Berliner diskutiert in Twistringen bei „Kunst trifft Politik“

Künstler Kani Alavi: Ein Stück Mauer als Mahnmal

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Der Künstler Kani Alavi holte sich bei den Kindern Hilfe beim Bemalen der Bodenvase.

Twistringen - Von Sabine Nölker. „Wieso gibt es diese Mauer?“, das war einer der ersten Gedanken, den der Berliner Künstler Kani Alavi bei seiner Übersiedlung nach Berlin 1980 hatte. „Ich konnte es damals nicht verstehen“, erklärte er am Sonntagnachmittag im Garten von Gisela und Hermann Hanschen zur Eröffnung seiner Vernissage „Kunst trifft Politik“.

Eindrucksvoll schilderte er die Entstehung der East Side Gallery, eindrucksvoll aber auch seine Werke.

Kani Alavi stammt aus Nordpersien und studierte an der Hochschule für Künste in Berlin bei Professor Klaus Fußmann. Er avancierte zum Meisterschüler. 1990 war er einer von 118 Künstlern aus 21 Ländern, die später die als East Side Gallery bekannten Teile der Berliner Mauer bemalten. Da er die Mauer nicht verstehen konnte, bezog er eine Wohnung nur wenige Meter von ihr entfernt, erzählte Alavi vor rund 50 Zuhörern.

Vase bemalt und versteigert

„Neun Jahre lang sah ich immer wieder diese Mauer und stellte mir viele Fragen“, so seine Erinnerung. Dann, in der Nacht des 1. November 1989, erlebte er, wie die Menschen von Ost nach West strömten. „Die Gesichtsausdrücke dieser Menschen, ängstlich zurückblickend, freudig, weinend, erwartungsvoll und auch fassungslos, habe ich noch in derselben Nacht auf die Leinwand gebracht.“ Und auch auf die Mauer.

1996 gründete er gemeinsam mit anderen den Verein Künstlerinitiative East Side Gallery und kämpft seitdem gemeinsam mit Künstlern und Politikern um die Bewahrung der Mauer und ihrer Bilder für die Nachwelt.

Für die Sanierung flossen bereits im Jahr 2000 gespendete 500 000 D-Mark sowie 2008 zwei Millionen Euro für eine umfassende Sanierung, bei der 87 Künstler ihre Bilder erneut malten. Dabei wurden 100 Bilder wieder hergestellt.

Für seinen großen Einsatz für die Entstehung der größten Freiluftgalerie der Welt erhielt Alavi 2011 die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland.

Am Sonntag wurden die Garagen und Schuppen auf dem Grundstück der Vorsitzenden der Frauen-Union Twistringen, Gisela Hanschen, in eine Galerie mit Café umfunktioniert. Viele Twistringer Bürger waren zugegen, als Bundestagsmitglied Axel Knoerig nochmals die Wichtigkeit der East Side Gallery hervorhob. „8000 bis 12000 Menschen gehen täglich an diesem Stück Mauer vorbei“, und betonte, „es muss als Mahnmal erhalten bleiben!“

Im Anschluss spielte die Mitglieder der School-House-Seven-Band Happy Jazz.

Die Gäste genossen bei Sonnenschein das reichhaltige Kuchenbüfett und klönten; auch über politische Themen, denn neben Knoerig waren auch Volker Meyer und Marcel Scharrelmann, beide Landtagskandidaten, zugegen.

Am späteren Nachmittag ließ es sich Alavi nicht nehmen, eine große Bodenvase zu bemalen. Diese wurde am Ende meistbietend versteigert – es kamen 350 Euro zusammen.

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