Vor Corona-Schließung

Shoppen, bis der Lockdown kommt

So viel Zeit muss sein: Auch wenn einiges los ist, nehmen sich die Mitarbeiterinnen in vielen örtlichen Geschäften – hier bei Nückel Heimtextilien in Twistringen – Zeit, um Geschenke hübsch einzupacken.
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So viel Zeit muss sein: Auch wenn einiges los ist, nehmen sich die Mitarbeiterinnen in vielen örtlichen Geschäften – hier bei Nückel Heimtextilien in Twistringen – Zeit, um Geschenke hübsch einzupacken.

Lockdown mitten im Weihnachtsgeschäft: Ab Mittwoch muss der Einzelhandel schließen. In vielen Geschäften in Bassum und Twistringen war infolgedessen am Montag viel los.

  • Viele Geschäfte müssen ab Mittwoch schließen
  • Großer Kundenandrang
  • Nicht alle Läden müssen schließen

Bassum/Twistringen – Die Kundin ist fündig geworden und bringt die kleinen selbsthergestellten Artikel zum Tresen des Stadtladens. „Mache Sie auch dicht?“, fragt sie Verkäuferin Dörte Beckerfeldt. Diese nickt. Die Kundin seufzt hörbar enttäuscht. „Jetzt gibt"s hier mal sowas Schönes in Bassum!“

Solch lobendes Feedback bekommt Beckerfeldt oft zu hören. „Die Leute sind begeistert von dem Ambiente und das sagen sie auch. In den zwei Wochen, in denen es den Laden nun gibt, habe ich ihn nicht einmal leer erlebt. Er ist ein voller Erfolg.“

Stadtladen: Lockdown macht Erfolg ein Ende

Ein Erfolg, dem der Lockdown ein Ende macht. Die Hobbykünstler, die mit ihren Werken die Regale und Tische des Ladens bestückt haben, bringen Dinge vorbei, die sie noch auf Lager haben, um vielleicht noch das eine oder andere zu verkaufen.

Auch das Verhalten der Kunden habe sich verändert. „Es kommen nicht unbedingt mehr, aber sie kaufen zielgerichteter. Sonst kommen viele, die einfach mal durchschlendern. Viele sagen, dass sie die Chance jetzt nochmal nutzen wollen, bevor es zu spät ist.“ So wie Axel Schulz aus Bassum, der zum ersten Mal im Stadtladen ist. „Ich wollte immer mal hier vorbeischauen, weil meine Frau gesagt hat, dass es hier so schön wäre.“ Wie es mit dem Stadtladen, der eigentlich bis Ende des Jahres geöffnet bleiben sollte, weitergeht, ist noch unklar.

Viele Kunden schauen noch im Bassumer Stadtladen vorbei.

Michael Maas, Inhaber des gleichnamigen Modehauses, der auch den Stadtladen betreut, spricht von dem Lockdown als „Worst-Case-Szenario“. „Natürlich ist die Gesundheit das höchste Gut – aber diese Tage sind nun mal die allerwichtigsten im Jahr für den Einzelhandel. Einen zweiten Lockdown verkraftet man nicht eben mal so – zumal der große Aufschwung nach dem ersten bis jetzt ausgeblieben ist. Allgemein stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel und die Förderungen durch den Staat können den Verlust nicht auffangen.“

Maas appelliert an die Bürger, sich an die Vorgaben zu halten, damit die Krise bald überstanden sei. „Und ich hoffe, dass die Kunden den Handel vor Ort unterstützen und vielleicht Gutscheine von den Geschäften kaufen, anstatt jetzt online zu bestellen.“

Ein regelrechter Kundenansturm

Frank Köster vom BBM-Baumarkt in Bassum sagt, dass der Lockdown zwar wehtue, aber „die Baumärkte hatten ein gutes Jahr. Wir haben davon profitiert, dass wir früher öffnen durften. Dafür haben wir aber auch viel Man-Power investieren müssen.“ Am Montag erlebt der Filialleiter einen regelrechten Ansturm von Kunden, die sich noch schnell eindecken wollen. „Normalerweise haben wir so 600 Kunden am Tag. Die Marke war schon um 13 Uhr erreicht.“

Auch in Twistringen gibt es am Montag lange Schlangen an den Kassen und teilweise auf dem Gehsteig. Die Menschen unterstützen ihren örtlichen Einzelhandel nach Bekanntgabe des Lockdowns auf nie gekannte Weise. „Bei allem Verständnis für den Lockdown, aber die kleinen Geschäfte und mit ihnen die Mitarbeiter leiden“, sagt zum Beispiel Claudia B. Deshalb sei sie seit mittags in den Läden der Innenstadt unterwegs, um alle fehlenden Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Und während sie bei M.G. Fashion an der Kasse wartet, klingelt dort schon wieder das Telefon. „Die Kunden fragen, wie lange wir heute und morgen geöffnet haben und ob sie zu zweit kommen dürfen“, so Sonja Behrensen.

