Polizeistationsleiter Reinhard Imken wechselt vor der Pensionierung nach Syke

Tschüss, Twistringen!

Polizeianfänger im Jahr 1975: Reinhard Imken.

Twistringen - Von Theo Wilke. „In Twistringen ist immer gut was los. Und jeder Dienst-Tag ist anders“, sagt Reinhard Imken. Der Polizeioberkommissar wird nach dem Jahreswechsel nicht mehr direkt mit dem Geschehen in der Delmestadt konfrontiert. Der 62-Jährige sagt nämlich „Tschüss, Twistringen!“ Er gibt nach gut 13  Jahren den Posten als Polizeistationsleiter an der Steller Straße ab und wechselt zum Kommissariat nach Syke. Imken geht im September 2020 in Pension. Bis dahin arbeitet er beim Kriminalermittlungsdienst und kümmert sich um Rohheitsdelikte.

Reinhard Imken ist eher der unaufgeregte Typ Polizist. Die Kolleginnen und Kollegen in Twistringen werden ihn sehr vermissen, hört man. Vermissen wird er selbst ein bisschen den täglichen Kontakt zu den Bürgern und den abwechslungsreichen Dienst. Seine Nachfolge steht fest. Da möchte Imken, der in Syke sein Zuhause hat, der Kommissariatsleitung aber nicht vorgreifen.

In den mehr als zwölf Jahren an der Steller Straße haben Imken und seine Kollegen weniger mit Drogendelikten zu tun gehabt, obwohl es nach wie vor eine Drogenszene in Twistringen gibt. Mit der Zeit sind es eher „die kleineren Dinge“ gewesen, etwa Verkehrsunfälle, Betrügereien übers Internet, häusliche Gewalt, auch Amtshilfe für Rettungsdienste – und die Arbeit in der Dienststelle, die sich beispielsweise um Fragen besorgter Bürger und Ermittlungen („Papierkram“) nach Diebstählen drehen. Illegale Müllentsorgungen werden gemeldet, denen die Beamten nachgehen. Erst vor einigen Wochen sind frisch verlegte Versorgungsleitungen von einer Baustelle gestohlen und die Kupferkabel rausgezogen worden.

Den größten Einsatz, erinnert sich der Stationsleiter, „hatten wir 2014 nach dem Fund einer Kriegsbombe am Markt“. Schlimm sei der tödliche Verkehrsunfall auf der B 51 in Höhe Ridderade gewesen. Ein Mann ist in seinem Auto verbrannt. In einem anderen Fall hat ein Landwirt auf dem Traktor seinen Mitarbeiter übersehen und am Ende zweimal überfahren – vorwärts und dann rückwärts. „Aber er hat überlebt“, weiß Reinhard Imken.

„Und es ist immer ganz schlimm, wenn Kinder beteiligt sind. Und je älter man wird und selbst Kinder hat, geht einem das doch ganz schön an die Nieren“, fügt Imken hinzu.

Nicht selten werden die Twistringer „Gendarmen“ gerufen, wenn psychisch kranke Mitmenschen auf der Bahnstrecke ihr Leben lassen. Vor vielen Jahren habe er mit dem Kollegen Helmut Wilkens im Bereich der Bahnstrecke das Fahrrad einer vom Zug überrollten Person entdeckt.“

Makaber sei Wilkens’ Besuch bei der Familie des Verunglückten gewesen. Sie habe gerade gegessen. Nach der Todesnachricht habe die Ehefrau in der Schocksituation sofort einen Teller abgeräumt und gesagt: „Dann braucht er kein Frühstück mehr.“

Für Polizisten sind das einschneidende Erlebnisse, die jeder anders verarbeitet. Und je länger man im Dienst sei, umso eher werde man damit fertig, ist Imkens Erfahrung. Inzwischen gebe es geschulte Beamte bei der Polizei, die betroffenen Kolleginnen und Kollegen helfen. Schließlich sei ganz wichtig, miteinander über die Erlebnisse zu reden. „Wenn ich merke, da braucht ein Kollege Hilfe, spreche ich ihn an und notfalls vermittele ich ihn auch weiter an die entsprechende Stelle“, schildert der scheidende Polizeistationschef.

Und dann denkt er noch an den Autofahrer, der vor längerer Zeit zwischen Twistringen und Harpstedt gegen einen Baum geprallt und eingeklemmt worden ist. Lobend erwähnt Imken den Einsatz der Twistringer Feuerwehr vor Ort. Im Gegensatz zu früher sei die Arbeit sehr viel transparenter geworden – und man gehe auch auf die Angehörigen zu. „Wenn man sieht, wie professionell die Feuerwehr heute arbeitet. Sie ist fit in ihrem Bereich. Der Kontakt zur Feuerwehr ist optimal. Für uns ist sie am Einsatzort eine große Hilfe.“

Im September 2020 tritt Reinhard Imken seinen Ruhestand an. Und was kommt dann? „Ich arbeite gern im Garten. Von Kindesbeinen an hat mich schon die Aquaristik begeistert“, erzählt er. Zuhause pflegt er weiterhin sein 450 Liter fassendes Aquarium, in dem zumeist Guppys schwimmen. „Ich habe schon immer gerne herumgebastelt. Was kaputt ist, repariere ich“, betont der passionierte Wanderer. Mit seiner Familie hat er schon viele Orte zwischen Nord- beziehungsweise Ostsee-Inseln und dem Mittelmeerraum bereist.

An zwei Erlebnisse erinnert sich der Oberkommissar auch noch gut: Als er 1975 in den Polizeidienst eintritt, gibt es gleich 800 Mark auf die Hand. Und seine erste Einsatzfahrt bei der Syker Polizei 1978 endet, kaum, dass sie begonnen hat: „Ich habe den Dienstwagen, Opel Rekord, rückwärts aus der Garage gegen die Wand gefahren“, erzählt Imken.

1957 In Hunteburg, südlich vom Dümmer, geboren, hat Imken nach Kindergarten und Grundschule die Realschule in Damme besucht. Der Sohn eines Maurers und einer Hausfrau wächst im Mietshaus neben der Familie des „Dorf-Gendarms“ Heinrich Brüggemann auf. Ausschlaggebend für Imkens Bewerbung bei der Polizei ist allerdings, dass er im „Tante-Emma-Laden mütterlicherseits“ den Sohn des Hausbesitzers trifft. Der ist Polizist.

Mit 18 Jahren startet Reinhard Imken in der Polizeischule Hannoversch-Münden. Sein Traumjob wird das nicht, wie er später aus Anlass seiner 40-jährigen Dienstzeit erzählen wird. Nach Stationen in Braunschweig – „die härteste Bereitschaftspolizei Niedersachsens“ – sowie Oldenburg (Einsatzhundertschaft), Syke und Stuhr geht er freiwillig nach Twistringen. „Da wollte keiner hin.“ Aber Imken will – und wird am 1. Mai 2007 mit offenen Armen empfangen. Im November tritt er die Nachfolge von Harm Sander als Stationsleiter an.

Imkens Kollege, Oberkommissar Bernhard Glandorf, schon länger in Twistringen im Dienst, lobt seinen Chef: „Reinhard ist ein Guter, hilfsbereit, bescheiden – und er stellt sich nicht in den Vordergrund.“

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