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Zentralklinik in Twistringen: Sorge um Verkehr

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Stellten sich den Fragen der Borweder (v.l.): Kreisrat Jens-Hermann Kleine, Bürgermeister Jens Bley, Klinikum-Geschäftsführer Uwe Lorenz, erster Kreisrat Wolfram van Lessen, Vereinsvorsitzende Charlotte Wolframm und Landrat Cord Bockhop.
Stellten sich den Fragen der Borweder (v.l.): Kreisrat Jens-Hermann Kleine, Bürgermeister Jens Bley, Klinikum-Geschäftsführer Uwe Lorenz, erster Kreisrat Wolfram van Lessen, Vereinsvorsitzende Charlotte Wolframm und Landrat Cord Bockhop. © Verein

Die Zentralklinik soll kommen. Das steht fest. Es gibt aber noch offene Fragen.

Twistringen – Die Klinik wird gebaut. Landrat Cord Bockhop ist überzeugt davon, dass die Zentralklinik in wenigen Jahren steht. Am Rande von Borwede, einem Dorf, das mit seinen 230 Bürgern fast 150 Einwohner weniger hat als Betten im Krankenhaus geplant sind. Dadurch entstehen im Dorf Fragen. Seit der Entscheidung für den Standort sind Bürger in Kontakt mit der Stadt und dem Landkreis. Bereits im Juli 2020 hatte es eine Bürgerversammlung mit Landrat Bockhop und Bürgermeister Jens Bley gegeben, nun folgte eine weitere. Eingeladen hatte Charlotte Wolframm, Vorsitzende des Vereins „Borwede – unser Dorf“, und Moderatorin des Abends. Sie begrüßte laut Mitteilung neben Bley und Bockhop auch die drei Kreisräte Wolfram van Lessen, Jens-Hermann Kleine und Ulrike Tammen sowie Uwe Lorenz, Geschäftsführer der Kliniken des Landkreises Diepholz.

Bei der ersten Veranstaltung war deutlich geworden, dass die Borweder vor allem die zu erwartende Verkehrsbelastung umtreibt. So wurden im Vorfeld des zweiten Informationsabends Fragen gesammelt. Nun hatten die Vertreter von Stadt und Landkreis einige Antworten im Gepäck.

Bedenken wegen kurvenreicher K102

Besondere Bedenken hat die Dorfgemeinschaft angesichts der schmalen und kurvenreichen K102 mit der Bahnüberführung. „Hier kommt es häufig zu gefährlichen Situationen“, werden Anwohner in einer Mitteilung zitiert. Gerade, weil die Straße viel von landwirtschaftlichem Verkehr benutzt werde, wo oft nur noch wenige Zentimeter Platz zwischen begegnenden Fahrzeugen sei. Zudem sei die Lärmbelästigung schon jetzt hoch – und viele Fahrzeuge seien zu schnell unterwegs, hieß es. Diese Aussagen unterstützt das Verkehrsgutachten des Hannoveraner Büros Zacharias: Demnach würden die Fahrzeuge durchschnittlich in der 50 km/h-Zone mehr als 70 km/h schnell fahren.

Mit 1 400 gezählten Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden, davon 150 Schwerlastfahrzeuge, sei die Verkehrsbelastung für eine Kreisstraße dennoch relativ gering. Gemessen wurde der Verkehr im Juli vergangenen Jahres. Die Borweder sagen, dass in anderen Monaten mehr Verkehr unterwegs sei. Bockhop sagte zu, die Messung noch ein- oder zweimal zu wiederholen. Dem Kreis sei an einer guten Entwicklung gelegen.

Straße breiter und wesentlich übersichtlicher

Hoffnung mache den Anwohnern die Empfehlung im Gutachten, die offizielle Beschilderung zum Klinikum aus Richtung Sulingen über die L341 (Nienburger Straße) zu führen. Das sei sinnvoll, schließlich sei die Straße breiter und wesentlich übersichtlicher, hieß es. Allerdings gab der erste Kreisrat Wolfram van Lessen zu bedenken, dass die Navigationsgeräte den Weg über die K102 durch das Dorf Borwede empfehlen werden. Bauliche Maßnahmen wie Verschwenkungen könnten dazu führen, dass die Geschwindigkeit reduziert werde. Auch bei der Verwirklichung solcher Maßnahmen wolle der Landkreis im Dialog mit den Borwedern bleiben, um gemeinsam praktikable Lösungen zu finden.

Voller werde es mit einem Zentralklinikum auch im Kreuzungsbereich von K 102 und B 51. Auf der Bundesstraße zwischen Mörsen und Borwede seien innerhalb von 24 Stunden 7 690 Fahrzeuge gezählt worden – „das ist für eine Ampel oder einen Kreisverkehr noch nicht ausreichend“, soll van Lessen deutlich gemacht haben. Auch dann nicht, wenn durch das Klinikum geschätzt 2 250 Fahrzeuge dazu kämen. „Der Verkehr soll auf einer Bundesstraße fließen“, das habe Priorität, wird Bockhop zitiert. Ihm sei es wichtig, keine falschen Hoffnungen zu wecken, sondern deutlich zu sagen, was realisierbar sei und was nicht. So sei auch die Einrichtung einer 70 km/h-Zone von der B51 Richtung Ellinghausen unwahrscheinlich. Es gebe dort – zum Glück – zu wenig Unfälle.

„Achtung-Ausfahrt“-Schild?

„Kann dort ein ‚Achtung Ausfahrt’-Schild aufgestellt werden?“, lautete die Frage eines Zuhörers. Das wäre eine Option, kam die direkte Antwort.

Priorität hatte nach einem Ortsbesuch von Bockhop und Bley im vergangenen Sommer auch der Fußweg an der Bahnüberführung bis zur B 51. Das zugewucherte und teilweise abgesackte Pflaster wurde Anfang des Jahres aufgenommen, nun sei der Weg asphaltiert und könne auch wieder mit dem Rad befahren werden. Auch der Radweg nach Heiligenloh soll in den kommenden Monaten saniert werden.

Angesichts des Großprojekts mit rund 375 geplanten Betten – inklusive Geburtshilfe, das betonte Uwe Lorenz noch einmal – wird es auch in den kommenden Monaten und Jahren Konflikte geben. Einige Anwohner machten keinen Hehl daraus, dass sie die Versiegelung von bestem Ackerland und die Investition von mehr als 200 Millionen Euro fragwürdig finden. Wichtig ist allen Beteiligten, dass Kritik immer konstruktiv geäußert wurde und dass alle Seiten mit offenen Karten spielen. Das soll auch zukünftig so weiter gehen.

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