„Es war wahnsinnig laut“

Twistringer erleben Vulkanausbruch auf La Palma mit

Der Vulkan stößt glühend heiße Lava aus und richtet Zerstörung an. Ein paar Kilometer weiter geht das Leben währenddessen relativ normal weiter.
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Der Vulkan stößt glühend heiße Lava aus und richtet Zerstörung an. Ein paar Kilometer weiter geht das Leben währenddessen relativ normal weiter.

Der Vulkan am Cumbre Vieja auf La Palma wütet seit mehr als drei Wochen. Lavaströme zerstören Teile der Insel. Am Sonntag war das Magma laut Angaben des Spanischen Instituts für Geologie und Bergbau so hoch wie ein dreigeschossiges Gebäude. Die Twistringer Astrid und Werner Zarbock erlebten den Ausbruch des Vulkans am 19. September direkt vor Ort mit.

Twistringen  – Eigentlich sollte es ein ganz normaler Urlaubstag werden. „Und dann sieht man da plötzlich die Geburt eines Vulkans.“ Der Gedanke an den 19. September lässt Werner Zarbock noch immer leicht ungläubig den Kopf schütteln. Er und seine Frau Astrid wollten an dem Tag mit dem Auto einmal rund um die Insel La Palma fahren. Sie waren mit seiner Schwester und seinem Schwager unterwegs, die dort leben.

„Kurz vor der Hauptstadt Santa Cruz rief eine Freundin meiner Schwester an. In der Nähe rauche es, und wir sollten uns sicherheitshalber auf den Heimweg machen“, erzählt Werner Zarbock.

„Urlaubsbilde“ von den Zarbocks.

Die Gruppe folgte dem Rat und fuhr quer über die Insel zurück nach Tazacorte, zur Ferienwohnung der Twistringer. Auf dem Weg bemerkte sie Fahrzeuge der Guardia Civil, einer spanischen Polizeieinheit. „Wir registrierten auch ein gewisses Verkehrsaufkommen. Es waren mehr Fahrzeuge als gewöhnlich“, schildert Zarbock. „Hinter einem Bergrücken sahen wir dann den Rauch.“

Kurz darauf kamen die beiden Paare durch El Paso. In dem Ort standen überall Autos an der Straße, und Menschen blickten in die Ferne. Rund vier Kilometer entfernt schoss Lava aus der Tiefe empor. „Eine Feuersäule, etwa 10 bis 20 Meter hoch, stieg dort in den Himmel“, beschreibt Werner Zarbock. Am Cumbre Vieja brach der Vulkan aus.

Auf ihrem Weg zum Meer sollte die glühende Lava in den kommenden Tagen alles zerstören, was ihr in die Quere kommt. Die Nachricht über den Ausbruch ging um die Welt. Aus der Heimat erreichten die Twistringer besorgte Nachfragen: „Geht’s euch gut?“

Die Antwort lautete: Ja. „Es war keine unmittelbare Gefahr für uns.“ Werner Zarbock wirkt gelassen, als er darüber spricht. „Es war mehr faszinierend, als dass wir Angst hatten.“

Der 5000-Einwohner-Ort Tazacorte liegt rund 7,5 Kilometer Luftlinie von der Ausbruchstelle. Von ihrer Ferienwohnung aus konnten die beiden 67-Jährigen aus sicherer Entfernung beobachten, wie der Vulkan rauchte, rumorte und spuckte. „Es war wahnsinnig laut. Ständig hat es gegrummelt. Man kann sich das grob so vorstellen wie bei einem ganz starken Gewitter im Sommer.“ An manchen Tagen habe es explosionsartige Ausbrüche gegeben. „Da haben im ganzen Ort die Scheiben geklirrt, und die Türen knallten durch die Druckwelle.“ Zudem berichtet Zarbock von Rauchsäulen über dem Vulkan und Asche in der Luft. Mindestens zweimal pro Tag fegte er die schwarzen Partikelchen vom Balkon der Ferienwohnung zusammen. Die bunten Mosaikböden in Tazacorte sahen aus wie schwarz gefliest, und nur wenige Kilometer entfernt verloren Menschen ihr gesamtes Hab und Gut unter dem Lavastrom.

„Hola = Guten Morgen“ hat Werner Zarbock auf den mit Vulkanasche bedeckten Balkon der Ferienwohnung geschrieben. Zweimal täglich fegte er.

Trotz allem: „Das Leben in Tazacorte ging einfach weiter“, sagt Werner Zarbock. Drei Tage nach dem Ausbruch sind er und seine Frau noch einmal nach Santa Cruz gefahren. „Auf dem Weg dahin sahen wir in El Paso, was sich da in kurzer Zeit aufgetürmt hatte.“ Gesteinsbrocken, meterhoch.

Zerstörte Straßen, dazu die Asche in der Luft und der Lärm: Astrid und Werner Zarbock wollten angesichts der Lage früher als geplant nach Hause fliegen. Je nachdem, aus welcher Richtung der Wind kommt, behindert die Asche aber den Flugverkehr. Es kam zu Verzögerungen. Am 5. Oktober landeten sie schließlich nach drei Wochen auf den Kanaren wohlbehalten in Deutschland.

Astrid und Werner Zarbock mit einer Karte von La Palma. Im Vordergrund: Eine Schale mit Vulkanasche und ein Relief der Vulkankette auf La Palma.

Während sie ihre Geschichte erzählen, sitzen sie in ihrer Küche. An der Wand hängen eine Landkarte von La Palma und Bilder der Insel. Auch in vielen anderen Ecken des Hauses wird ihre Liebe zur „La Isla Bonita“ deutlich, übersetzt „Die schöne Insel“. Sie waren nicht zum ersten Mal dort, und wollen wieder hin; schwärmen von der Natur und den zuvorkommenden Menschen. „Dort ankommen ist für uns, als ob wir nach Hause kommen“, sagt Werner Zarbock, und seine Frau nickt.

Zwischen all ihren Erinnerungen an die Insel steht jetzt auch eine Schale mit Asche vom Vulkan am Cumbre Vieja.

Der Vulkan tobt unterdessen weiter - mit einem Feuerkegel, der laut Zarbock auf 90 Meter Höhe geschätzt wird, und Lavabrocken, so hoch wie mehrgeschossige Häuser.

Von Katharina Schmidt

Blick auf den Vulkan.

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