Überaltert und zu wenig Bauland

Stelles Ortsbürgermeister Albert Rasche: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“

+
Albert Rasche, seit 2011 Ortsbürgermeister in Stelle.

Stelle - Von Theo Wilke. Brot und Salz, dazu die Steller Motivtasse – wenn Ortsbürgermeister Albert Rasche und Mary Putjenter vom Schießsport- und Heimatverein sich auf den Weg machen, wissen die Nachbarn: Das etwa 320 Einwohner zählende Dorf im Südosten der Stadt Twistringen hat Zuwachs bekommen. „Ich bin froh über jeden Neubürger, ob als Eigenheimbauer oder als Mieter“, sagt der Ortsbürgermeister. 2017 habe man mehrfach den Begrüßungsbrauch gepflegt.

Freud und Leid beziehungsweise Sorge liegen manchmal nah beieinander. Seit Jahren beobachtet der Ortsbürgermeister eine Überalterung in der Dorfbevölkerung. Die jungen Leute würden eher dort hinziehen, wo es für sie passendes Bauland und mehr berufliche Perspektiven gebe. Kann er verstehen: „Es gibt hier einfach zu wenig Möglichkeiten im Wohnbaubereich“, so Rasche.

In neuen Baufeldern ist laut Ortsbürgermeister die Vermarktung schon schwierig. Es gebe zum Teil Grundeigentümer mit eher kleinen Flächen. Und die würden nicht unbedingt verkaufen wollen. Zurzeit bewege sich nichts. Im Gespräch sei schon mal ein Bereich am Tennisheim gewesen, aber habe sich zerschlagen. Weil kein Investor in Sicht – aber Nachfragen nach Baugrundstücken gebe es. An der Weyher Straße haben Bauwillige nur die Chance auf Lückenbebauung.

Der Ortsrat wird sich weiter mit dem Thema beschäftigen. Wenn sich Auswärtige erkundigen, dann solche, die auf der Suche nach einem Zuhause außerhalb eines Ballungsraums („zu laut und zu eng“, Zitat Rasche) in ruhiger Wohnlage sind.

Rasche für Tempobegrenzung auf der Steller Straße

Seit mehr als 15 Jahren unternimmt der Steller Ortsrat immer wieder Anläufe in Sachen Tempobegrenzung auf der Steller Straße (Kreisstraße 103), Kreuzungsbereich Kapellen- und Weyher Straße. 70 Stundenkilometer sind den Anwohnern zuviel. Von der Kapellenstraße aus könne man die Hauptstraße nicht gut einsehen. Eine gefährliche Ecke, weil zu schnell gefahren werde, meint auch der Ortsrat.

„Der Landkreis hat Tempomessungen zugesagt. Ein Baum sollte noch entfernt werden. Das müsste bald passieren“, sagt Ortsratsvorsitzender Rasche. Die Behörde wolle danach noch mal alles prüfen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Rasche.

Was treibt den Ortsrat im neuen Jahr noch so um? – Nach dem jüngsten Sturm im Herbst seien bei der Beseitigung gestürzter Bäume einige Schäden an Wegen entstanden, beispielsweise im Bereich Rote Riede am Rad- und Wanderweg zwischen Schwimmpark und Weyher Straße. Das müsse erledigt werden, im Frühjahr nach dem Frost, drängt der Ortsbürgermeister.

In diesem Jahr befassen sich alle Twistringer Ortsräte mit der geplanten Abgabe der Gräbenunterhaltung an die Wasser- und Unterhaltungsverbände. Zuvor jedoch müssten die Gräben auch in Stelle zunächst grundgeräumt werden. Da sei in der Vergangenheit mangels Haushaltsmittel einiges liegen geblieben, heißt es.

Kapellenstraße immer wieder angemahnt

Außerdem fordert der Ortsrat für 2018 die Sanierung einiger maroder Straßen, etwa Buchenweg und Steller Schulstraße mit Bokelskamp. Dringend müsse auch etwas mit der Straße Zur Rabenwiese passieren. „Seit 1991 bin ich im Ortsrat, und seitdem haben wir die Kapellenstraße immer wieder angemahnt“, kritisiert Rasche an die Adresse der Stadtverwaltung. Ein Teil des Pflasters sei mal aufgenommen und neu verlegt worden. Wenn nach und nach weiter gemacht worden wäre, würde das heute nicht so aussehen.

„Als Kind habe ich Anfang der 60er-Jahre vor dem Haus im Sand gespielt und miterlebt, wie mein Vater und die Nachbarn die Straße gepflastert haben.“ Heute müsse man in Schlangenlinien die tiefen Versackungen umfahren.

Für die Erneuerung der sanitären Anlagen mit behindertengerechter Toilette im Dorfgemeinschaftshaus hat der Schießsport- und Heimatverein wiederholt einen städtischen Zuschuss beantragt. Jagdgenossen und Ortsrat wollen sich auch mit einem Erlös aus dem Wegeverkauf beteiligen. Rasche rechnet fest damit, dass diese Baumaßnahme 2018 umgesetzt wird.

Der SSHV sei sehr rege, habe für viele Ruhebänke gesorgt und bereichere mit seinen Aktionen und Veranstaltungen die Dorfgemeinschaft. „Das darf in der Bevölkerung auch ruhig mal mehr wertgeschätzt werden“, meint der Ortsbürgermeister. Seit 2011 im Amt, lobt Rasche ausdrücklich den Ortsrat für das zufriedenstellende Miteinander und gute Arbeiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Auf den Trümmern einer Brücke: die Bühne der Populisten

Auf den Trümmern einer Brücke: die Bühne der Populisten

Gedenken der Opfer des Gladbecker Geiseldramas in Heiligenrode

Gedenken der Opfer des Gladbecker Geiseldramas in Heiligenrode

Gladbecker Geiselnahme: Geblieben sind Schmerz und Trauer

Gladbecker Geiselnahme: Geblieben sind Schmerz und Trauer

Aufbau für jbs-Maisfeldfete und Oldie-Abend in Westeresch

Aufbau für jbs-Maisfeldfete und Oldie-Abend in Westeresch

Meistgelesene Artikel

„Großes Bahnhofsfest“: Spaß für Leute jeden Alters

„Großes Bahnhofsfest“: Spaß für Leute jeden Alters

Brand an der B6: Zahlreiche Autofahrer benachrichtigen Einsatzkräfte

Brand an der B6: Zahlreiche Autofahrer benachrichtigen Einsatzkräfte

Motorradfahrer verletzt sich bei Sturz schwer

Motorradfahrer verletzt sich bei Sturz schwer

Erstmals Kinderanimation zum Start des Brokser Markts

Erstmals Kinderanimation zum Start des Brokser Markts

Kommentare