„Tim verträgt mehr!“

Kampfkunst im SC Twistringen macht erblindeten Andy Behrend glücklich

Andy (links) setzt zum Schulterwurf an.

Twistringen - Von Sabine Nölker. Jiu- Jitsu ist die Kunst der waffenlosen Selbstverteidigung. Und das Ziel ist es, einen Angreifer möglichst effizient unschädlich zu machen. Dafür üben die Sportler bestimmte Schlag-, Tritt-, Hebel- und Würgetechniken.

Aber ist diese Kampfkunst auch eine Sportart, die blinde Menschen ausüben und erlernen könnten? Mit dieser Frage musste sich Rainer Grytt, Spartenleiter im SC Twistringen, in diesem Jahr auseinandersetzen, als der Barnstorfer Andy Behrend anrief. „Ich wusste ehrlich gesagt im ersten Moment nicht, was ich machen sollte“, gibt der Dan-Träger ehrlich zu.

Ziel ist die Teilnahme an Lehrgängen

„Trotz jahrzehntelanger Kampf- und Ausbildungserfahrung wusste ich nicht, wie ich einem blinden Menschen den Sport beibringen sollte.“ Er sei unsicher gewesen. „Wir werden es ausprobieren“, versprach Spartenleiter Grytt nach Rücksprache mit seinen Trainern.

Und so kam Andy Behrend bereits im April erstmalig zum Training nach Twistringen. Der 49-Jährige, der vor einigen Jahren durch einen Unfall plötzlich sein Augenlicht verlor, erklärte, dass er schon länger auf der Suche nach einem Verein gewesen sei. Aber entweder konnte man ihn da nicht im Kampfsport ausbilden oder wollte nicht. Heute ist Andy Behrend froh, dass Rainer Grytt den Mut hatte, es auszuprobieren.

„Durch Andy ist die Gruppe noch enger zusammengewachsen“, lobt der Trainer. Andy habe sogar vor Kurzem den gelben Gürtel, die Prüfung zum 5. Kyu bestanden. „Die ersten Monate waren auch für mich eine Zeit des Lernens“, schildert Rainer Grytt. Denn viel läuft bei Behrend über das Gehör. Und durch Tasten: Wo steht der „Gegner“, wo ist die Schulter, wo der Rücken?

Andy Behrend hebelt seinen Trainingspartner Tim mal eben auf die Matte. - Fotos: Nölker

„Meine Trainingskollegen haben mich alle voll integriert, ich fühle mich hier wohl“, so Behrend. Die Partner werden stetig gewechselt. Auch die Frauen sind mal Mattenpartner.

„Aber am liebsten trainiere ich mit Tim, der verträgt mehr!“, betont er. So wie an diesem Abend, als der Barnstorfer seinen Trainingspartner mal eben auf die Matte hebelt – und das gleich mehrmals hintereinander. „Ich bin hier glücklich, es macht mir Spaß“, freut sich Behrend.

Sein Ziel: Im kommenden Jahr möchte er an internationalen Lehrgängen teilnehmen. „Der Weg geht dorthin, wo er hingeht“, sagt er, bevor er mit einem lauten Knall Freund Tim mit einem Schulterwurf auf den Rücken wirft.

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