Wenn die Delme anschwillt

Wie steht es um den Hochwasserschutz in Twistringen?

Der Eingang zum Areal nahe der Twistringer Kläranlage: Rechts ein Stein mit der Aufschrift „Delme-Hochwasserschutz 2003“, rechts ein grünes Schild: „Grünanlage“.
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Grünanlage und Hochwasserschutz. Geht beides?

Kleine Bäche, die sich über Nacht in reißende Ströme verwandeln: Wäre so etwas in Twistringen möglich? Anwohner zweifelt an Zustand eines Regenrückhaltebeckens.

Twistringen – „Entweder ist es eine Grünanlage oder es ist ein Rückhaltebecken. Beides geht nicht“, sagt Uwe Bock. Gemeint ist ein Gelände nahe der Osterstraße, entlang des Weges zur Kläranlage. Tatsächlich erinnert links am Eingang ein beschrifteter Findling daran, dass das Areal 2003 dem Hochwasserschutz gewidmet wurde – während gegenüber, auf der anderen Seite des Weges, ein grünes Schild mit dem Hinweis „Grünanlage“ steht.

Bedingt hochwasserbereit? Uwe Bock vermutet, dass das stark bewachsene Rückhaltebecken nahe der Klärananlage in Vergessenheit geraten ist. Dem zuständigen OOWV zufolge ist die Funktion aber nicht beeinträchtigt.

Uwe Bock war als SPD-Ratsmitglied dabei, als die Stadt das Regenrückhaltebecken auf den Weg gebracht hatte, für einen Millionenbetrag, wie er sich erinnert. Der heute 81-Jährige hat sich aus der aktiven Stadtpolitik und auch aus der Sozialdemokratischen Partei zwar längst zurückgezogen. Das politische Geschehen beobachtet er nach wie vor genau. Ebenso die sich häufenden extremen Wettereignisse. Zeitungsberichte darüber sammelt er in einem Aktenordner. Aufschrift: der Klimawandel.

In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben sich kleine Bäche über Nacht in reißende Ströme verwandelt. Bei diesen Bildern denkt Uwe Bock an die – im Innenstadtbereich meist unterirdisch fließende – Delme.

Zweifelt am Hochwasserschutz in Twistringen: Uwe Bock.

„Wenn der Starkregen kommt, dann saufen die Leute ab“, ist sich Uwe Bock sicher. Was ihm Sorgen macht: die durch Rohre kanalisierte Delme, der südlich der B 51 abfallende, versiegelte Boden und der Bewuchs des Delme-Ufers. Aber vor allem der Zustand des Regenrückhaltebeckens. Denn das ist noch stärker mit Bäumen und Sträuchern bewachsen als das Ufer und erinnert ihn eher an ein Biotop. Man werde sich erst darum kümmern, wenn es zu spät sei, fürchtet der ehemalige SPD-Fraktionsvorsitzende.

OOWV: Rückhaltebecken funktioniert

Für das Rückhaltebecken ist der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) verantwortlich. Die Stadt hat zu Beginn des Jahrs 2008 die Regenwasserbewirtschaftung an den Verband übertragen. „Starker Bewuchs ist nicht ungewöhnlich für ein Regenrückhaltebecken“, erklärt OOWV-Sprecher Heiko Poppen auf Nachfrage. Wichtig sei, dass die Ablaufdrossel und der Notüberlauf funktionierten. Laut Poppen ist das gegeben und die Funktion des Beckens nicht beeinträchtigt. Nun sei es an der Zeit, dort für Grünschnitt zu sorgen. „In einem nächsten Schritt wird die Auskofferung der Schlammablagerung erfolgen.“

Poppen weist darauf hin, dass das Regenrückhaltebecken Niederschlagshöhen zwischen 30 und 50 Millimetern – das entspricht 30 bis 50 Litern pro Quadratmeter – zwischenspeichern könne, ohne dass der Notüberlauf anspringt. Von Starkregen spricht man bei 15 bis 25 mm Niederschlag innerhalb einer Stunde oder 20 bis 35 mm innerhalb von sechs Stunden.

Gedrosselter Ablauf soll Delme entlasten

Durch einen gedrosselten Ablauf könne eine starke Belastung der Delme vermieden werden. „Nach vier bis zehn Stunden ist das Becken dann wieder leer und das Volumen steht für den nächsten Regen zur Verfügung.“

Die Delme selbst wird von der Quelle bis zum Molkereiweg von Twistringen bewirtschaftet. Ab da ist der Ochtumverband zuständig. Für die Stadt erklärt der Erste Stadtrat Harm Dirk Hüppe, der Bewuchs am Delme-Ufer sei „nicht so schlimm“.

Matthias Stöver, Geschäftsführer beim Ochtumverband, erläutert, Bewuchs und Kraut am Ufer könnten den Abfluss hemmen. Aus Naturschutzgründen werde erst im September oder Oktober ausgemäht, das sei auch ausreichend. Hüppe und Stöver verweisen darauf, dass nach den letzten Hochwassern das unterirdische Kanalsystem verbessert wurde und sich bewährt habe. Das habe, so Hüppe, „die letzten 15 Jahre funktioniert“. Ähnlich Matthias Stöver: Der hydraulische Wasserabfluss habe bei Starkregen-Ereignissen „richtig gut funktioniert.“

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