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Die Deutsche Kurrentschrift: Untergegangene Wörter und alte Buchstaben

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Von: Katharina Schmidt

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Manchmal muss das Kleine Lexikon der untergegangenen Wörter weiterhelfen.
Manchmal muss das Kleine Lexikon der untergegangenen Wörter weiterhelfen. © Schmidt

Ob in Feldpost, Liebesbriefen oder offiziellen Dokumenten: Die Botschaft hinter den geschwungenen Buchstaben der Deutschen Kurrentschrift bleibt oftmals im Verborgenen. Viele Menschen können diese alte Schreibschrift, einst gängige Verkehrsschrift in Deutschland, nicht lesen. Twistringens Stadtarchivar Friedrich Kratzsch hilft dabei, in Kurrentschrift Niedergeschriebenes zu entziffern.

Twistringen - „Meine Mutter hat immer in der Deutschen Schrift geschrieben“, erzählt er. Zudem habe er die Kurrentschrift noch selbst in der Schule gelernt. Im dritten oder vierten Schuljahr müsste das gewesen sein, erinnert er sich.

Bis heute hat er die Schrift nicht verlernt. „Das hängt damit zusammen, dass ich mich mit Geschichte beschäftige“, führt der Stadtarchivar aus. Immer mal wieder transkribiere er dabei alte Dokumente, etwa um sie im digitalen Archiv der Stadt Twistringen zu veröffentlichen. „Je weiter man in der Geschichte zurückgeht, desto eigenartiger ist oft die Schreibweise.“

Das „Kleine Lexikon untergegangener Wörter“

Das ist einer der Gründe, warum er nicht pauschal sagen kann, wie lange es dauert, ein Dokument zu transkribieren. Manchmal erschweren auch Rechtschreib- und Grammatikfehler das Verständnis, oder er muss das „Kleine Lexikon untergegangener Worte“ hervorholen. Wer da einen Blick reinwirft, könnte glatt meinen, es mit einer ganz anderen Sprache zu tun zu haben: brût-hûs bedeutet Hochzeit, brûgge-sten heißt Pflasterstein.

Für viele Menschen unleserlich: Die geschwungenen Buchstaben der Deutschen Kurrentschrift.
Für viele Menschen unleserlich: Die geschwungenen Buchstaben der Deutschen Kurrentschrift. © Schmidt

Auch im Auftrag hat Kratzsch schon Dokumente übertragen – wenn Leute wissen wollen, was es mit alten Briefen aus Familienbesitz steht. Zuweilen kommen da spannende Geschichten zutage. Und Emotionen. So berichtet Kratzsch von einem Feldpostbrief als letzte Botschaft an die Heimat.

Wer auch so ein altes Schriftstück hat und gerne die Bedeutung verstehen möchte, kann Kratzsch gerne kontaktieren. Das Geld, das er für die Transkription nimmt, fließt in die Kasse des ehrenamtlich geführten Stadtarchivs.

Kontakt: stadtarchiv@twistringen.de

Über die Deutsche Kurrentschrift

Das Wort „Kurrentschrift“ leitet sich von dem lateinischen „currere“, zu Deutsch „laufen“ ab. Ein Blick auf das fortlaufende Schreibbild dieser Schreibschrift lässt erahnen, wieso. Sie war im 19. und frühen 20. Jahrhundert gebräuchlich. Im Dritten Reich wurde die Kurrentschrift laut dem öffentlich-rechtlichen Angebot „Planet Wissen“ zunächst gefeiert. „Doch dann wurden die so urdeutschen Schriften plötzlich abgeschafft, als Hitlers Stellvertreter Martin Bormann 1941 einen Runderlass herausgab und die sogenannten ,Schwabacher Judenlettern‘ verbot.“ Es werde gemutmaßt, dass der eigentliche Grund gewesen sei, dass die Schrift in den besetzten Gebieten zu unbekannt gewesen sei. Manchen ist vielleicht eher die Sütterlinschrift ein Begriff. Dabei handelt es sich um eine Abwandlung der Kurrentschrift. ks

Von Katharina Schmidt

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