Morgen wird eine Entscheidung im Stadtrat erwartet

Streit um B 51-Sanierung

Ein für Radfahrer und Fußgänger gefährlicher Kreuzungsbereich: B 51 mit Kirchstraße, Harpstedter und Bachstraße. - Foto: ADFC

Twistringen - Von Theo Wilke. Um die geplante Sanierung der B 51 in der Stadt Twistringen ist mittlerweile ein heftiger Streit zwischen Befürwortern und Gegnern entbrannt. Am Donnerstag soll der Rat seine Entscheidung treffen.

In der öffentlichen Sitzung ab 19 Uhr im Rathaus geht es um die Frage: nur eine Fahrbahnsanierung vom Centralplatz bis zur Köglerstraße oder ein zum Teil umfangreicherer Aus- und Umbau der Bundesstraße mit Radfahrstreifen auf der Fahrbahn? Und wie viele Bäume und Parkplätze werden am Ende verschwinden?

Wählergemeinschaft mit IHK einig

Für Unmut und Stimmungsmache sorgt unter Gewerbetreibenden auch eine großflächige anonyme Anzeige in der Dienstag-Ausgabe dieser Zeitung. Sie titelt: „Über Twistringens Zukunft wird entschieden...“  Unter anderem ist da zu lesen: Alle Linden vom Rathaus bis zum Markt würden der Motorsäge zum Opfer fallen, die grüne Lunge Twistringens werde auf Dauer vernichtet. Ein Großteil der Parkplätze werde wegfallen. So mache man den noch bestehenden Einzelhandel kaputt.

Ein zusätzlicher Aufreger. Denn offenbar nicht alle Gewerbetreibenden an der B 51 unterstützen diese Protestanzeige. Gestern Abend war dies ebenfalls Thema am Stammtisch der GUT, Gemeinschaft der Unternehmen in Twistringen, bei Klausis.

Im Vorfeld der Ratssitzung äußert sich der CDU-Stadtverband über seinen Mitgliederbeauftragten Frank Hömer: „Mit der Sanierung der B 51 in der von der Verwaltung angestrebten Variante bietet sich unseres Erachtens die Möglichkeit, Twistringen nicht nur attraktiver zu machen, sondern ebenso einen großen Beitrag zur Verkehrssicherheit von Zweiradfahrern zu leisten.“

Im benachbarten Vechta stand in der Zeitung: „Vechta holt Radfahrer auf die Straße – Vorbild sind Ideen aus Großstädten“. Da sei zu lesen gewesen, dass eigene Spuren für Radfahrer eine Erhöhung für deren Sicherheit bedeuten, der Autoverkehr und das bekannte Verkehrschaos zu Stoßzeiten durch attraktive Radwege reduziert werden könne, Autos und Lkw ganz pädagogisch dazu „gezwungen“ würden, Rücksicht zu nehmen. Dies funktioniere in Großstädten, auch die Stadt Vechta sehe hier eine große Chance. Warum sollte es in Twistringen anders sein? fragt die CDU. Es sei statistisch erwiesen, dass Fahrradstreifen das Unfallrisiko verringern, nicht erhöhen.

Was die ortsbildprägenden Bäume angeht, rechnet nicht nur die CDU damit, dass auch bei einer reinen Fahrbahnsanierung „wahrscheinlich etliche der 14 Linden zwischen Rathaus und Marktplatz den neuen Kanälen weichen müssen“. Insgesamt stehen entlang der B 51 mehr als 140 Bäume. Die „grüne Lunge Twistringens“ werde nicht vernichtet. Es würden auch nur wenige Parkplätze direkt vor den Geschäften verschwinden.

Als unhaltbar und fast schon unverschämt bezeichnet der CDU-Stadtverband den anonymen Vorwurf, Entscheidungsträger aus Verwaltung und Politik hätten „die Geschäfte der Bahnhofstraße totsaniert“ und würden sich „jetzt die verbliebenen Gewerbetreibenden an der B 51 vornehmen“. Im Gegenteil: Die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung werde nicht ignoriert. „Alle Parteien im Stadtrat und auch die Verwaltung streben das Ziel an, so viele Bäume und Parkplätze zu erhalten wie möglich und die Verkehrssicherheit für Radfahrer zu erhöhen“, so Frank Hömer. Man höre auf den Rat von Fachleuten, aber berücksichtige ebenso Meinungen und Sorgen der Bürger und Gewerbetreibenden.

Die neue „Freie Wählergemeinschaft Twistringen und Ortschaften“ verweist indes auf eine Stellungnahme der Industrie- und Handelskammer Hannover. Die IHK sieht den Wegfall der meisten Parkplätze kritisch und empfiehlt, „soweit wie möglich auf den Rückbau von Parkplätzen vor den Geschäften zu verzichten“. Ulrich Helms, Fraktionsvorsitzender der Freien Wählergemeinschaft: „Wir werden gegen die Beseitigung von Parkplätzen und Bäumen stimmen.“

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