„Twistringen ist absolut meine Heimat“

Silke Perin: Sportlich liegt der Anker in Heiligenloh

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Ausflüge unternimmt Familie Perin auch gern zum Beerenlehrpfad oder zur Hünenburg (im Bild) im Ortsteil Stöttinghausen.

Twistringen ist schön. Darin sind sich Silke und Marco Perin einig. „Hier ist ganz klar der Mittelpunkt meines täglichen Lebens, sowohl familiär wie auch beruflich“, gibt die 43-Jährige offen zu.

Von Sabine Nölker. „Twistringen ist absolut meine Heimat, weil ich mich hier wohl fühle und hier das Zentrum unserer Familie ist.“

Ehemann Marco stimmt zu. Allerdings sagt er auch, dass der Ort in den vergangenen Jahren einiges an Flair verloren hat. „Die Bahnhofstraße gibt es nicht mehr als Geschäftsstraße, und sie wird es auch nie wieder werden.“ Dies findet er sehr schade, hofft aber gleichzeitig, dass sich die Stadt weiterentwickelt. „Es gibt punktuell tolle Plätze wie den Centralplatz, und auch die kulturellen Angebote sind toll. Da muss man dran bleiben.“ Gleichzeitig hofft er auf die Umgehungsstraße. „Damit kehrt Ruhe in den Ort ein.“ Doch was bewegt einen Bremer Polizeibeamten und eine Tourismusexpertin aus einem kleinen Ort bei Frankfurt am Main, Twistringen zu ihrem Heimatort zu machen?

Gemeinsam verbringt die Familie Perin viel Freizeit in der Sporthalle des TV Heiligenloh: „Eindeutig einer unserer Lieblingsplätze!“

Marco Perin ist in Bremen-Huchting aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte er fünf Jahre auf Lehramt. Allerdings zu einer Zeit, in der es wenig freie Planstellen gab. „Was mache ich, wenn ich fertig bin?“ Diese Frage beschäftigte ihn damals sehr. „Ich entschloss mich dann mit 27 Jahren, zur Polizei zu gehen.“ Dort arbeitete er in unterschiedlichen Bereichen und Funktionen der Bereitschafts-, Schutz- und Kriminalpolizei.

Heute leitet Marco Perin ein Referat innerhalb der Zentralen Polizeidirektion. „Aber ich wollte nicht dort leben, wo ich arbeite.“ Deshalb fasste er den Entschluss, ins Umland zu ziehen. „Ich wollte ein Haus auf dem Land, wollte die Idylle“, erinnert sich der damalige Junggeselle. „Ich habe rund um Bremen wohl jeden Ort abgefahren, habe mir unzählige Häuser und Wohnungen angeschaut, aber so richtig war nichts dabei.“

Dann las er auf einmal eine Anzeige über ein Haus in Twistringen. „Wo ist das denn?“, so seine damaligen Gedanken. Von dem Ort hatte er noch nie gehört. Dort angekommen, hat ihn das, was er gesehen hat, gefallen. „Twistringen hatte Charme und passte 100-prozentig zu meinen Vorstellungen.“ Eine gute Infrastruktur mit Bahn, Supermärkten und eine gute Vernetzung, das sei genau das Richtige gewesen.

Ein Lieblingsplatz von Silke Perin ist die Nähstube im Museum der Strohverarbeitung.

Perin fand ein Grundstück und baute sich ein Haus. Das war 1999. Im gleichen Jahr war er mit einem Krimitheater, das er leidenschaftlich in seiner Freizeit schauspielerte, unterwegs. Die Deutsche Zentrale für Tourismus in Frankfurt am Main hatte ein Wochenende in einem Hotel gebucht, wo dieses interaktive Theater auftrat. Mit dabei Silke Perin.

Es kam, wie es kommen musste. Nach vielen Mails und ein paar Besuchen entschloss sich das Paar zusammenzuziehen. Silke Perin: „Ich wusste schon immer für mich, dass ich in der Stadt zwar arbeiten kann, aber auf dem Land leben möchte. Ich brauche die Natur.“ Und Norddeutschland hat der gebürtigen Hessin schon immer gefallen. „Das Blau, die Rapsfelder und Bauernhäuser, die Ruhe, das war es, was mich begeistert hat.“ Ihr erster Eindruck von Twistringen sei gewesen: „Echt richtig schön hier!“

Als sich das erste von drei Kindern ankündigte, lernte Silke Perin auch die Infrastruktur zu schätzen. „Hier gibt es alles. Von der Krippe über die Kitas und den Hort bis zur Grundschule und den weiterführenden Schulen, alles vorhanden.“ Auch seien sie und ihr Mann sofort von allen Seiten herzlich aufgenommen worden. Nachbarschaft, Vereine, Elternschaften in der Kita und später Schule.

„Das Vorurteil, die Twistringer lassen niemanden von außen rein, hat sich in keinster Weise bewahrheitet“, erklärt Marco Perin. Er ist Taekwondo-Trainer beim TV Heiligenloh. „Die Sporthalle dort ist eindeutig einer unser Lieblingsplätze in Twistringen“, so der Trainer. Hier verbringe die Familie sehr viel Zeit. Denn ihre Kinder Luca (17 Jahre), Chiara (15 Jahre) und Fiona (12 Jahre) trainieren bei Papa. Mutter Silke hilft, wo sie kann. „Wir erfahren hier auch viel Dankbarkeit für unseren Einsatz“, so der 51-jährige Perin. Das sei anders als in den großen Vereinen in Bremen.

Viermal wöchentlich trainiert er gemeinsam mit Torsten Paul etwa 40 Kinder und Jugendliche sowie rund 20 Erwachsene. „Sportlich ist mein Anker in Heiligenloh.“

Neben dem Taekwondo gehören die langen Spaziergänge mit Hündin Suna zu den Hobbys der Familie. Die Wanderwege rund um Twistringen seien herrlich. Plätze wie die Rabenwiese, der Beerenlehrpfad, die Hünenburg und der jüdische Friedhof gehören zu ihren Ausflugszielen. Silke Perin hat aber noch einen Lieblingsort: das Museum der Strohverarbeitung. Dort arbeitet sie noch bis zum Ende des Monats, der Abschied fällt ihr schwer. „Es ist ein wunderschönes Museum, das Dank der vielen Ehrenamtlichen ein Vorzeigeobjekt für die Stadt geworden ist.“ Vor allem die Nähstube, wenn dort die Damen die Hüte für den Verkauf fertigen, gehört hier zu ihren Lieblingsplätzen.

Twistringen ist schön, ist die Botschaft von Familie Perin. „Hier ist unsere Heimat, hier fühlen wir uns wohl.“

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