Sie und ihre Kollegen sowie Inhaber Michael Geisler machen in diesen Tagen Überstunden. Genau wie Dauelsberg haben sie ihre Öffnungszeiten auf die Zeit von 8 bis 22 erweitert. Auch die Firma Nückel legt kurz vor dem Lockdown eine Schippe drauf und öffnet von 9 bis 20 Uhr.

Bettina Schwarze, Inhaberin von Dauelsberg, hatte sich am Sonntag noch mit ihren Mitarbeiterinnen beraten. Kurzfristig wurde im Aufenthaltsraum die Packstation eingerichtet, um den Kassenbereich zu entzehren. Wie M.G. Fashion bieten Dauelsberg und Nückel online das gesamte Sortiment auch während des Lockdowns an. Inklusive Verpackungsservice. „Wir machen sogar Fotos von den Artikeln im Laden, wenn die Kunden es wünschen“, erklärt Schwarze. Dauelsberg nehme weiterhin Bestellungen über WhatsApp und E-Mail an und biete nun einen Lieferservice.

Auch Bianca Brunkhorst-Nückel bringt die Waren direkt zu den Kunden. „Aber nur innerhalb Twistringens und im Umkreis von bis zu zehn Kilometern“, erläutert sie. Wie ihre Einzelhandelskollegen ist sie sich nicht sicher, ob die Kunden bestellte Waren auch an der Ladentür abholen dürfen. „Dies müssen wir noch abklären.“

Auch bei Dauelsberg nutzen Kunden die Zeit vor dem Lockdown.

Für Tine Meyer ist es selbstverständlich, dass sie ihre Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke vor Ort kauft. „Ich schätze die persönliche Beratung. Und sollte etwas mal nicht nach dem Geschmack des Beschenkten sein, kann man es problemlos umtauschen.“ Außerdem müssen die Läden in der Innenstadt erhalten bleiben, da sie Arbeitsplätze sichern. „Und der Onlinehandel hat schon genug an Corona verdient“, fügt sie hinzu.

Vor dem Fair Kauf an der Bahnhofstraße stehen indes die Menschen Schlange. Auch hier wollen die Kunden noch letzte Geschenke und auch Kleidung kaufen. „Wer weiß, wann wir wieder die Möglichkeit haben, hier günstig gut erhaltene Sachen zu erstehen.“

Das Blumengeschäft Lindenblüte an der Lindenstraße muss ebenso ab Mittwoch seine Türen schließen. Inhaber Matthias Bavendiek nimmt telefonisch weiterhin Bestellungen auf, auch für Trauergestecke bei Beerdigungen.

Geschäfte, die den täglichen Bedarf decken, dürfen geöffnet bleiben. Das trifft unter anderem auf Babyfachmärkte zu – und somit auch auf Moni’s Kinderstube in Twistringen. „Das wissen viele nicht“, sagt Inhaberin Monika Schubert. Infolgedessen hatte auch sie am Montag gut zu tun. Auch wenn die Kinderstube geöffnet bleiben darf: Schubert schätzt, dass aufgrund des Lockdowns bis Weihnachten weniger Kunden den Weg in den Laden finden werden, als es normalerweise der Fall gewesen wäre. Einfach, weil viele denken, dass geschlossen sei.

„Wir haben noch weiter geöffnet“, sagt auch Peter Döpkens, Leiter des Raiffeisen-Markts in Twistringen. Denn dort gibt es Lebensmittel und Tierfutter, und somit Dinge des täglichen Bedarfs. Allerdings: Andere Bereiche, wie zum Beispiel Arbeitskleidung oder Gartenmöbel, werden ab Mittwoch abgesperrt. So war es schon beim ersten Lockdown im Frühjahr. Auch Döpkens merkt, dass die neuen Regeln viele Kunden verunsichern. „Wir haben ganz viele Anrufe, die fragen, ob wir geöffnet haben“, sagt er.

Wie andere Geschäfte hat Pille seine Öffnungszeiten ebenfalls am Montag und Dienstag verlängert, auf 9 bis 20 Uhr. Nach der Bekanntgabe des Lockdowns war auch bei dem Optik-, Schmuck-- und Uhrengeschäft viel los. „Das merkt man schon“, sagt Inhaber Manfred Pille. Er verweist darauf, dass der Bereich Optik auch nach Mittwoch noch geöffnet ist.  juk/sn/ks

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