Aber wie kommt die Milch in die Tankstelle?

„Da steckt keine Kuh drin“

Susanne Rasche erklärt alles.

Mörsen -  Der neunjährige Marlon macht das nicht zum ersten Mal. Er war schon häufiger mit Papa auf dem Hof Rasche in Mörsen. Am letzten Ferientag hält der Drittklässler eine leere Glasflasche unter den Zapfhahn und drückt den Startkopf. Und schon fließt ein Liter frisch gemolkene Milch. „Das steckt keine Kuh drin“, erklärt schmunzelnd Landwirtin Susanne Rasche 13 Jungen und Mädchen der städtischen Ferienbetreuung.

Die Sechs- bis Zwölfjährigen wissen jetzt, wie das Innenleben der bislang einzigen Milchtankstelle in der Twistringer Region aussieht. Nein, eine Kuh steckt da nun wirklich nicht drin. Das hat ja keiner geglaubt. Auch nicht die siebenjährige Kira Milena aus der Nachbarschaft, die die erste Klasse der Grundschule am Markt besucht. Sie ist häufiger bei Rasches. Ihre Familie holt sich hier schon länger die leckere frische Milch.

Ferienkinder staunen auf dem Hof Rasche

Susanne Rasche lässt die Kinder bei der Hof-Führung in den metallen Tankstellenkasten schauen. Zwei 50-Liter-Tanks werden jeden Morgen bis 6 Uhr gefüllt. Milch zapfen darf man jeden Tag, auch am Wochenende, bis 22 Uhr.

„Wenn wir die Milch nur einfach einfüllen, schwimmt das Fett oben. Was ist das hier?“, fragt die Landwirtin. Sie hält eine längere Stange in der Hand. „Ein Rührstab, ein Mixer“, antworten die Kinder. Susanne Rasche: „Richtig. Damit sich das Fett nicht oben absetzt, bewegt dieser Mixer die Milch drei Minuten lang, und das alle 20 Minuten.“

Am Ende schenkt die Bäuerin den Ferienkindern jeweils eine Milchwertmarke (ein Euro) für den Automaten und eine Wertmarke für eine kostenlose Milchflasche. Bevor die Kinder wieder in die Stadt radeln, dürfen sie ihre Flaschen befüllen, damit die Milch auch gekühlt zu Hause ankommt.

Die Idee für die eigene Milchtankstelle kam Susanne und Ludger Rasche vor eineinhalb Jahren auf der Messe „Euro-Tier“ in Hannover. „Wir haben uns dort erstmal informiert. Wir hatten anfangs natürlich noch Bedenken, ob das wohl gut geht“, erinnert sich der Landwirt. Das Ganze habe schon eine Anlaufzeit gebraucht.

Im Oktober vergangenen Jahres starteten Rasches ihre Milchtankstelle an der B 51, die einzige bislang in der Twistringer Region – und die Mörsener bereuen den Schritt nicht.

„Es kommen schon viele aus dem Dorf und auch von außerhalb. Das freut uns sehr“, sagt Ludger Rasche sichtlich zufrieden. Und fügt hinzu: Manche würden mit Tupperware oder Glasflaschen ankommen, andere noch mit eisernen Milchkannen, wie früher. Zu Weihnachten habe ein Gast gleich fünf Wertgutscheine beziehungsweise -marken gekauft, um sie zu verschenken.

„Wir verkaufen den Liter Milch für einen Euro. Das ist auch in anderen Regionen so der gängige Preis.“ Für die tägliche Befüllung der Tankstelle hat Rasche sozusagen zwei von seinen insgesamt 126 Milchkühen abgestellt. „Es macht einfach Spaß, und wir haben auch keine Bedenken mehr. Das kommt in der Bevölkerung an“, so der Landwirt.

Den heute 132 Hektar umfassenden Hof, der seit mehreren Generationen in Mörsen existiert, hat Ludger Rasche von seinen Eltern übernommenen. Dazu gehört auch noch eine kleine Schweinezucht. Die Kinder Pius (14) und Thea (12) helfen kräftig mit. Pius möchte nach der Schule im nächsten Jahr ein Berufsgrundbildungsjahr Agrar absolvieren und danach in die Lehre gehen. Vater Ludger ist um die Zukunft des Hofes nicht bange.

Susanne und Ludger Rasche gewähren schon seit Jahren Kindern und Erwachsenen Einblicke in den landwirtschaftlichen Betrieb, zu dem auch eine kleine Schweinezucht gehört. Mindestens einmal im Monat bieten sie eine Führung an. Die Ferienkinder dürfen schließlich noch die Kälbchen streicheln und lassen sich den morgendlichen Melkvorgang und die Maschinen erklären.

Von Theo Wilke

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