Stadt lässt keine Erdgeschoss-Wohnungen zu / Rat entscheidet nächste Woche

Eine Frage des Charakters

+
Langenstraße 6 in Twistringen: Das ehemalige Hotel mit Restaurant wird zurzeit renoviert. Weil es im Kernsanierungsgebiet liegt, lehnt die Stadt eine Umnutzung der Erdgeschossräume in mehrere Wohnungen ab.

Twistringen - Von Theo Wilke. Im Twistringer Kernsanierungsgebiet macht das Nutzungskonzept der Stadt klare Vorgaben: Im Erdgeschoss haben Einzelhandel, Büros, Gastronomie oder auch soziale Einrichtungen Vorrang, ausgeschlossen sind Vergnügungsstätten und Tankstellen. Wohnungen sind da nur ausnahmsweise zulässig – aber nicht im einstigen Hotel und Restaurant an der Langenstraße 6. Der Bauausschuss hat drei dort geplante Wohnungen abgelehnt. Die Mehrheit im Stadtrat wird das nächste Woche auch tun.

Warum das so ist, erklärt Erste Stadträtin Birgit Klingbeil: „Das Gebäude Langenstraße 6 liegt in einem Bereich mit aktivem Geschäftsbesatz. Jede Umnutzung einer gewerblichen Einheit im Erdgeschoss verändert dabei schleichend den Gebietscharakter.“

Weil es für das besagte Nutzungskonzept keinen Bebauungsplan gibt, wird „die Zulässigkeit von Vorhaben“ nach dem Baugesetzbuch beurteilt. Entscheidend sei, betont Klingbeil, dass sich ein Bauvorhaben nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der überbauten Grundfläche in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen müsse.

Geschäftsstraße

klar definiert

Die Eigentümerin der Immobilie Langenstraße 6 muss sich laut Verwaltung um Mieter aus dem gewerblichen Bereich bemühen. Dagegen argumentiert die Besitzerin aus Harpstedt in ihrem Antrag: „Leider musste ich in den vergangenen Jahren feststellen, dass diese Räumlichkeiten sich zu einem solchen Zweck, sprich Restaurant oder sogar als sonstiges Gewerbe, nicht wieder neu vermieten lassen. Auch der vorherige Eigentümer musste diese Erfahrung in den Jahren zuvor machen.“ Leider wirke sich der Leerstand auch finanziell negativ für sie aus.

Im Bauausschuss gab es zunächst vereinzelt Verständnis für die Situation. Grünen-Ratsfrau Sylvia Holste-Hagen stellte die Frage, ob es noch Sinn mache, in diesem Fall auf neues Gewerbe zu hoffen. Am Ende wusste sie wie die große Mehrheit im Fachausschuss, dass in es einer solchen Geschäftsstraße keine Ausnahme geben darf, zumal sie jedes Jahr als Aktionsmeile ins Stadtfestgeschehen einbezogen wird.

„Es wäre das falsche Signal“, betonte nicht nur Wirtschaftsförderin Klingbeil. Auch für Hubert Diephaus-Borchers (CDU) wäre es eine schlechte Entscheidung gewesen, der Umnutzung zu Wohnungen zuzustimmen. Hermann Niederwestberg (Die Bündnisgrünen): „Im Nutzungskonzept ist klar definiert, was Geschäftsstraße bleiben soll.“

Bürgermeister Martin Schlake erinnerte daran, dass sich im Zuge der Innenstadtsanierung schon viel entwickelt habe und noch viel tun werde. Er warb dafür, über 2016 hinaus an den selbst geschaffenen Rahmenbedingungen festzuhalten. Und die Erste Stadträtin weiter: „Die Investitionsbereitschaft steigt derzeit merklich an.“

Birgit Klingbeil denkt schon an einen „Fahrplan für die Zukunft“. Sie appelliert ebenso wie der Bürgermeister an die Stadtratsgremien, in eine offene Debatte und einen Prozess zur Weiterentwicklung des Innenstadtbereiches nach 2016 einzusteigen und das Ganze auch planungsrechtlich abzusichern.

Mehr zum Thema:

Solidarität mit London von Berlin bis Washington

Solidarität mit London von Berlin bis Washington

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Stadt, Land, Fluss rund um Hameln

Stadt, Land, Fluss rund um Hameln

Mit Streetart-Touren die etwas andere Kunst entdecken

Mit Streetart-Touren die etwas andere Kunst entdecken

Meistgelesene Artikel

Rettungsdienste und Polizei proben Ernstfall

Rettungsdienste und Polizei proben Ernstfall

1500 fröhliche Gäste und 300 Kilogramm Grünkohl

1500 fröhliche Gäste und 300 Kilogramm Grünkohl

Line-up für das 7. Twistringer Ziegelei Open Air steht

Line-up für das 7. Twistringer Ziegelei Open Air steht

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Kommentare