„Me Too“-Debatte und Lohngleichheit

Twistringen - Von Horst Meyer. Die Oldenburger Bundestagsabgeordnete der Linken, Amira Mohamed Ali, hat den Stammtisch des Kreisverbands der Linken im Twistringer Hotel „Zur Börse“ besucht. Wer allerdings umfangreiche Informationen aus dem Tagesgeschäft der Bundestagsfraktion erwartet hatte, wurde enttäuscht. Lediglich den Sachstand zum Gender Pay Gap (Geschlechter-Einkommenslücke) stellte Amira Mohamed Ali kurz dar. Ansonsten kann ihr Besuch als „Ohr an der Basis“ eingestuft werden.
Jugendsprecher Henrik Siebrecht hielt zu Anfang ein Referat zur aktuellen Feminismus-Debatte. Laut Siebrecht existiert die „Me Too“-Bewegung bereits seit 2006 in afroamerikanischen Ländern . Bekannt wurde sie allerdings erst mit den Vorwürfen gegen einen bekannten Hollywood-Produzenten. Erst nachdem prominente Frauen sich trauten, sexuelles Fehlverhalten von Männern öffentlich zu machen, waren auch weniger bekannte Betroffene bereit, sich zu outen.
Angegriffene Männer gehen nach Worten von Siebrecht in der Regel sofort zum Gegenangriff über. Sie würden panisch reagieren, weil es bei sexuellen Übergriffen in der Regel um Macht gehe. Immer wenn Frauen aus traditionellen Rollenverhältnissen ausbrechen, begeben sie sich laut dem Jugendsprecher in Gefahr von sexueller Gewalt. Verhindern lasse sich sexualisierte Gewalt gegen Frauen dadurch, Abhängigkeiten und Machtverhältnisse offenzulegen und anzusprechen.
Nach Siebrecht „gehört die Unterdrückung von Frauen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen zu den Grundpfeilern des Kapitalismus. Wer Sexismus bekämpfen will, muss den Kapitalismus angreifen.“ Ziel wäre die klassenlose Gesellschaft.
Amira Mohamed Ali schloss sich mit ihrem Bericht zum Gender Pay Gap, also zur unterschiedlichen Bezahlung von Frauen und Männern, nahtlos an. Sie stellt einen Einkommensunterschied von 21 Prozent zwischen Männern und Frauen fest. Mit dem Entgelttransparenzgesetz habe die Bundesregierung einen begrenzten Auskunftsanspruch für Arbeitnehmer geschaffen. Die Linken-Fraktion im Bundestag möchte diesen Anspruch erweitern und hat einen entsprechenden Gesetzentwurf eingebracht.
Die ungleiche Entlohnung basiere auch auf dem traditionellen Rollenverständnis, so Amira Mohamed Ali. Nach wie vor arbeiteten Frauen überwiegend in sozialen Berufen, die grundsätzlich schlechter entlohnt würden. Männer dagegen seien in besser bezahlten Berufen tätig, zum Beispiel als Ingenieure oder Informatiker. Hinzu komme, dass fast die Hälfte der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit arbeite. Erwerbsbiografien von Frauen würden durch Kindererziehungszeiten unterbrochen, was sich negativ auf Rentenansprüche auswirke. Altersarmut ist nach Darstellung der Bundestagsabgeordneten weiblich. „An diesen Stellschrauben muss dringend gearbeitet werden. Sonntagsreden helfen uns hier nicht weiter“, schloss Amira Mohamed Ali ihre Ausführungen.