Wolfgang Sichert faszinieren die berühmten Bausteine / Heiligenloher konstruiert seine eigenen Modelle

Mit der „Union Pacific“ ins Legoland

Lego-Fan Wolfgang Sichert aus Heiligenloh mit einigen seiner Lieblingsmodelle. - Foto: Wilke

Heiligenloh - Dem Original kommt die gelbfarbene Lokomotive schon recht nahe. Es gibt sie allerdings nicht als Bausatz aus dem Katalog. Die „Union Pacific“ ist ein Einzelstück aus Lego-Steinen. Wolfgang Sichert aus Heiligenloh hat sie selbst gebaut. Auch viele andere Loks, Bahnwaggons oder auch besondere Automodelle. Der 50-Jährige ist seit den Kindertagen in Bayern vom Lego-Virus infiziert. Sein Hobby lebt er allerdings erst seit der Geburt von Sohn Tassilo richtig aus.

„Bau dir deine Welt, wie sie dir gefällt.“ – Das ist Wolfgang Sicherts Motto. So ist auch sein VHS-Vortrag überschrieben, den der Unternehmer für Objekteinrichtungen morgen ab 19.30 Uhr in der Twistringer Stadtbücherei hält. Es sind noch Anmeldungen über die Kreis-VHS möglich, unter 04242/ 976-4444.

Loks und ältere Autos sind seine Leidenschaft

Wolfgang Sichert wird „das Geniale an Lego“ erklären und warum dieses eigentlich unkaputtbare Allround-Spielzeug nicht nur Kinder begeistert, sondern auch nette erwachsene Menschen verbindet. „Mit den Bausteinen kann man so viele Ideen umsetzen“, erzählt der Wahl-Heiligenloher. Von Beruf ist er Tischler, Bürokaufmann, Betriebswirt und Industriemeister.

„Mir reicht das nicht, was Lego auf den Markt bringt. Ich will mehr, ich will bearbeiten und veredeln“, sagt Sichert. Sein Anspruch: Statt klassisch muss es variabel und kompliziert sein. Er entwickelt zeitaufwändig normale einfache Bausätze zu detailgetreuen Kunstwerken. Dabei verblendet er unter anderem die sogenannten Noppen mit glatten Bausteinen. Nur die genormte Schienenachse liefere die Basis, ansonsten sei er frei, was Form und Farbe der Modelle angehe, erläutert der Heiligenloher.

Der dreifache Familienvater gibt zu, er sei heute noch ein ausgesprochenes „Spielkind“. Ehefrau Katja, eine gebürtige Drentwederin, sowie die gemeinsamen Kinder Theresa (10), Thilo (14) und Tassilo (18) würden seine Leidenschaft tolerieren, auch mal mit ihm zusammen etwas bauen. Aber so euphorisch wie er seien sie nicht, lacht der 50-Jährige. Wie viele eigene Modelle er zu Hause hat, weiß er spontan nicht zu sagen.

Bausteine besorgt sich der Konstrukteur kiloweise im Internet oder auf Lego-Börsen. Immerhin 2 000 oder auch 3 000 Steine braucht es für eine Lok im Gartenbahn-Maßstab. Am liebsten hockt Sichert sich zu Hause mitten im Zimmer auf den Boden und sortiert erstmal einen großen Lego-Haufen.

Eines Tages kommt er auf die Idee, eine amerikanische Lok nachzubauen, informiert sich im Internet und studiert den Aufbau der berühmten Union Pacific. Schließlich setzt sich sein Modell aus mehreren Bautechniken zusammen. „Da sind die Steine nicht wie üblich von unten nach oben, sondern in alle Richtungen zusammengesteckt“, erklärt der Heiligenloher begeistert. Der Blick in den Führerstand der Lok zeigt: Das sieht alles ganz schön verschachtelt aus. Manche Steine liegen auch Rücken an Rücken. Auf einem Tieflader hat Wolfgang Sichert eine Oldtimer-Lok platziert: „Sowas gibt es in Wirklichkeit gar nicht.“

Ältere Automodelle sind seine zweite Leidenschaft. Der 50-Jährige nimmt ein knallrotetes Gefährt in die Hand. „Haben Sie es erkannt?“, fragt er. – Ja, klar: ein erstaunlich gut gelungenes Modell des Volvo 740. Auf dem Tisch daneben steht ein Schiffsdiesel auf einem Schienenfahrzeug. Und daneben noch eine gelbe Standuhr für ein Puppenhaus.

An die Kindheit erinnert sich der Lego-Fan genau. In seiner Geburtsstadt Neuendettelsau im Kreis Ansbach hat sich der kleine Wolfgang zu Weihnachten einen Lego-Baukasten gewünscht. Die Enttäuschung ist groß: Seine Eltern, die ein bundesweit gefragtes Tischlereiunternehmen betreiben, schenken ihm eine Werkzeugkiste.

Die Familie zieht später in den Norden, nach Drentwede, wo der Vater einen Resthof gekauft hat. Dort verbringt Wolfgang seine Jugend. Er lernt Tischler. Von seinem ersten Lohn kauft er sich Lego-Steine und konstruiert eigene Modelle, etwa einen ferngesteuerten Laster, ein römisches Viadukt, baut später auch einen Schwarzwaldbahnhof und nennt ihn „Nöppistein“, wegen der genoppten Legosteine.

Ausstellungen sind Wolfgang Sicherts Sache nicht. Nur alle zwei Jahre beteiligt er sich an der Lego-Schau „Steinstark“ in Bookholzberg. Und er pflegt Kontakte zu einigen Freunden im Bundesgebiet.

Nach Feierabend muss die Familie ihn nicht lange suchen. Wolfgang Sichert hockt wahrscheinlich wieder inmitten vieler Bausteine auf dem Fußboden, das nächste Modell schon im Kopf.

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