Twistringerin wirft nach OP in Bassum Ärzten grobe Behandlungsfehler vor

77-Jährige will Bassumer Klinik verklagen

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Alexianer-Klinik in Bassum

Twistringen - Von Theo Wilke. „Grobe Behandlungsfehler“ und eine nicht ausreichende Aufklärung wirft Lieselotte Nienstedt aus Twistringen dem Personal der Bassumer Klinik vor. Die 77-Jährige war 2014 wegen eines Narbenbruch im Bauchbereich operiert worden. Nienstedt wird den Alexianer Klinikverbund verklagen, der Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche ablehnt.

Rechtsbeistand Harald Weymann aus Twistringen bereitet die Klageschrift für das Landgericht Verden vor. Lieselotte Nienstedt sei im Juni und Juli 2014 stationär behandelt worden. Ihr Gesundheitszustand habe sich danach auch aufgrund einer Infizierung mit einem Haut- sowie Darmkeim lebensbedrohlich verschlechtert, sagt Weymann. Seine Mandantin sei übergewichtig, zucker- und herzkrank. Und schwerhörig, was seiner Meinung nach vom Klinikpersonal nicht erkannt worden sei.

Lieselotte Nienstedt war 2012 in Cloppenburg bei einer Bauch-OP ein Blutgefäß-Bypass gelegt worden. Im Mai 2014 hatte der Hausarzt Lieselotte Nienstedt auf deren Wunsch hin an die Bassumer Klinik zur Versorgung eines großen Narbenbruches im Unterbauch überwiesen.

Damals wurde die Patientin laut Chirurgie-Chefarzt Dr. med. Hans-Peter Wüllenweber umfassend aufgeklärt, auch über das besondere Risiko einer Wundheilungsstörung, einer Nachblutung und eines Rückfalls. Rechtsbeistand Weymann meint: Wegen ihrer Schwerhörigkeit habe die Twistringerin gar nicht alles mitbekommen. Und Lieselotte Nienstedt: „Auf dem Zimmer lagen mehrere Patienten, die Ärzte standen am Fußende und redeten. Wenn ich damals alles verstanden hätte, hätte ich mich anders entschieden.“ Man habe ihr vor der OP ein Papier hingelegt und gesagt: „Unterschreiben Sie mal hier.“

Am 5. Juni wurde Nienstedt das erste Mal operiert, unter anderem ein Netz in die Wunde implantiert. Weil die Patientin aber laut Dr. Wüllenweber sehr übergewichtig und infektgefährdet war, wurden eingebrachte Saugdrainagen schon nach drei Tagen entfernt. Danach konnte die Patientin nach Hause. Die Wunde habe sich „in reizloser Abheilung“ befunden, schrieb der Chefarzt später in einer Stellungnahme an die Klinik-Geschäftsleitung in Eydelstedt.

Die Patientin ist heute überzeugt: „Man hätte mich nicht so früh entlassen dürfen.“ Die Wunddrainagen seien auch zu früh entfernt worden. Nienstedts Bauch schwoll dann stark an, sie hatte starke Schmerzen. Am 2. Juli landete die Twistringerin erneut in der Bassumer Chirurgie.

Am 4. Juli folgte die zweite OP. Viel Sekret hatte sich im Bauchraum angesammelt und musste abgesaugt werden. Drainagen wurden erneuert und knapp eine Woche später wieder entfernt. Die Patientin bekam in der Klinik Durchfall. Laborproben ergaben: Sie hatte sich mit zwei Krankheitserregern infiziert.

Was Chefarzt Wüllenweber aber nicht auf die stationäre Behandlung zurückführte. Er hielt am Ende sämtliche Vorwürfe für nicht gerechtfertigt – und auch den Weg über eine Schlichtungsstelle für nicht angemessen. Laut Wüllenweber werden nämlich „Gutachten aus den Nettogehältern der Ärzte (Kammerbeiträge) bezahlt“.

Am 16. Juli, vier Tage nach der Entlassung in Bassum, hatte sich Nienstedts Zustand so sehr verschlechtert, dass sie im Taxi zum St. Marien-Hospital nach Vechta fuhr. „Ich hatte kein Vertrauen mehr in die Bassumer Klinik.“

In Vechta stellte man bei der 77-Jährigen unter anderem ein infiziertes Hämatom im Narbenbruchbereich fest. Die Wunde wurde vakuumversiegelt, dann mit Hilfe eines Schwamm- und Pumpensystems der Heilungsprozess eingeleitet. Rechtsbeistand Weymann: „In Vechta hat man auf die Schwerhörigkeit Frau Nienstedts sofort reagiert und ihr erst richtig geholfen.“

Auf Nachfrage erklärt der Klinik-Sprecher der Alexianer in Edelstedt, Georg Beuke, die Angelegenheit sei an den Kommunalen Schadensausgleich (Risikoabsicherung für Kommunen, Verbände, kommunale Unternehmen) abgegeben und dort überprüft worden. Das Ergebnis: „Die Haftungsansprüche sind als unbegründet abgelehnt worden.“

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