Nach dem ersten Eindruck 2015: „Hier bleiben wir!“

Stadtspaziergang mit Bürgermeister Jens Bley: In Mörsen ein Stück Heimat zurückgewonnen

+
Pause am Centralplatz: Mehr Aufenthaltsqualität gefragt.

Der erste Eindruck von der Kleinstadt an der Delme mit seinen knapp 13 000 Einwohnern ist gut. Also beschließt Jens Bley mit seiner Familie: „Hier bleiben wir!“

Twistringen - Von Theo Wilke. Seit Bleys 2015 der Großstadt Bremen privat den Rücken gekehrt und ein neues Zuhause in Mörsen haben, hat der Bekanntheitsgrad des Polizeibeamten rasant zugenommen. Jens Bley engagiert sich seit 2016 in der Kommunalpolitik, sitzt bis Mitte dieses Jahres als Ortsbürgermeister im Mörsener Ortsrat. Der Ende Mai überraschend neu gewählte Twistringer Stadtbürgermeister erzählt bei einem Spaziergang, was er an Twistringen so schätzt.

Der 41-Jährige sitzt auf einer Schaukel auf dem Spielplatz am Mörsener Schützenhaus und blinzelt in die Nachmittagssonne. „Das ist einer meiner Lieblingsplätze“, erzählt der zweifache Familienvater. Von einigen Bäumen auf der Obstwiese fallen schon die ersten reifen Äpfel ins Grün. „Viele Menschen haben mitgemacht, um hier etwas Besonderes zu entwickeln“, betont er. Das ehrenamtliche Engagement im Dorf und im Stadtgebiet überhaupt begeistert den studierten Verwaltungsfachwirt.

Reife  Äpfel pflückt Twistringens Bürgermeister Jens Bley an einem Lieblingsplatz: Obstwiese am Bienenlehrpfad in Mörsen.

In seiner Polizeilaufbahn hat er sich als Gewerkschafter für seine Kollegen stark-gemacht. Als Ortsbürgermeister in Mörsen bringt er maßgeblich das Bienenprojekt samt Lehrpfad – vom Hildegard-von-Bingen-Gymnasium bis zur Obstwiese – voran. Für ihn ein selbstverständlicher Einsatz für seine Mitmenschen.

Zufrieden fällt sein Blick aufs Insektenhotel, das Schüler vom Gymnasium mit der Hilfe des Ortsrats errichtet haben. Bienen oder andere Insekten hat Bley indes noch nicht entdeckt. „Die kommen aber noch.“ Da ist er sich ganz sicher.

Auf dem Weg ins Stadtzentrum schiebt der Familienvater sein Fahrrad und erwähnt, dass er sehr gern Rad fährt, nicht nur zur Arbeit, zum Rathaus. Auch sonst in der Freizeit erkundet er mit seiner Familie die Sehenswürdigkeiten Twistringens. Und das seien nicht wenige. Seine Worte gehen fast unter in dem Verkehrslärm, der von der B 51 ausgeht. Ein Schwerlaster nach dem anderen schiebt sich über die Bundesstraße.

Stadtlärm kennt Jens Bley. Vorher lebte er mit Ehefrau Jana und den Töchtern Hannah und Jonna an der Weser. „Wir haben zwischen Bremen und Diepholz geschaut, wo wir unsere Heimat finden. Den Speckgürtel von Bremen konnten wir uns nicht leisten.“ Twistringen sollte es schließlich sein. Außer zwei dort wohnende Berufskollegen hat Bley bis dahin keinen Bezug zur Delmestadt.

Der passionierte Radfahrer im St.-Anna-Innenhof.

In Mörsen ist schnell ein nicht allzu großer Bauplatz gefunden. „Dann haben wir uns mit der Stadt beschäftigt“. Jens Bley, mit Wurzeln im cloppenburgischen Garrel, sticht sofort die „kleine Fußgängerzone“ im Bereich der Kirchstraße ins Auge. Und er denkt an seine erste Erfahrung in Twistringen: „Die Menschen hier sind uns aufgeschlossen und zugewandt begegnet.“

Beim Bau ihres neuen Hauses am Mörsener Kirchweg bekommt Familie Bley sehr schnell Kontakt zu den neuen Nachbarn. Dies bedeute auch ein Stück zurückgewonnener Heimat, wo man sich gerne aufhalte. Im persönlichen Umgang seien die Twistringer ein bisschen verwandt mit den Menschen seiner alten Heimat Garrel, stellt Bley fest und überquert mit uns die Hauptstraße zum Centralplatz.

