Glandorfkino

Twistringer können ihr Kino retten

Holger Glandorf im Kino.
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Klang braucht Raum: Holger Glandorf hofft auf mehr Besucher im Kino.

Noch ein Jahr lang will Kinobetreiber Holger Glandorf sein Kino in Twistringen weiter offen halten. Wenn bis dann nicht mehr Besucher ins Lichtspielhaus kommen oder andere Kooperationen aufgebaut werden, will er das einzige Kino in der Stadt schließen.

Twistringen – Holger Glandorf steht in seinem Kino an der Bahnhofstraße 56 in Twistringen. „Dort, wo alles begann“, sagt er und schaut in eine ungewisse Zukunft. Bleibt der Standort erhalten? Die Entscheidung soll in einem Jahr fallen.

Kommen nicht mehr Besucher oder gebe es keine Kooperationen mit Theatergruppen oder der Stadt, werde es in einem Jahr kein Lichtspielhaus mehr in Twistringen geben. Gründe dafür kommen reichlich zusammen. So gebe es immer mehr Spielfilme im Streamingdienst und das immer früher nach dem Kinostart.

„Auch Corona hat uns zugesetzt, keine Frage“, sagt Glandorf. „Die staatlichen Hilfen seien sehr gut gewesen“, fügt er hinzu. Doch sinkende Besucherzahlen machten das nicht wett. 1,4-mal gehe jeder Deutsche statistisch gesehen im Jahr ins Kino. „Würde jeder Twistringer einmal mehr im Jahr zu uns ins Kino gehen, wären das doppelt so viele Gäste wie bisher und der Weiterbetrieb des Kinos wäre gesichert“, sagt Glandorf.

Kritik an veralteten Strukturen bei den Filmverleihern

Vor allem beklagt der Unternehmer aber starre und seiner Ansicht nach veralteten Strukturen bei den Filmverleihern. Trotz Digitalisierung und Schnellebigkeit müssten Kinobetreiber einen Film mindestens drei Wochen lang in ihrem Programm halten, auch wenn der Film beim Publikum floppt. „Das blockiert uns Spielzeit“, ärgert er sich. Denn jede vertane Spielzeit sei verschenktes Potenzial.

In Twistringen begann Glandorfs eigene Kino-Geschichte. 1982 eröffnete das Kino mit heute noch einem einzigen Saal, das seinerzeit sein Vater betrieb. „In dem Verzehrkino durfte man damals noch rauchen“, erinnert sich Glandorf. Das Kinogeschäft wuchs, Glandorf expandierte. Das Einzugsgebiet in Twistringen umfasst rund 18 000 Menschen, das von Sulingen etwa 30 000. Dort entstand in den 1990er-Jahren ein zweiter Standort. 2012 folgte Nienburg (Einzugsgebiet mehr als 100 000). Sein Kinocenter in der Weserstadt hat heute sieben moderne Kinosäle. „Wir hatten gerade alles modernisiert. Vier Monate später mussten wir coronabedingt schließen.“

Das kleine Kino in Twistringen ist noch etwas besonderes: ein kleines Foyer im Vorraum, dafür einen Getränketresen im hinteren Bereich des Saals. Die Leinwand füllt die komplette Stirnseite des Raums. „Kino ist ein Erlebnis. Der Klang braucht Raum“, sagt Glandorf. Viele hätten einen großen Fernseher samt Musikanlage zu Hause, doch das „richtige Kinogefühl“, gebe es eben nur im Kino, schwärmt Glandorf, der sich mit seinem Lichtspielhaus auch einen Kindheitstraum erfüllt hat.

Start am 1. Juli, vorher aber schon warm-up im Twistringer Kino

Doch die goldenen Zeiten des Kinos sind vorbei. Die rund 1 000 Lichtspielhäuser in Deutschland haben Probleme. Allein im Juli starten 60 neue Streifen, sagt er. „Wir können aber nur zwei Filme zeigen.“ Zudem drehen die Studios immer mehr Filme. „Früher waren es 300 pro Jahr, heute sind es 600“, sagt Glandorf. Die Auswahl müsse dann das Interesse aller Kunden abdecken. „Das ist manchmal wie Lottospielen“, so der Kinobetreiber. Dazu kommen die zusätzlichen Einschränkungen durch die Verleiher-Vorgaben.

Die Kinobranche habe sich abgesprochen, ab Mittwoch, 1. Juli, gemeinsam zu starten. Im Glandorfkino gibt es davor aber bereits eine kleine Vorab-Öffnung. Das „warm-up“ (Aufwärmen), wie Glandorf es nennt, beginnt am Freitag in Twistringen als Probelauf nach der Schließung. „Die Maschinen standen acht Monate still. Nach so langer Zeit müssten die Geräte erst wieder warmlaufen.“ Er glaubt an das gemeinsame Erlebnis Kino. „Das Verlangen nach Kino stirbt nie aus“, ist Glandorf überzeugt.

Kinoprogramm

Im Glandorfkino laufen in dieser Woche die Filme „No Sudden Move“ am Freitag (20 Uhr), Samstag (20 Uhr und Sonntag (19 Uhr) sowie „Wonder Woman 1984“ am Freitag (16.45 Uhr), Samstag (16.45 Uhr) und am Sonntag (16 Uhr).

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