Reformbewegung Maria 2.0

„Ehrlich gesagt, bin ich auch wütend“

An der Tür von St. Anna hängen seit dem Wochenende die Thesen Maria 2.0.
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An der Tür von St. Anna hängen seit dem Wochenende die Thesen Maria 2.0.

Twistringen – Als Martin Luther am 31. Oktober 1517 einer Legende nach seine Thesen an die Wittenberger Schlosskirche nagelte, läutete er damit die Reformation ein, und die protestantischen Kirche wurde gegründet. Am Wochenende heftete die Reformbewegung Maria 2.0 sieben Thesen an Kirchen- und Domtüren deutschlandweit und weist damit auf die eklatanten Missstände in der katholischen Kirche hin.

Damit untermauert Maria 2.0 ihre Forderungen nach Reformen hin zu einer zukunftsfähigen Kirche. „Wir wollen nicht die Kirche übernehmen, sondern gemeinsam mit den Männern Kirche gestalten“, so Maria Stenner-Dieckmann bei der Aktion in Twistringen.

Sieben Thesen an der Tür von St Anna

Wer künftig vor den Türen der St.-Anna-Kirche steht, erblickt große Plakate, auf denen die Thesen Maria 2.0 zu lesen sind. Diese richten sich an alle Menschen, die guten Willens sind und die Reformbewegung unterstützen möchten. Angemahnt wird unter anderem eine geschlechtergerechte Kirche mit dem Zugang für alle Menschen zu allen Ämtern. „Dies war eine Überraschungsaktion für die Bischöfe“, erklärt Maria Schläger.

Anlass sei die am Dienstag startende Bischofskonferenz. „Wir hoffen darauf, dass die Bischöfe über die Thesen sprechen werden“, so Stenner-Dieckmann weiter.

Die Frauen, die sich an diesem Morgen vor dem Gotteshaus zusammengefunden haben, wollen, wie ihre Mitstreiterinnen bundesweit, wachrütteln und Themen immer wieder ansprechen. „Die notwendigen Reformen stehen in diesen Thesen“, erläutert Bianka Schmedes. Wie zum Beispiel die Abschaffung des Pflichtzölibates. „Wir möchten, dass die Priester frei entscheiden können, ob sie alleine oder in einer Partnerschaft leben wollen.“ Auch in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft geht der Wunsch nach Änderungen weiter.

„Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufklären“

Eine weitere für die acht Anwesenden wichtige These ist die dritte: „In unserer Kirche werden Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Ursachen werden konsequent bekämpft“, so der Wortlaut. Denn viel zu lange schon sei die katholische Kirche ein Tatort sexueller Gewalt. „Der Missbrauch muss weiter thematisiert werden“, sind sich die Frauen einig. Der Auftrag ist die Botschaft Jesu Christi, wie in der letzten These zu lesen ist. „Wir handeln danach und stellen uns dem gesellschaftlichen Diskurs.“ Denn die Kirchenleitung habe ihre Glaubwürdigkeit verspielt und ihr gelinge es nicht, sich überzeugend Gehör zu verschaffen sowie sich im Sinne des Evangeliums für eine gerechte Welt einzusetzen, heißt es weiter.

„Ehrlich gesagt, bin ich auch wütend“, gesteht Stenner-Dieckmann. „Aber Wut setzt Energien frei und gibt Kraft, etwas zu ändern.“

Diese Chance nach Änderungen soll nun von den Verantwortlichen genutzt werden, so die Hoffnung. Man habe den Zeitpunkt der Veröffentlichung der Thesen bewusst vor die Vollversammlung der deutschen Bischöfe vom 23. bis 25. Februar gesetzt. „Viele Priester, wie unser Pfarrer Joachim Kieslich, stehen hinter Maria 2.0“, berichtet Schläger. Deshalb hoffe man, dass die Thesen auch bei den Bischöfen Anklang finden. Und so wie Luther mit seinen Thesen Großes in Bewegung gesetzt habe, hoffen auch die Frauen und Männer von Maria 2.0, dass die Bischofskonferenz endlich beginne, sich ernsthaft mit den in der katholischen Kirche notwendigen Reformen auseinanderzusetzen und erneut Großes in die Wege zu leiten.

Die Bewegung Maria 2.0 macht seit Mai 2019 immer wieder mit Aktionen in Kirchengemeinden, Bistümern und auch bundesweit auf ihre Forderungen aufmerksam. Die Graswurzelbewegung – ein loser Zusammenschluss ohne Vorstand und Regularien – findet inzwischen auch im europäischen Ausland Anklang. „Maria 2.0 wächst schnell wie Gras und verbreitet sich flächendeckend“, freuen sich die Frauen der Pfarrei St. Anna, zu denen neben Twistringen auch Harpstedt, Bassum und Marhorst gehören. „Es kommen aber auch Frauen und Männer aus Diepholz, Barnstorf und Sulingen zu unseren Treffen.“

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