Auch das Gesellige in Twistringen habe ihn sofort angesprochen, fügt der passionierte Radfahrer hinzu. „Ich bin fest überzeugt: Wenn man mit den Twistringern warm geworden ist, dann kommt man auch gut miteinander aus. Viele Kontakte haben wir über unsere Kinder geknüpft. Sie haben uns auch unsere Freunde gebracht. Ich habe das schon häufiger gesagt: Die Kinder sind unser Glück!“

Was schätzt Jens Bley so an Twistringen? Da überlegt er nicht lange. Natürlich schätzt er den Centralplatz – ein „super Platz für Begegnungen, und dann die Gastronomie“, zählt er auf.

Die Verschnaufpause beim Stadtgang in der Sommerhitze kommt am Centralplatz gerade recht. Der Bürgermeister fände es gut, wenn Rat und Verwaltung rund um den Centralplatz noch mehr zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität gelingen würde.

Der Turm der St.-Anna-Kirche überragt alles. Einmal im Jahr ist Gelegenheit, den Turm zu besteigen und den Blick weit über Twistringen hinaus zu genießen. Die noch erhaltenen typischen Stadthäuser davor werten den Stadtkern auf. Ein Gang zum Innenhof der Kirche sei sehr empfehlenswert, meint Jens, steht auf und steuert mit seinem Rad den atmosphärischen Platz zwischen Kirche und Pfarrzentrum an, um ein paar kleine Runden im Viereck zu drehen, wo zahlreiche Bäume willkommenen Schatten spenden.

Dabei kommt das Gespräch auf das rege Vereinsleben in der Stadt und den zugehörigen Dörfern. „Das ist sehr ausgeprägt. Es bringt Menschen zusammen. Außerdem steckt ehrenamtlich viel Potenzial in den Vereinen, Gruppen und Einrichtungen, etwas für die Gemeinschaft zu tun“, betont Bley. „Das kenne ich auch aus meiner Jugendzeit in Garrel.“

Die Schutzwallanlage Hünenburg ist für den Wahl-Mörsener auch ein bemerkenswerter Ort, den im Laufe des Jahres viele Ausflügler, Radler und Feiernde aufsuchen. Auch die Alte Ziegelei sei ein Alleinstellungsmerkmal für Twistringen – beliebte Location für Musikkonzerte, Festivals, Familienfeiern oder auch Geburtstage. Das vom Twistringer Bürger- und Heimatverein geplante Fossilienzentrum im Bereich der Sunderschen Tongruben könnte sich zu einem weiteren Besuchermagnet entwickeln, hofft der Bürgermeister.

Für das Museum der Strohverarbeitung trifft das schon lange zu. Bley: „Stroh ist die Identität der Stadt.“ Ihm würde ein großes Strohfest im Stadtzentrum gefallen.

Auf dem Rückweg zum Rathaus ist die B 51 erneut Gesprächsthema. Das gebe es in Sachen Ortsumgehung noch viel zu tun, sagt der Bürgermeister. „Ich werde es sicher nicht mehr in meiner Amtszeit bis 2026 erleben, dass das erste Auto über diese Ortsumgehung fährt.“ Wenn man die Planung bis dahin wenigstens abschließe und mit dem Bau beginnen könnte – darüber würde sich das Stadtoberhaupt freuen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Innenminister wollen gegen Rechtsrock vorgehen

Innenminister wollen gegen Rechtsrock vorgehen

Trump will Sanktionen gegen den Iran "bedeutend verstärken"

Trump will Sanktionen gegen den Iran "bedeutend verstärken"

Waldjugendspiele in Verden

Waldjugendspiele in Verden

Altstadtfest-Becher kommen viel rum 

Altstadtfest-Becher kommen viel rum 

Meistgelesene Artikel

Verkehrsunfall auf der B51 bei Nordwohlde: Straße halbseitig gesperrt

Verkehrsunfall auf der B51 bei Nordwohlde: Straße halbseitig gesperrt

BBQ Monster siegen bei Bremer Landesmeisterschaft: „Verdammt, wir haben den Rucola vergessen“

BBQ Monster siegen bei Bremer Landesmeisterschaft: „Verdammt, wir haben den Rucola vergessen“

Viel Aufwand, erste Erfolge: Klimastreik am Freitag für alle

Viel Aufwand, erste Erfolge: Klimastreik am Freitag für alle

Mann stirbt bei Unfall auf der B214: Zwei Autos krachen frontal zusammen

Mann stirbt bei Unfall auf der B214: Zwei Autos krachen frontal zusammen

Kommentare