Bald Streetwatcher-Projekt in Twistringen?

Vandalismus: Stadt setzt Belohnung aus

Spuren der Verwüstung: In jüngster Zeit gab es mehrere Fälle von Vandalismus in Twistringen.
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Spuren der Verwüstung: In jüngster Zeit gab es mehrere Fälle von Vandalismus in Twistringen.

In Twistringen ist es wieder einmal zu Vandalismus gekommen. Die Stadt hat eine Belohnung ausgesetzt für Hinweise, die helfen, den oder die Täter ausfindig zu machen. Außerdem könnte sich Bürgermeister Jens Bley vorstellen, dem Problem mit Streetwatchern entgegenzuwirken.

Twistringen - Die Schutzhütte im Twistringer Reisegarten wurde zum wiederholten Mal beschmiert. Auf eines der Schilder mit der Parkordnung hat jemand sogar ein Hakenkreuz gesprüht. Auch im Schwimmpark gab es in jüngster Zeit einen Fall von Vandalismus: Dort verschafften sich Personen unbefugt Zugang zum Bad und warfen Bänke ins Wasser. Die gerade erst mit viel Mühe erneuerte Beschilderung von Rad- und Wanderwegen wurde zum Teil schon wieder abgerissen. Und obendrein fehlte in Mörsen plötzlich ein Ortsschild – die Halterung war noch da, aber völlig verbogen.

In Mörsen hat jemand ein Ortsschild geklaut.

„Wie hier mit öffentlichem Eigentum umgegangen wurde, macht mich echt wütend“, sagt Bürgermeister Jens Bley. Er will das Problem auf mehreren Ebenen angehen.

Repression: Anzeigen und Strafen gegen Vandalismus in Twistringen

Bei Vandalismus leitet die Stadt Hinweise an die Polizei weiter und erstattet Anzeige – das fällt in die Kategorie der repressiven Maßnahmen. „In dem Zusammenhang ist es gut, wenn uns Bürger helfen und Hinweise geben“, sagt Bley. Dabei solle es nicht darum gehen, Mitmenschen anzukreiden, sondern Verantwortung für die eigene Umgebung zu übernehmen. Allein im Reisegarten ist ein Schaden von rund 600 Euro entstanden. Für Hinweise, die dazu führen, die Verantwortlichen ausfindig zu machen, hat die Stadt nun eine Belohnung von 300 Euro ausgesetzt.

„Im nächsten Schritt denke ich über eine Satzung über die Nutzung von Anlagen nach“, berichtet der Bürgermeister. Diese würde Regeln für öffentliche Anlagen beinhalten – und eben auch die Konsequenzen bei Verstößen festschreiben. In vielen Kommunen gebe es solch eine Satzung bereits, sagt Bley. „Das ist ein Thema, das ich noch mit der Politik besprechen möchte.“

Weiter führt er aus: „Der letzte Schritt bei den Repressionen, davon sehe ich zurzeit ab, wären Citystreifen und Videoüberwachung. Da möchte ich gar nicht hin.“ Ein gutes Miteinander sei wichtig, meint der Verwaltungschef. „Das möchte ich nicht mit Kontrolle und Sanktionen übersäen. Aber wenn es überhaupt nicht anders geht, müssten wir irgendwann auch darüber nachdenken.“

Prävention: Vandalismus vorbeugen

Als sehr wichtige Säule im Kampf gegen Vandalismus nennt Bley die Prävention. „Das eine, was man machen kann – und das machen wir auch – ist, die Polizei auf problematische Orte hinzuweisen, damit sie dort stärkere Präsenz zeigt.“

Schmierereien in der Schutzhütte im Twistringer Reisegarten

In Zusammenhang mit den Vandalismusfällen in Twistringen hat er sich zudem Gedanken über ein Streetwatcher-Projekt gemacht. „Das ist ein Konzept, das gibt es durchaus schon im Landkreis, in Weyhe zum Beispiel, Stuhr oder Bruchhausen-Vilsen.“ Streetwatcher sind Ehrenamtliche, die öffentliche Plätze aufsuchen und mit Menschen in Kontakt treten, um im Gespräch mit ihnen herauszufinden, wo denn der Schuh drückt. Dabei geht es nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger daherzukommen und zu fragen: „Ey, was macht ihr hier?!“ Sondern darum, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Kümmern statt Kontrolle. „Streetwatcher sind deutlich zu unterscheiden von Sicherheitsdiensten“, verdeutlicht Bley.

Streetwatcher: Wer hat Interesse, mitzumachen?

Die Idee steht und fällt damit, ob sich Leute finden, die sich vorstellen können, als Streetwatcher tätig zu werden. Wer Interesse hat, kann sich ans Rathaus wenden. Sofern sich ein paar Leute melden, will der Bürgermeister möglichst schnell eine Infoveranstaltung und Schulung organisieren.

„Du bist ein Hund“ steht auf dem Balken.

Laut Bley ist es auch wichtig, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob es in Twistringen genügend Freizeitmöglichkeiten gibt. Ein richtiger Bolzplatz, der fehle zum Beispiel, sagt er. Dahingehend führe er sehr gute Gespräche mit dem SCT. Auch mit dem Jugendhaus werde er sich noch weiter über Freizeitmöglichkeiten austauschen. Doch er betont: Hinter dem Vandalismus müssen nicht zwangsläufig Jugendliche stecken. „Das kommt in jeglichen Schichten vor.“

Auch wenn Vandalismus Gründe haben mag, die unter Umständen in Angriff genommen werden können – Verständnis für die Zerstörungen in jüngster Zeit hat Bley nicht: „Was ist nur los in unserer Gesellschaft? Was sind das für Werte?“ In dem Zusammenhang hebt er hervor, dass öffentliches Eigentum im Grunde Eigentum aller Bürger sei und dahinter nicht nur Arbeit von seinen Mitarbeitern stecke, sondern auch von Ehrenamtlichen.

Kontakt zum Rathaus: Telefon 04243 / 4130, rathaus@twistringen.de

Von Katharina Schmidt

Eine beschmierte Bank
In der Schutzhütte kam es schon mehrmals zu Vandalismus

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