Strohhalme und Blick durch das Teufelsloch

Twistringens Geschichte beim Tag der Regionen

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Museumsleiter Heinz Brinkmann machte im Museum der Strohverarbeitung Halt unter dem größten Strohhut der Welt.

Twistringen - Von Sabine Nölker. Bei strahlendem Sonnenschein nutzten zahlreiche Einheimische und Gäste die Angebote in und um Twistringen, als gestern der 19. Tag der Regionen zum Ausflug lockte.

Im Museum der Strohverarbeitung folgten fast 60 Personen den Ausführungen von Heinz Brinkmann bei einer kostenlosen Führung. „Hier ist heute richtig was los“, freuten sich die Ehrenamtlichen des Museums am Kapellenweg. „Knapp 50 Gäste wollten gleich an der Führung teilnehmen.“ Und während Museumsleiter Brinkmann noch einen Einblick in die Geschichte der Strohverarbeitung Twistringens gab, füllte sich die Museumsdiele weiter, sodass er am Ende knapp 60 Interessierten das Museum zeigte.

Die erste Station der Führung war der größte Strohhut der Welt, der anlässlich des 750-jährigen Jubiläums der Stadt auf Initiative der SCT-Handballer gefertigt wurde und es ins Guinnessbuch der Rekorde schaffte. Weiter ging es für die Besucher aus Vechta, Dinklage, dem Raum Oldenburg und Schaumburg an den Arbeitsplatz von Susanne Müller, die auf einer unhandlich wirkenden Nähmaschine zeigte, wie früher Hüte genäht wurden.

Strohverarbeitung spielte wichtige Rolle

Teilweise wurde es regelrecht eng, wenn Heinz Brinkmann Maschinen erklärte oder als Näherin Susanne Müller live einen Strohhut anfertigte. Bei ihr erfuhren die Besucher, dass sich die Näherinnen jeden Mittwochnachmittag treffen, um die Hutbestände, die zum Verkauf angeboten werden, im Museum aufzufüllen.

Über Jahrhunderte spielte die Strohverarbeitung in Twistringen laut Brinkmann eine bedeutende Rolle. Es wurden Strohhüte, Ummantelungen für Weinflaschen, sogenannte Malotten, und Trinkhalme hergestellt. Den Ausführungen Brinkmanns zufolge fand dies ein Ende, als in den 60er-Jahren die Mähdrescher Einzug hielten und das Langstroh, das man für die Produkte benötigte, verschwand.

Weitere Arbeitsgeräte und vor allem eine kleine Küche, wie sie in den Nachkriegsjahren in jedem Haushalt zu finden war, erläuterte Brinkmann seinen Gästen. In solchen Küchen haben sich viele Familien mit Halmeschneiden ihr Geld verdient. „Ich kenne das von meinem Vater und habe damals geholfen“, erinnerte sich der Museums-chef. Am Ende gab es auf der Diele Kuchen, Kaffee und Tee.

Den ließen sich auch die Besucher im Garten-Café in Scharrendorf sowie der Klönstuuv in Borwede schmecken. Dort freuten sich die Verantwortlichen über zahlreiche Radfahrer, die das Wetter zum Tag der Regionen auf den Plan gerufen hatte.

Um der Sonne ein wenig näher zu sein, bestiegen Interessierte den 56 Meter hohen Turm der katholischen St.- Anna-Kirche, dem Wahrzeichen der Stadt. Seit dem Jahr 1870 präsentiert sich die neugotische Kirche schon von Weitem dem Besucher, bei dem sie auch gestern wieder gut ankam. So mancher wagte während der Führung sogar einen Blick durch das „Teufelsloch“, von dem man den Altarraum aus der Vogelperspektive betrachtet.

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