Vielfältiges Engagement im Landkreis Diepholz

Spenden für Hochwasser-Opfer: Twistringer tritt in die Pedale

Marcus Lemke mit seinem E-Bike und einem seiner Unterstützer, dem Fahrradhändler Heiner Heuermann.
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Für Spenden strampeln: Zu den Unterstützern von Marcus Lemke zählt unter anderem der Fahrradhändler Heiner Heuermann.

Spenden, Hilfsgüter schicken, selbst mit anpacken: Die Hilfsbereitschaft für die Katastrophen-Gebiete hat viele Gesichter. Marcus Lemke will per Fahrradtour unterstützen.

Twistringen/Landkreis Diepholz – Bäche, die sich in reißende Flüsse verwandeln, überschwemmte Dörfer und Städte, hunderte Tote: Die Nachrichten aus Hochwassergebieten erschüttern. Sie lösen aber auch eine große Hilfsbereitschaft aus. Viele Menschen wollen spenden, andere einen persönlichen Beitrag leisten.

Zum Beispiel der Twistringer Radio-DJ Marcus Lemke: „Was ist das für eine Katastrophe“, hatte er sich angesichts der Fernsehbilder gedacht. Er möchte die Spendenbereitschaft noch ein bisschen weiter ankurbeln – indem er selber kräftig (aber elektrisch unterstützt) kurbelt.

Lemkes Idee: Mit dem E-Bike und einer Spendendose will er in mehreren Etappen von Twistringen ins Hochwassergebiet fahren. „Ich möchte etwas für meine Gesundheit und meine Mitmenschen tun – und ein bisschen Werbung für mein Radio und die Stadt Twistringen machen“, sagt er über seine Motivation.

Andere Beispiele aus dem Landkreis sind der Neuenkirchener Nick Flechtner, der Sachspenden-Transporte in den Rhein-Erft-Kreis organisiert (die Kreiszeitung berichtete). Oder die Organisatoren des – abermals ausgefallenen – Reload-Festivals. Über einen Mitarbeiter einer befreundeten Bühnenbau-Firma haben sie von der Lage im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr-Ahrweiler erfahren: Dass die Menschen dort „ihr Essen auf dem Teelicht kochen“, wie Reload-Mitarbeiter Manuel Bartels berichtet.

Deshalb hatte Bartels für Donnerstag dazu aufgerufen, Gaskartuschen, Kochtöpfe und Campingkocher zu spenden. Mit einem Transporter wollen Bartels und seine Helfer die Kocher am Wochenende nach Rheinland-Pfalz bringen. „So kann man füreinander da sein“, sagt Bartels. Denn: „Viele haben uns geholfen“, sagt er über die gerade für die Veranstaltungs-Branche schwierige Corona-Zeit.

Marcus Lemke will sich am Montagvormittag von Twistringen aus auf den Weg machen. Und auf dem soll sich seine Dose weiter füllen. Ziel seiner Tour ist Wuppertal. Lemkes Wunsch ist, die Dose gefüllt mit mindestens 5 000 Euro an den dortigen Oberbürgermeister Uwe Schneidewind zu übergeben. Denn der, so Lemkes Überlegung, „weiß am besten, wo das Geld gebraucht wird“.

„Ich bin sprachlos“ – Lemke zeigt sich beeindruckt von der spontanen Unterstützung, die seine Spenden-Tour schon jetzt, mehrere Tage vor Beginn, in Twistringen bekommt. Eine passende Jacke will etwa die Stickerei von Anja Weise noch beisteuern, eine geräumige Fahrradtasche und eine kostenlose    E-Bike-Wartung kommt vom Zweiradcenter Heuermann. Aber nicht weniger beeindruckt ist Lemke von einem Fünf-Euro-Schein, der morgens in der Post war. Denn der stamme von einer Sozialhilfe-Empfängerin.

Die Geld-Spenden sollen eins zu eins ankommen, kündigt der Mann hinter dem Internet-Sender Radio Twistringen an. Über Barnstorf und Diepholz und dann über Osnabrück, Münster und Dortmund will er nach Wuppertal zu radeln.

Ungefähr eine Woche hat der 49-Jährige für die rund 250 Kilometer eingeplant. Unterwegs will er Privatleute und Unternehmer für Spenden ansprechen – und sich für Zwischenberichte per App in sein automatisch laufendes Radio-Programm einklinken. Wenn seine Hilfe vor Ort gebraucht wird, überlegt Lemke, eine Woche zu verlängern: „Um selber die Schaufel in die Hand zu nehmen.“ Sorgen macht Lemke, dass der Wetterdienst wieder Gewitter angesagt hat und erneut starke Niederschläge drohen.

Seit Mittwoch bereits im Katastrophengebiet ist der Bassumer Bauunternehmer Markus Berndt. „Vor mir ist die Bundeswehr“, berichtet er telefonisch aus Rech an der Ahr. Die Flut hatte nicht nur große Teile Rechs zerstört, sondern mit der Brücke auch die einzige Verbindung zum Südteil des Weinortes. Deshalb baut die Bundeswehr eine Behelfsbrücke über die Ahr. Währenddessen unterstützt Berndt-Bau die Aufräumarbeiten mit seinen Bau-Maschinen und 13 Mitarbeitern, die sich ehrenamtlich angeschlossen haben.

Aber noch viele andere Bürger haben Herz gezeigt und Geld für die Opfer der Flutkatastrophe gespendet. Oliver Launer, Veranstalter des Bassumer Open Airs, startete auf Facebook an alle Fans seiner Veranstaltung einen Aufruf, „und dann schlossen sich immer mehr an“, berichtet Launer. Er fuhr in die Ortschaft Schuld und übergab 2500 Euro an den Bürgermeister, der sich laut Launer sehr bewegt und dankbar für die Hilfsbereitschaft gezeigt habe.

Auf Facebook schildert der Bassumer Unternehmer weitere Eindrücke: „Alles, was ihr im Fernsehen oder im Internet über die Zerstörungen seht, entspricht nicht der Realität. Es ist um ein Vielfaches schlimmer. Ich habe noch nie in meinem Leben solch eine Zerstörung gesehen. Es sind Eindrücke und Erlebnisse, die ich mein restliches Leben nie wieder vergessen werde.“

Spenden-Link zur Fahrradtor

www.radio-twistringen.de/news.php

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