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Twistringer Strohmuseum zeigt Europas bedeutendste Sammlung

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Von: Katharina Schmidt

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Kunst aus Stroh: Heike Paul, Vorsitzende des Museumsvereins, mit einigen Intarsien der Ausstellung.
Kunst aus Stroh: Heike Paul, Vorsitzende des Museumsvereins, mit einigen Intarsien der Ausstellung. © Katharina Schmidt

Europas bedeutendste Strohkunst-Sammlung wird im Twistringer Strohmuseum ausgestellt. Ingraban Dietmar Simon hat sie dem Museum geschenkt.

Twistringen – Es ist Europas bedeutendste Sammlung von Strohkunst: Der Berliner Sammler Ingraban Dietmar Simon hat dem Twistringer Strohmuseum 1 700 Objekte geschenkt. Darunter Bilder, Schatullen und Strohpuppen. Ein Großteil davon wird ab Sonntag, 22. Mai, in der vierwöchigen Sonderausstellung „Strohkunst aus aller Welt“ zu sehen sein.

Museum zeigt Intarsien aus mehr als 25 Ländern von Deutschland bis Indonesien

Ehrenamtliche des Museumsvereins haben die Kunstsammlung eigens aus Berlin abgeholt. Vorsitzende Heike Paul muss unweigerlich lachen, wenn sie daran zurückdenkt. Zunächst schien gar nicht alles in den großen Transporter zu passen. Es war einfach so viel. „Ich hab dann erst mal Tetris gespielt“, erzählt sie. Die Vorsitzende zeigt auf eine rund einen Meter hohe Strohfigur mit Sombrero, die ihren Platz im Ausstellungsraum des Museums eingenommen hat. „Der große Mexikaner guckte dann als zweiter Beifahrer aus dem Fenster.“

Ein paar weitere Puppen leisten dem Mexikaner Gesellschaft. Bei den meisten Ausstellungsstücken handelt es sich jedoch um Intarsien: Bilder, die aus meist plattgebügelten Strohhalmen zusammengesetzt sind. Wie ein Mosaik. Manchmal funkelt das Stroh wie Edelmetall.

Auch wenn nicht alles Gold ist, was glänzt – die Intarsien haben ihre ganz eigene Faszination. Ob in Afrika, Ägypten, Polen oder Indonesien: rund um den Erdball entstanden mit geplättetem Stroh Kunstwerke, wobei zum Beispiel auch Reisstroh oder Bananenblätter zum Einsatz kamen. Die Sammlung umfasst Objekte aus mehr als 25 Ländern aus dem 20. Jahrhundert. Ingraban Dietmar Simon hat alles genaustens dokumentiert.

Die Intarsien bilden oft ein Stück Kultur des jeweiligen Landes ab, zeigen Trachten oder typische Szenen. „Man kann sich gar nicht daran sattsehen. Es gibt so viel zu entdecken“, schwärmt Heike Paul.

Strohmuseum musste in Twistringen mehr Platz schaffen, um die Sammlung aufheben zu können

Schon als sie, Helmut Beneke und Hermann Nölker sich die Sammlung in Berlin erstmals angeschaut hatten, kamen sie aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Dennoch gab es Bedenken. Wohin mit all der Kunst?

Letztlich hat das Museum zwei große Lüftungsröhren, die dort nicht mehr gebraucht wurden, abgebaut, um in Twistringen Platz für die Kisten zu schaffen. In diesen Kisten sollen die Strohwerke nach der Sonderausstellung natürlich nicht versauern: Eine Ecke des Museums bleibt auch zukünftig der Strohkunst aus Simons Sammlung vorbehalten. Zwischendurch soll zwischen den Exponaten immer mal durchgetauscht werden.

Helmut Beneke beim Aufhängen der Intarsien aus Deutschland. Er war auch mit in Berlin.
Helmut Beneke beim Aufhängen der Intarsien aus Deutschland. Er war auch mit in Berlin. © Privat

Während der Sonderausstellung sind in besagter Ecke die Werke aus Deutschland zu sehen. Da gibts unter anderem das Sandmännchen, Wahrzeichen bekannter Städte oder Maria und Josef vor der Weihnachtskrippe als Intarsie zu sehen. Der Rest der Sonderausstellung ist im Obergeschoss zu finden.

Auch wenn da einiges hinpasst: Selbst bei der jetzt anstehenden Sonderausstellung wird das Museumsteam nicht alle Objekte auf einmal präsentieren können. Welche gezeigt werden können und welche nicht, ist für die Ehrenamtlichen eine der schwersten Aufgaben.

Für die Sonderausstellung legen sie sich ordentlich ins Zeug. Das Nähteam hat zum Beispiel Hussen für die Tische gefertigt. Der Museumsverein freut sich über die Ausstellung – und Kunstsammler Ingraban Dietmar Simon freut sich, seine Sammlung in guten Händen zu wissen.

Eröffnungsfeier am Sonntag

Die Vernissage am Sonntag, 22. Mai, um 14 Uhr im Strohmuseum ist öffentlich. Die Ausstellung „Strohkunst aus aller Welt“ wird bis zum 19. Juni zu sehen sein.

In diesem Zeitraum öffnet das Museum an den Samstagen und Sonntagen (Achtung: Ausnahme an Pfingsten! Hier ist nur Pfingstsamstag geöffnet) von 14 bis 17.30 Uhr. An den Sonntagen – auch am 22. Mai – werden anlässlich der Ausstellung auf der Museumsdiele Kaffee und Kuchen angeboten.

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