Chefarzt der Psychiatrie erklärt tödliche Beziehungstaten

Zeit der Sehnsüchte – und Enttäuschungen

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Löscheinsatz der Feuerwehr nach der Familientragödie in Asendorf. Die Ermittlungen haben ergeben, dass der Sohn der Familie zuerst seine Mutter tötete, dann seinen Vater verletzte, Feuer legte und sich selbst richtete.

Asendorf/Twistringen - Von Anke Seidel. Drei Tote und zwei Schwerverletzte nach zwei Beziehungstaten im Abstand von nur fünf Tagen: Die Realität hat im 3000-Seelen-Ort Asendorf die schlimmsten Vorstellungen überrollt.

Dr. Stefan Renner ist Chefarzt des psychiatrischen AlexianerKrankenhauses St.Annen-Stift Twistringen.

Die Taten ereigneten sich in einer Zeit, die vom Fest der Liebe und der Hoffnung auf ein gutes neues Jahr geprägt ist: Weihnachten und der Jahreswechsel.Wie bewertet das Dr. Stefan Renner, Chefarzt der Psychiatrie im Alexianer-Krankenhaus St.Annen-Stift Twistringen? Ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten und dieser Zeit geben könnte, darüber will Dr. Renner nicht spekulieren – ebenso wenig darüber, ob es mehr tödliche Beziehungstaten gibt: „Das können nur die Zahlen der Polizei belegen!“

Grundsätzlich stellt Dr. Renner fest: „Weihnachten ist das Fest der Liebe, da werden Beziehungswünsche und Hoffnungen aktiviert. Und da kann es durchaus passieren, dass andere die an Weihnachten oft überhöhten Erwartungen nicht erfüllen.“

Gerade in der Zeit der Festtage sei die Sehnsucht nach Geborgenheit und einem intakten Familienleben besonders groß. „Deshalb sollte man an Weihnachten nicht besondere Dinge klären wollen“, rät Dr. Stefan Renner. Will heißen: Konfliktbeladene Themen an diesen Tagen besser nicht ansprechen.

Behaftet sei Weihnachten nicht nur mit großen persönlichen Erwartungen, sondern ebenso mit dem Wunsch nach einem perfekten Rahmen: „Es soll ja alles tipptopp sein, wenn die Familie kommt. Da muss vieles vorbereitet werden, und das ist stressig.“ Genau das schaffe zwangsläufig das Fundament für einen unglücklichen Verlauf des Familienfestes.

Denn viele Menschen hätten genaue Vorstellungen davon, wie die Festtage zu verlaufen haben. Deshalb rät Dr. Renner auch zum bevorstehenden Jahreswechsel, sich selbst nicht unter Druck zu setzen und die eigenen Erwartungen herunterzuschrauben.

Familiendrama in Asendorf

Der Chefarzt der Psychiatrie weiß auch, dass diese Feiertage gerade für depressive Menschen einen enormen Kraftakt bedeuten. „Für sie kann es die Zeit des Bilanzziehens sein. Sie neigen dann zum Rückzug.“ Da könnten auch suizidale Gedanken entstehen.

Deshalb appelliert Dr. Renner an Freunde, Nachbarn und Familienmitglieder, auf eine ungewöhnliche Verhaltensänderung von Menschen in ihrer Nähe sofort zu reagieren: „Wenn jemand einsam oder verändert scheint, sollte man ihn ansprechen.“

Andererseits sollten sich Menschen mit scheinbar unlösbaren Problemen sofort Hilfe holen, wenn sie unter unerträglichen Spannungsszuständen leiden, stark an Gewicht verloren haben, nächtelang wachliegen und grübeln, ihre Leistungsfähigkeit verloren haben, nicht mehr aus dem Haus gehen mögen, nicht mehr aus dem Bett kommen und immer wieder zu Alkohol oder anderen Drogen greifen, um ihr Problem zu vergessen.

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