Unternehmen im Schatten der Corona-Krise 

Sechs Betriebe aus Twistringen erzählen, wie sie mit der Pandemie umgehen

„Wir sind noch voll arbeitsfähig und dürfen es auch sein, weil wir zu einer systemrelevanten Branche gehören“, erklärt Verkaufsberater Marcel Pavel von Schröder Landmaschinen. Kunden müssen jedoch vorher anrufen. Foto: Schrödergruppe
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„Wir sind noch voll arbeitsfähig und dürfen es auch sein, weil wir zu einer systemrelevanten Branche gehören“, erklärt Verkaufsberater Marcel Pavel von Schröder Landmaschinen. Kunden müssen jedoch vorher anrufen.

Twistringen - Vielen macht das Coronavirus zu schaffen: Die Gastronomie leidet, Privatleute sind betroffen, aber auch Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Wir haben mit sechs Betrieben in Twistringen über das Thema gesprochen und gefragt, wie sie mit der Krise umgehen.

Wurstfabrikation Walter Buschmann

„Wir wollen einen Lieferservice für die Leute anbieten, die aus Sicherheits- oder Krankheitsgründen nicht raus können. Wir sind jetzt dabei, das auf den Weg zu bringen“, teilt Inhaber Andree Buschmann mit. „Wir suchen noch einen Tag, an dem man die Region abfährt und den Kunden die Ware vorbeibringt.“ Über einen Online-Shop vertreibt der Betrieb seine Produkte bereits. „Und unser Laden hat auch weiterhin geöffnet. Dort haben wir es so geregelt, dass wir immer nur maximal zwei Personen in den Laden lassen, da er sehr klein ist.“ Buschmann ergänzt: „Wir haben noch die komplette Belegschaft“, aber zum Schutz der Mitarbeiter seien dort Desinfektionsmittel aufgestellt worden. „Wir möchten das Risiko möglichst gering halten.“ Zudem hatte er im Voraus seinen Mitarbeitern gesagt, dass sie bei eventuellen Symptomen besser zu Hause bleiben sollten. „Wir merken, dass die Kunden vorsichtiger geworden sind. Sie schauen sich im Laden um, und bei mehr als zwei Leuten warten sie draußen“, berichtet Buschmann.

Dass weniger Kunden kommen, bemerke er nicht, aber er habe beobachtet, dass sie andere Produkte kaufen. „Insbesondere Hackfleisch kaufen die Leute viel und das Geflügel ist gerade auch sehr gefragt.“

Roess Nature Group

„Wir versuchen alles Mögliche, um den Betrieb am Laufen zu halten“, betont Thomas Roess von der Geschäftsführung. Er hoffe, dass der Betrieb von den Zulieferern die Ware bekommt, die Kunden die Produkte weiterhin kaufen und die Mitarbeiter weiterhin zur Arbeit kommen können. Bei den 100 Beschäftigten in Twistringen herrsche eine „extreme Verunsicherung“, so Roess. Er fügt hinzu: „Es gibt jeden Tag etwas Neues, auf das wir uns einstellen müssen, und das beschäftigt uns sehr.“ Die Zulieferer kämen überwiegend aus Deutschland, seien aber auch international. „Wir verarbeiten sehr viel Naturfasern. Die bekommen wir von unserem Tochterunternehmen aus Sri Lanka, aber da ist momentan Ausgangssperre“, berichtet er. Daher könne dort im Moment nicht produziert werden. Die Auftragslage sei zurzeit noch gut, „aber auch das kann sich schnell ändern“.

Die Mitarbeiter, die sonst im Büro arbeiten, machen seit vergangener Woche Home-Office. Mit den Arbeitnehmern hatte er im Voraus über das Thema Corona gesprochen. „Vielen ist bekannt, dass sie krank werden könnten und ihre Arbeitsplätze gefährdet sind.“ Viele seien daher sehr besorgt. „Wir geben unseren Mitarbeitern daher ein deutliches Zeichen, dass wir hier alles tun, um den Betrieb aufrechtzuerhalten“, betont Roess.

