der Twistringer Polizeistationsleiter Reinhard Imken. Auch eine Verschlimmerung über die vergangenen Jahre sei ihm nicht aufgefallen.

Bei der evangelischen Kirche hat man mittlerweile reagiert. Seit dem Frühjahr ist eine Überwachungskamera auf die Kirche gerichtet. Auslöser für die Entscheidung, eine Kamera zu installieren, war ein Vorfall, der sich im Sommer des vergangenen Jahres ereignet hatte: Damals hätten Vandalen mit einem Fahrradständer, der vor dem Kircheneingang stand, die Tür zur Sakristei zerlegt, fast alle niedrig gelegenen Kirchenscheiben (aus dem Jahr 1893!) wurden kaputt geschmissen, und als „Abschiedsgeschenk“ hinterließen die Täter noch einen „Haufen“ auf dem Tritt.

Petra Rauchfleisch ist überzeugt, dass solche Probleme sehr viele Friedhöfe betreffen.

Markus Tegeler, Leiter des katholischen Friedhofsausschusses, bestätigt auf Anfrage: „Ja, wir haben auch Probleme.“ Künftig werde am Betriebshof beim Friedhof eine Kamera installiert. Das hat der Kirchenvorstand kürzlich beschlossen. Auf Lampen wolle man verzichten. Zum einen gibt es keine Elektrizitätsquelle am Friedhof, und Leitungen neu zu legen, wäre zu teuer. Außerdem locke Licht nur zusätzlich Leute an.

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