98 Jahre lang Familienbetrieb

Maschinenbaufirma Kramer bekommt im neuen Jahr zwei neue Bosse

Mit dem Beginn des neuen Jahres gibt Ludwig Kramer den Chefposten seines Maschinenbauunternehmens ab an Marvin Hartje und Thomas Feldmann (v.l.n.r.). Foto: Ulf Kaack
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Mit dem Beginn des neuen Jahres gibt Ludwig Kramer den Chefposten seines Maschinenbauunternehmens ab an Marvin Hartje und Thomas Feldmann (v.l.n.r.).

Twistringen - Von Ulf Kaack. Eine 98 Jahre alte Unternehmertradition endet mit dem Jahreswechsel nur scheinbar. Ludwig Kramer, in dritter Generation Geschäftsführer der Ludwig Kramer Maschinenbau GmbH in der Industriestraße, geht an den Ruhestand. Ab dem 1. Januar sind mit Marvin Hartje und Thomas Feldmann zwei bislang leitende Mitarbeiter die neuen Bosse im Haus.

„Mein Großvater und mein Vater hießen genau wie ich Ludwig mit Vornamen, darum mussten wir nie unser Firmenschild wechseln“, sagt der scheidende Chef lachend über die typisch Twistringer Sparsamkeit. Doch auch unter der neuen Geschäftsleitung wird man die Firmenbezeichnung beibehalten. Denn die sei wertvoll, habe einen guten Klang in der Branche.

Die neuen Chefs haben beide bei Ludwig Kramer Maschinenbau gelernt. Marvin Hartje ist Feinwerkmechaniker und hat zusätzlich eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Der 27-Jährige erledigt im Büro die Auftragsbearbeitung und die administrativen Tätigkeiten. Sein Partner Thomas Feldmann hat Maschinenbaumechaniker gelernt und sich anschließend an der Landesfachschule Metall in Lüneburg zum Feinwerkmechanikermeister qualifiziert. Er ist für die Bereiche Konstruktion, Fertigung und Technik verantwortlich.

Firma Kramer besteht seit 1921

„Mein Großvater hat die Firma 1921 gemeinsam mit seinem Partner Georg Buschmann ins Leben gerufen“, reflektiert Ludwig Kramer die Unternehmensgeschichte. „Sie stellten am ursprünglichen Standort an der Bahnhofstraße Maschinen und Bauteile für die Twistringer Strohindustrie und die Landwirte in der Region her. 1963 trennten sich die beiden freundschaftlich. Mein Vater baute das Unternehmen kontinuierlich aus, modernisierte permanent den Maschinenpark.“

1985 übernahm der nun ausscheidende geschäftsführende Inhaber die Betriebsleitung. Der neue Fertigungsstandort in der Industriestraße mit Produktion, Laden, Büros und Lager entstand 1993 unter seiner Federführung. Einen Nachfolger aus der eigenen Familie gab es nicht, erst recht nicht mit dem Namen Ludwig: „Meine beiden Töchter haben sich beruflich anders orientiert. Die eine arbeitet bei Siemens im spanischen Madrid und die andere ist Makrobiologin von Beruf.“

Aktuell bilden gut ein Dutzend Mitarbeiter das Kramer-Team. Allein drei Fünfachs-Fräszentren gehören zur Hightech-Maschinenausstattung, außerdem Drehbänke und Peripheriegeräte zum Messen und Prüfen. Viele Kundenaufträge setzt Thomas Feldmann am Computer in Konstruktionsdaten um, aus denen zunächst Eins-zu-eins-Muster am 3D-Drucker für eine vorherige Funktionsprüfung entstehen, bevor sie in Produktion gehen. Nicht ungewöhnlich, dass die Auftraggeber den 35-Jährigen mit einer komplexen Aufgabenstellung betrauen, für die er maßgeschneiderte technische Lösungen entwickelt.

Kunden aus gesamtem Weser-Ems-Raum

„Unsere Kunden kommen aus dem gesamten Weser-Ems-Raum, teilweise auch von weiter her“, sagt Marvin Hartje. „Dabei handelt es sich vor allem um die Hersteller von Spezialmaschinen. Sie beziehen von uns individuell gefertigte Baukomponenten als Einzel- und Serienstücke oder als Ersatzteile. Bei uns werden aber auch Individualaufträge ausgeführt, wenn beispielsweise bei einem Oldtimer oder bei einer historischen Maschine keine Austauschteile mehr lieferbar sind. Dann sind wir gefragt. Schnelle Problemlösungen und Flexibilität sind unser Markenzeichen.“

Man mag es kaum glauben: Im weiteren Sinne ist Ludwig Kramer Maschinenbau ein Global Player. In Twistringen gefertigte Präzisionsteile verrichten ihre Arbeit in Sondermaschinen auf der ganzen Welt – in China, den USA, Brasilien, in Großbritannien.

Kramer: Schon mehr als 100 junge Leute ausgebildet

Besonders stolz sind die Metallexperten auf ihren Status als Ausbildungsbetrieb. Seit Firmengründung haben mehr als 100 junge Menschen bei Ludwig Kramer Maschinenbau ihren Beruf gelernt. Aktuell sind drei Azubis im Betrieb beschäftigt und werden in der Regel nach erfolgreicher Abschlussprüfung weiterbeschäftigt. Auch 2020 werden Plätze für die Ausbildung zum Feinwerkmechaniker – Fachrichtung Maschinenbau und Bürokaufmann – angeboten.

Und wie wird Ludwig Kramer die gewonnene Freizeit seines Rentnerdaseins nutzen? „Ich bleibe dem Unternehmen vorerst als Berater erhalten, werde mich – bei freier Zeiteinteilung – vornehmlich um die Bereiche CE-Kennzeichnung und Zertifizierung kümmern“, sagt der 65-Jährige. „Jetzt kann ich mich intensiver meiner Familie und unserem großen Garten widmen, außerdem meiner Leidenschaft, dem Bau von historisch exakten Schiffsmodellen. Und beim 100-jährigen Firmenjubiläum in zwei Jahren dürfte ich auch das eine oder andere Mal gefragt sein.“

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