Verbindung bricht ständig ab

„Dieses Jahr war für mich ein Höllentrip“: Seniorin kämpft seit einem Jahr mit instabilem Telefonanschluss

Das Telefon ist vor allem für viele ältere Menschen eine elementare Verbindung zur Außenwelt. Das gilt gerade jetzt, in Zeiten der Coronapandemie. Symbolbild: IMAGO / Papsch
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Das Telefon ist vor allem für viele ältere Menschen eine elementare Verbindung zur Außenwelt. Das gilt gerade jetzt, in Zeiten der Coronapandemie. Symbolbild: IMAGO / Papsch

Gerade Senioren haben im vergangenen Jahr immer wieder zu hören bekommen, dass sie persönliche Kontakte so weit wie möglich reduzieren sollten. Schließlich gehören sie zur Risikogruppe. In dieser von Corona geprägten Zeit ist das Telefon für viele Ältere wichtiger denn je. Umso misslicher ist der Fall einer 86-jährigen Twistringerin. Seit einem geschlagenen Jahr kämpft sie damit, dass ihre Verbindung ständig abbricht.

Twistringen – „Ich bin mit meinen Nerven am Ende“, sagt die Seniorin, hörbar verzweifelt. Als sie bei uns in der Redaktion anruft, herrscht zunächst Verwirrung. Es klingelt, wir gehen ans Telefon, doch es ist still in der Leitung. Kurze Zeit später stellt sich raus: Die Verbindung ist abgebrochen. So wie es bei der alleinstehenden Seniorin immer und immer wieder passiert.

Ihren Namen will die Frau lieber nicht in der Zeitung lesen – aus Sorge, dass Kriminelle sich ihre Situation als alleinstehende Seniorin ohne funktionierendes Telefon zunutze machen könnten.

Telefonanschluss in Twistringen: Etliche Gespräche mit Telefonanbieter

Bereits vor ein paar Wochen haben wir in einem Artikel über Störungen bei Vodafone auf der Seite Kreis und Region über das Problem der Twistringerin berichtet. Darüber, dass sie etliche Gespräche mit ihrem Telefonanbieter hinter sich hat. Und darüber, dass sie langsam nicht mehr weiter weiß. Der Artikel endete mit der Aussage Vodafones, dass man schauen werde, wie man der Frau helfen könne.

Tatsächlich: Danach kam Schwung in die Sache. Ein Techniker hat im Haus alles geprüft. Und festgestellt: Die Anschlüsse sind in Ordnung. „Der war wirklich bemüht“, sagt die Seniorin. Doch dann kam die ernüchternde Nachricht von Vodafone: Es sei nicht möglich, die Störung zu beheben. Von März bis Dezember letzten Jahres sei trotzdem jeden Monat abgebucht worden, ärgert sich die 86-Jährige. Sie fragt sich: Was, wenn sie jünger wäre und das Telefon zum Arbeiten bräuchte?

DSL: Keine Kapazitäten frei

Vodafone habe ihr vorgeschlagen, auf das DSL-Angebot zu wechseln. Dabei mietet Vodafone eine Leitung der Telekom an. Die Twistringerin schöpfte Hoffnung, unterschrieb die nötigen Verträge. Nur um nach dem ganzen Papierkram die Antwort zu bekommen: DSL geht nicht. Keine Kapazitäten frei.

Auf Anfrage schildert das Unternehmen Vodafone seine Sicht auf den Fall: Der Kabelstrang, über den die Kundin versorgt wird, sei vor ein paar Wochen auf eine moderne Technologie umgestellt worden. „Mit dieser neuen Technologie ist es uns in Twistringen möglich, zukünftig deutlich schneller mehr Kapazität im Kabelglasfasernetz für unsere Kunden bereitzustellen. Es trat allerdings die Besonderheit auf, dass einige Kunden nach dieser Umstellung Qualitätsprobleme bei der Nutzung von Internet und Telefon gemeldet haben.“ Einzelne Gespräche würden abbrechen, Stimmen manchmal verzerrt.

Telefonanschluss macht Ärger Software-Problem als Ursache identifiziert

Als Ursache sei ein Software-Problem identifiziert worden. „Ein Software-Update wird gerade in einem Feldtest geprüft. Aktuell gehen wir davon aus, dass die neue Software nach erfolgreichem Testabschluss in den nächsten Wochen zum Einsatz kommt und anschließend Internet und Telefon in Twistringen wieder in gewohnter Qualität zur Verfügung stehen“, sagt eine Vodafone-Sprecherin. Um der Seniorin eine kurzfristige Lösung anzubieten, habe der Kundenservice das DSL-Angebot vorgeschlagen. Die Telekom habe aber mitgeteilt, dass ein Anschluss nicht möglich sei.

Die Telekom bestätigt: „Laut unseren Recherchen ist am Abschlusspunkt leider keine freie Leitung mehr vorhanden.“ Der Abschlusspunkt sei ein Kasten, etwa so groß wie zwei Zigarettenpackungen, worin die Leitung von der Straße mit den Leitungen im Haus verbunden wird. „Eine Änderung der Lage ist nicht in Sicht“, so die Telekom.

Telefonanschluss in Twistringen: Der Ärger macht Seniorin zu schaffen

Der Seniorin setzt der ganze Ärger mit dem Telefon zu. „Die Menschen fliegen zum Mond, überall wird Glasfaser verlegt und technisch ist so viel möglich – aber ich kriege keinen funktionierenden Telefonanschluss“, sagt sie. Und führt aus: Sie wohne keinesfalls irgendwo in der Pampa, sondern mitten in Twistringen. Sie habe mehrere Jahrzehnte lang in ihrem Haus problemlos telefonieren können, lange Zeit davon sogar als Kundin der Telekom, schildert sie. Und das soll jetzt nicht mehr möglich sein, wo doch immer alles moderner wird? Da kann sie nur den Kopf schütteln.

Für Notfälle hat die Twistringerin jetzt ein Handy. Doch die meisten in ihrem Alter hätten nur einen üblichen Festnetzanschluss. Für ihre Freunde und Bekannten sei es daher teuer, sie anzurufen. Apropos teuer: Die Seniorin schildert, dass der Hausnotruf schon mal fast den Notarzt alarmiert hätte, weil es auf einmal still in der Leitung war und die Befürchtung bestand, es sei ihr etwas passiert. Dabei habe sie lediglich eine Frage zur Medikamenteneinnahme gehabt, als die Verbindung abgebrochen sei. Wäre der Notarzt umsonst angerückt, hätte das teuer werden können, habe man ihr danach gesagt.

„Dieses Jahr war für mich ein Höllentrip“ - Seniorin muss weiter hoffen

Die Twistringerin musste sich auch schon oft anhören, wie unhöflich es sei, einfach aufzulegen, wenn mal wieder die Verbindung abgebrochen ist. „Dieses Jahr war für mich ein Höllentrip“, sagt sie. Wie es weitergeht, ist unklar. „Unser Kundenservice steht weiter mit ihr in Kontakt“, heißt es seitens Vodafone. Man versuche, eine Lösung zu finden. Also heißt es für die Twistringerin: weiter hoffen.

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