„Versorgungskette bricht zusammen“

St. Ansgar: Twistringer Zweitpraxis schließt vorläufig die Türen

Angela Marx

Twistringen - Von Sigi Schritt. Als „Katastrophe“ bezeichnet der Allgemeinmediziner Ludwig Bexten den Umstand, dass die einzige Praxis Twistringens, in der Patienten geröntgt werden können, zum Monatsende aufgibt.

„Eine ganze Versorgungskette bricht zusammen“, ärgert sich Bexten, der mit seiner Frau Beate Meyer-Bexten im gleichen Ort eine Gemeinschaftspraxis betreibt. Der Arzt kann es nicht verstehen, dass die Twistringer Zweitpraxis des medizinischen Versorgungszentrums St. Ansgar (MZV) keine Patienten mehr annimmt. Besonders für ältere Patienten ohne Auto stellen aber Wege zu Ausweichpraxen etwa in Diepholz, Vechta oder Wildeshausen eine besondere Belastung dar, so Bexten weiter. Dabei hätten Dr. Angela Marx, die Fachärztin für Chirurgie, und ihr Team „gute Arbeit geleistet“. Nicht nur Bexten ist aus medizinischer Sicht sehr zufrieden. „Die Privat- wie Kassenpatienten sind es ebenfalls. Termine wurden schnell und zeitnah vergeben.“ Weshalb die Aufgabe, rätselt Bexten?

„Die sogenannte Schließung der chirurgischen Praxis ist uns bislang offiziell nicht bekannt“, sagt Michael Schmitz, Geschäftsführer der Verdener Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KV), auf Anfrage. „Die St.-Ansgar-Kliniken haben mit dem Betrieb eines MVZ und den entsprechenden Zulassungen genauso wie niedergelassene Ärzte einen Versorgungsauftrag zu erfüllen, sodass der Sitz weitergeführt werden muss. Wenn ein Personalwechsel geplant sein sollte, dann muss eine entsprechende Nachfolge organisiert werden“, so Schmitz. 

Offene Ausschreibung weiter möglich

Allerdings könne der Sitz auch wieder offen ausgeschrieben werden, sodass ein niedergelassener Arzt die Praxis übernimmt. „Die KV sieht weiterhin die Notwendigkeit im Einzugsbereich von Twistringen/Bassum eine ambulante unfallchirurgische Versorgung vorzuhalten.“ Weitere Chirurgen sind laut Schmitz im Landkreis derzeit in Stuhr/Weyhe, in Sulingen und in Diepholz erreichbar. „Wir beabsichtigen, zeitnah ein Gespräch mit der Geschäftsführung des MVZ zu führen“, so Schmitz weiter.

Die Fachärztin Marx praktiziere künftig in Diepholz, und das Team sei auf andere Stellen im Unternehmen verteilt worden, bestätigt der zuständige Geschäftsführer der Klinikverwaltung, Uwe Lorenz. Von einer Schließung der im Oktober 2015 übernommenen chirurgischen Fachpraxis (wir berichteten) will er nicht reden. Der Betrieb soll lediglich „ruhen“, kündigt Uwe Lorenz an. Die Formalitäten für die KV würden geregelt.

Gründe für die Veränderung lägen nicht in der Qualität der Arbeit, sondern in der Wirtschaftlichkeit, erklärt Lorenz. Ohne konkret zu werden, nannte er die Anzahl der Patienten, von denen Röntgenaufnahmen angefertigt worden waren, „überschaubar“. Deshalb will der Geschäftsführer ein Konzept erarbeiten, wie die Praxis neu aufgestellt werden könnte, um sie „kostendeckend zu betreiben“. Bis zu einem halben Jahr dürfe die Vakanz dauern, doch solange will der Klinikverbund nicht warten, damit die Twistringer Praxis wieder durchstartet.

Die nächste Praxis mit Röntgengerät liegt laut Lorenz in Bassum. Maik Lomp, Facharzt für Orthopädie, würde digitale Aufnahmen erstellen.

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