Wiese Keramik

Im Fliesenfachgeschäft Wiese Keramik werde derzeit nur noch in Teams gearbeitet. „Es gibt jetzt eine andere Aufteilung bei der Arbeit, um für den Fall der Fälle aufgestellt zu sein“, teilt der Geschäftsführer Christian Wiese mit. Die Übergabe erfolge per E-Mail oder telefonisch. Bei allen herrsche eine gewisse Unsicherheit. „Wir haben uns Gedanken gemacht und die Ausstellung geschlossen“, so Wiese. Privatkundschaft gebe es im Moment nicht mehr. Derzeit gebe es lediglich noch den Kontakt zu Profi-Kunden.

Siemers-Elektro

Das Geschäft ist zurzeit geschlossen, „aber Kundenbesuche sind noch erlaubt“, sagt Geschäftsführer Christoph Rußmann. Im Vorfeld müsse jedoch geklärt werden, ob es möglich sei, zu den Kunden oder Baustellen zu fahren. Zum Schutz der 50 Mitarbeiter seien Desinfektionsmittel aufgestellt worden. „Bei Anzeichen von Schnupfen oder Fieber sollen sie sich mit dem Hausarzt in Verbindung setzen“, so Rußmann. Im Büro arbeiten aktuell sechs Beschäftigte. „In der vergangenen Woche gab es ein Mitarbeitergespräch, da haben wir sensibel über das Thema gesprochen. Leider kann ja keiner sagen, wie lange das Ganze noch dauert.“

MST-Maschinenbau

Beim Maschinenbauunternehmen MST wird Hygiene ganz großgeschrieben. „Es wird dauernd desinfiziert, Fremde dürfen das Bürogebäude gar nicht mehr betreten, und dreimal am Tag kommen Reinigungskräfte, die die Türgriffe sauber machen. Die Mitarbeiter halten mindestens 1,5 Meter Abstand“, listet die Mitarbeiterin Jutta Müller auf. Vorsicht sei die oberste Maßnahme. Sobald in der Familie Anzeichen seien, sollen die Beschäftigten zu Hause bleiben. „Einige feiern ihre Überstunden ab, aber sonst sind alle da“, so Müller.

Die Auftragslage sei im Moment noch gut. „Aber wir sind ja auch noch am Anfang der Krise.“ Im Fall der Fälle könne auch von zu Hause aus gearbeitet werden. Die Laptops stünden schon bereit.

Schröder Landmaschinen

„Wir sind noch voll arbeitsfähig und dürfen es auch sein, weil wir zu einer systemrelevanten Branche gehören“, erklärt Verkaufsberater Marcel Pavel. Das Unternehmen hat aufgrund der Umstände ein Zwei-Schicht-System eingeführt. „Die erste Schicht beginnt um 6 Uhr und geht bis 12 Uhr. Die zweite Schicht geht von 12.30 bis 18.30 Uhr. Wir arbeiten jetzt sechs Stunden pro Schicht“, sagt Pavel. Dadurch verliere der Betrieb etwa 20 Prozent an möglicher Arbeitsleistung. „Das ist aber noch vertretbar.“ Home-Office sei schon vor der Corona-Krise eingeführt worden. „Einige aus dem Vertrieb wohnen weiter weg. Die müssen aber nicht erst jeden Morgen herkommen, um dann zum Kunden zu fahren“, erklärt Pavel. Im Moment werden Kundenbesuche jedoch gemieden.

Neben Desinfektionsspendern und Einmalhandschuhen für die Mitarbeiter hat das Unternehmen bestimmte Bereiche für Kunden abgesperrt. „Im Ersatzteillager ist eine Scheibe am Tresen errichtet worden, und vor den Empfangsbereichen sind Markierungen, die auf den Abstand hinweisen.“ Die Gebäude seien zudem für externe Leute gesperrt. „Die Kunden müssen vorher anrufen, dann trifft sich jemand mit ihnen im Außenbereich“, erklärt Pavel.

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