Tafel Twistringen zieht um

Vorbereitung läuft im Hintergrund, Essensausgabe im Vordergrund

Ehrenamtliche Helfer der Tafel Twistringen stehen vor einem Sortier- und Ausgabetisch.
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Sammeln, Sortieren, Verteilen: Tafel-Leiterin Bianca Iacovozzi (v.l.), Gunda Siemers, Johannes Schäfer, Beate Gerken und Maria Pankratz.

Sammeln, Sortieren, Verteilen: Demnächst kommt auch noch Einpacken, Verladen und Einrichten hinzu. Die Tafel Twistringen zieht zum sechsten Mal seit ihrer Gründung im Jahr 2004 um. Der neue Standort in Innenstadtlage an der Vechtaer Straße 6 soll ab Dienstag, 6. Juli, wieder für Bedürftige bereit sein.

Twistringen – Die Helfer der Tafel Twistringen haben alle Hände voll zu tun. Corona erschwert die Arbeitsbedingungen zusätzlich, und ein Umzug steht an. Noch sortieren und verteilen sie die Lebensmittel an der Straße Osterkamp 15. Die letzte Ausgabe dort ist am Dienstag und Donnerstag, 15. und 17. Juni. Dann startet das zweiwöchige Umräumen. Die Tafel bezieht eine neue Halle an der Vechtaer Straße 6 in Twistringen – Innenstadtlage.

„Noch sind die Abläufe wie immer“, sagt Urte Tegtmeyer, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Caritas, in deren Trägerschaft sich die Tafel befindet. Ehrenamtliche und AGHs (Arbeitsgelegenheitskräfte) holen Waren von Lieferanten ab, die Lebensmittel werden in den eigenen Räumen sortiert und direkt an Bedürftige – gegen einen kleinen Betrag – ausgeteilt. Mehr als 200 Haushalte sind momentan berechtigt, sagt Bianca Iacovozzi, Leiterin der Tafel Twistringen. Die Kunden wurden in den vergangenen Wochen über die anstehende Schließung und den Umzug informiert. „Sie haben Verständnis, aber der Hunger wird ja nicht kleiner.“

Bisherige Standorte der Tafel in Twistringen seit der Gründung 2004

- Pfarrzentrum Steller Straße
- Bahnhofstraße
- Brunnenstraße
- Westerstraße
- Osterkamp (aktuell)
- Vechtaer Straße (ab Juli 2021)

Am Dienstag, 6. Juli, soll die neue Ausgabenstelle bezugsfertig sein, sagt Tegtmeyer. Vor der Wiedereröffnung muss zunächst am derzeitigen Standort alles eingepackt und abgebaut werden. So komme das Lebensmittellager auf Paletten in Folie. Den Umzug stemmen die Ehrenamtlichen selbst mit ihren zwei Wagen. Verstärkung kündigte aber die Abiturklasse des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums an.

Osterkamp 15 - Eine Übergangslösung seit 2018

Die Tafel ist nun seit Januar 2018 am Osterkamp. „Der Standort war von Anfang an nur als Übergangslösung gedacht“, so Iacovozzi. Die Suche nach einem neuen, geeigneten und bezahlbaren Objekt habe gedauert, sagt sie, doch nun ist es soweit, und die Vorteile überwiegen das Warten. Im Osterkamp 15 war früher ein Gartencenter. Das Glasdach heize sich im Sommer schnell auf, teilweise regne es durch, und im Winter sei es kalt, zählt Iacovozzi auf. „Klimatisch ist die neue Halle in der Ortsmitte ein 100-prozentiger Gewinn.“ Der vorhandene Platz sei etwa gleich groß. Außerdem sei die jetzige Randlage der Tafel ein Nachteil für alle, die nicht mobil sind, so die Leiterin.

Die Umzugsplanung erfordert derweil „wahnsinnig viel Aufwand“, so Iacovozzi. „Das ist ja ein ganzes Unternehmen, das umzieht.“ Die Kühltechnik, Küche und das Büro müssen abgebaut und transportiert werden, aber auch Stromanbieter, Wasserversorger und Abfallwirtschaft müssen informiert werden, zählt die Tafel-Leiterin exemplarisch auf. „Da steckt ganz, ganz viel Organisatorisches dahinter“, sagt sie.

Da steckt ganz, ganz viel Organisatorisches dahinter.

Tafel-Leiterin Bianca Iacovozzi

Die Gespräche für die Anmietung des neuen Standorts zogen sich rund ein Jahr hin, sagt Helferin Gunda Siemers. Die leer stehende Halle an der Vechtaer Straße 6 habe zunächst aufwendig für den Brandschutz ertüchtigt werden müssen. „Arbeiter zogen eine neue Decke in die hohe Giebel-Halle ein, die Wände wurden mit Einblasdämmungen isoliert“, so Siemers. Außerdem bekommt der Boden eine Schicht aus Kunstharz. Die letzten handwerklichen Arbeiten führen Arbeiter laut Siemers in dieser Woche aus: „Die Zimmerleute sind noch dabei.“ Den Aufwand für den Umbau und die Instandsetzung trägt der Vermieter. „Der Eigentümer nimmt Geld in die Hand“, sagt sie. „Dafür bekommt er aber einen langfristigen Mieter“, ergänzt Tegtmeyer.

80-Jahre und noch immer ehrenamtlich aktiv

Auf die neue Ausgabenstelle freut sich auch die gebürtige Twistringerin Maria Pankratz. Die 80-Jährige engagiert sich seit rund 14 Jahren bei der lokalen Tafel und fährt meistens mit ihrem Fahrrad zum Ehrenamt. „Das ist schon weit draußen“, sagt sie. Demnächst könne sie aber zum neuen Standort sogar laufen. Für Pankratz ist es bereits der fünfte Umzug der Twistringer Tafel in der Stadt. „Zuerst waren wir an der Bahnhofstraße“, erinnert sie sich. Dann in der Brunnenstraße. Am besten – bisher – gefiel es ihr jedoch an der Westerstraße in Nachbarschaft zu Aldi und dem Sozialen Kaufhaus. „Das war der schönste Platz“, schwärmt sie. Ans Aufhören denkt Pankratz dabei noch lange nicht. Die Arbeit erfüllt sie. „So lange wie ich kann, mache ich das weiter.“

Tafel Twistringen sucht großes Transportfahrzeug für Umzug

Die Tafel Twistringen sucht noch für ihren großen Umzug zwischen Montag, 21. Juni, und Freitag, 2. Juli, für einen Tag ein großes Transportfahrzeug. Wer mit einem entsprechenden fahrbaren Untersatz helfen möchte, meldet sich unter der Telefonnummer 0170/9373011 bei Tafel-Leiterin Bianca Iacovozzi.

Noch liegen die haltbaren Lebensmittel unverpackt am alten Standort.

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