Kein Einzelfall in der Region

„Die tröstenden Worte fehlen“: Trauerpost kommt nie in Borwede an – Karten gestohlen?

Als wäre die Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen nicht schlimm genug: Mindestens ein Dutzend Trauerkarten sind nach dem Tod seiner Frau nie bei Johann Schröder in Borwede angekommen. Der Verdacht steht im Raum, dass sie gestohlen wurden.

  • Zwölf Trauerkarten sind bei Familie Schröder aus Borwede nie angekommen.
  • Die Familie möchte Menschen dazu sensibilisieren, vorsichtig zu sein.
  • Auch die Polizei rät davon ab, Bargeld in Briefen zu versenden.

Borwede – „Es ist ziemlich sicher, dass da Trauerkarten verschwunden sind“, sagt Tochter Andrea Schröder im Gespräch mit der Kreiszeitung. „Wir wollen auch niemanden beschuldigen, aber die Post ist einfach weg.“ Insgesamt steckten rund 200 Euro in den Karten, überschlägt sie. „Aber uns geht es nicht ums Geld“, betont sie. „Sondern um die lieben Worte, die Anteilnahme. Es ist so traurig, dass mein Vater diese Karten nie lesen darf. Die tröstenden Worte fehlen.“

Nach dem Trauerfall erreichten zwar einige Kondolenzkarten die Familie Schröder. Doch irgendwann fiel auf, dass von manchen Nahestehenden nichts eingetroffen war. „Wir haben uns zunächst gedacht: ,Das kommt bestimmt noch‘“, erzählt Andrea Schröder. „Doch es kam nichts mehr. Und dann hat mein Papa angefangen zu telefonieren.“

Anteilnahme schenkt Betroffenen Trost. Im Fall eines Borweders sind Karten aber nicht angekommen. Symbolbild: Schmidt

So kam das Verschwinden der Karten ans Licht. „Die Leute, die die Briefe verschickt haben, waren auch völlig perplex“, sagt Andrea Schröder. Sie hätten sich die Mühe gemacht, liebe Worte zu schreiben. „Wenn wir wenigstens die Worte bekommen hätten, ohne das Geld ...“ Es stört sie auch, dass das Briefgeheimnis offenbar missachtet wurde.

Die Familie Schröder weiß eigenen Angaben zufolge sicher von zwölf Fällen, in denen Karten abgeschickt wurden, aber nie ankamen. Sie hat bei der Polizei in Twistringe Anzeige gegen Unbekannt erstattet. „Mein Vater musste ganz genau aufschreiben, wer diese Post verschickt hat und wie viel Geld darin war“, schildert Andrea Schröder. Der Fall werde gerade bearbeitet. „Natürlich lässt das Ganze einen auch nicht zur Ruhe kommen“, sagt sie.

Trauerpost verschwunden: Betroffene empfehlen Vorsicht beim Verschicken von Geld

Ihr ist es wichtig, die Menschen zu sensibilisieren. Darauf aufmerksam zu machen, dass beim Verschicken von Geld Vorsicht geboten ist. „Früher habe ich auch Briefe mit Geld verschickt, zum Beispiel bei Konfirmationen oder Geburtstagen“, sagt sie. „Ich mache das jetzt nicht mehr.“ Gleichwohl ist ihr bewusst, dass es für manche Menschen nicht immer leicht ist, Alternativen zu finden. „Gerade jetzt, in Coronazeiten, wird vermutlich viel verschickt“, meint sie.

Stefan Laetsch, Pressesprecher der Deutschen Post, nimmt auf Nachfrage der Kreiszeitung zu dem Fall Stellung. „Diesem Verdachtsfall gehen wir mit aller Konsequenz und Entschiedenheit nach. Selbstverständlich haben wir unsere interne Security eingeschaltet und kooperieren eng mit den zuständigen polizeilichen Dienststellen“, sagt er.

Für Familie Schröder ist die Situation besonders schlimm, weil sie die Worte ihrer engsten Angehörigen nicht lesen konnten.

Weiter führt er aus: „Sollten wir Personen innerhalb des Betriebs eine Straftat nachweisen, werden wir sie unverzüglich vom Dienst suspendieren, Hausverbot erteilen und Strafanzeige stellen. Wir können mittlerweile fast sicher ausschließen, dass sich der Diebstahl in der Zustellung ereignet hat.“ Aus ermittlungstaktischen Gründen könne er sich leider nicht weiter zu dem Fall äußern.

Es ist nicht das erste Mal, dass so ein Fall in der Region vorkommt. In Harpstedt ist erst kürzlich etwas Ähnliches passiert. Dort waren die Karten angekommen, doch jemand hatte sie anscheinend zuvor geöffnet und das Geld herausgenommen. In der Samtgemeinde Ehrenburg kamen in diesem Jahr laut einer Betroffenen mindestens 50 Trauerbriefe und Geschenke nie an. Zuvor hatte sich bereits eine Frau in Wildeshausen über verschwundene Konfirmationspost gewundert.

Polizei Diepholz: Kein Bargeld in Briefen verschicken

Thomas Gissing, Pressesprecher der Polizeiinspektion Diepholz, bestätigt, dass die Polizei Twistringen den Fall aus Borwede bearbeitet. „In den zurückliegenden Jahren gab es immer mal wieder Fälle“, sagt er. Dass so etwas in einem so großen Rahmen der Polizei gemeldet werde, passiere im Landkreis prinzipiell aber eher selten. „Wobei ich glaube, dass mehr Briefe verschwinden, als bei uns anzeigt werden.“

Wenn nur einer oder zwei verschwinden, falle das vielleicht nicht immer auf. Er rät, kein Bargeld in Briefen zu verschicken. „Wenn man es nicht täte, hätten die Täter keine Chance.“ Einen neutralen Umschlag zu nutzen, schütze auch nicht zwangsläufig vor Diebstahl. Um Bargeld zu verschicken, bietet die Post auch sogenannte Wertbriefe an. Das kostet allerdings extra. Zusätzlich zum Porto wird ein Aufpreis von 4,30 Euro fällig.

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