Schulstart in Niedersachsen

Schulelternräte kritisieren Maskenpflicht in Grundschulen

Nicht nur draußen, sondern auch im Unterricht müssen zum Schulstart in Niedersachsen Masken getragen werden.
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Nicht nur draußen, sondern auch im Unterricht müssen zum Schulstart in Niedersachsen Masken getragen werden.

„Die Politik macht es sich viel zu einfach.“ Mit diesen Worten reagiert Charlotte Wolframm, stellvertretende Schulelternratsvorsitzende der Grundschule Heiligenloh, auf die geltenden Corona-Regeln zum Schulstart in Niedersachsen. Dass Schülerinnen und Schüler „trotz Test mit Maske im Unterricht sitzen müssen, finde ich unverhältnismäßig“, betont sie.

Landkreis Diepholz – Unverhältnismäßig, da bei einem Besuch in einem Restaurant heute am Platz schon wieder die Maske abgenommen werden darf, unverhältnismäßig aber auch, weil sich so wenig tut. Die Situation nach diesen Sommerferien sei nicht einfach die gleiche „wie im Juli, sondern wie im Juli letzten Jahres“. Mehr als zwölf Monate sind vergangen, „wir haben uns durchgebissen, damit jeder Mensch geschützt ist. Jetzt nach fast eineinhalb Jahren immer noch nicht weiter zu sein an Schulen, als eine Maskenpflicht einzuführen, das ist mir zu wenig.“

Tägliches Testen wird sehr positiv bewertet

Der gleichen Meinung ist Andreas Woisch, Schulelternratsvorsitzender der Twistringer Grundschule am Markt. Ihm haben die Entwicklungen, beziehungsweise in vielen Fällen deren Fehlen eines gezeigt: „Kinder haben keine Lobby.“ Mit Blick auf die Lockerungen ist er ganz deutlich: Er unterstützt sie. „Ich finde, dass wir diesen Weg gehen müssen.“ Das Leben dürfe nicht für immer von der Pandemie bestimmt bleiben. Weshalb er die Regeln des Landes auch gar nicht umfänglich ablehnt: „Was ich persönlich gut finde, dass wir in den ersten Tagen täglich testen. Ich finde es auch gut, dass wir dann drei Mal die Woche testen, das würde ich auch fortführen.“

Kinder haben keine Lobby!

Andreas Woisch, Schulelternratsvorsitzender der Twistringer Grundschule am Markt

Als störend empfindet Woisch, dass diese aber nicht ausreichen, damit die Kinder an ihrem Platz die Maske absetzen können. So sei es vor den Ferien gewesen, so sollte es laut dem Schulelternratsvorsitzenden auch schnell wieder werden. „Ich kann es dem Kind nicht zum Vorwurf machen, dass es nicht nicht geimpft ist, wenn es die Möglichkeit nicht gibt.“ Diese Kritik weitet er auf Spuckschutz und Belüftungsanlagen aus, die in allen Lebensbereichen in großem Umfang eingeführt wurden, nur in Schulen nicht. Und selbst dort, wo es sie gibt, würde dies aktuell keine Befreiung von der Maskenpflicht bedeuten.

Niedersachsen will Verhältnisse wie in Schulen Nordrhein-Westfalens vermeiden

Warum das so ist, erläutert Volker Meyer, CDU-Landtagsabgeordneter. Er spricht sein Verständnis für den Ärger der Eltern aus, betont aber, dass auch Verständnis für die Sicherheitsmaßnahmen notwendig sei. Das Land habe seine Entscheidung mit Blick auf die Länder getroffen, deren Schulstart bereits erfolgt ist.

Meyer verweist speziell auf Wuppertal, wo der Corona-Inzidenzwert seit dem letzten Ferientag, 17. August, von 99 auf aktuell 266 angestiegen ist. Etwa die Hälfte aller Infizierten seien dort Schülerinnen und Schüler, etwa 400 haben bereits einen positiven Corona-Test gemacht. Dreiviertel der 100 Wuppertaler Schulen weisen Corona-Fälle auf.

Das solle sich in Niedersachsen nicht auch so ereignen. Allerdings laufen laut Meyer Diskussionen im Kultusministerium, ob die Regeln für Grundschulkinder gelockert werden könnten und ob eine stärkere Differenzierung in Klassen möglich ist, die viele geimpfte oder genesene Schüler aufweisen. Mögliche Ergebnisse dieser Verhandlungen würden jedoch eher Ende der nächsten Woche zu erwarten sein.

Gesucht: Eine Perspektive für Schülerinnen und Schüler ab dem 24. September

Keinen Einfluss auf die Regeln hat der Landkreis Diepholz. „Die Kreisverwaltung setzt um, was das Land vorgibt. Da muss ich nicht über die Sinnhaftigkeit philosophieren“, betont Landrat Cord Bockhop. Keine Vorgabe gebe es beispielsweise für Luftfilter. Diese würden Einzelfallentscheidungen unterliegen, weshalb in einzelnen Turnhallen und Räumen aus sachlichen Gründen bereits Belüftungsanlagen eingebaut wurden.

In Räumen, in denen Experten aus fachlicher Sicht keine Notwendigkeit sehen, sehe die Verwaltung keinen Anlass, Geld auszugeben. Bockhop ist optimistisch, dass nach einem „überschaubaren Zeitraum“ mit höherer Vorsicht schnell daran gearbeitet werden kann, die Situation zugunsten der Schüler anzupassen. Dass sie die Kraft dazu haben, daran zweifelt er nicht.

Das tut auch Charlotte Wolframm nicht: „Ich bin mir sicher, dass die meisten Kinder das super mitmachen. Dass alles versucht wird, ihnen so viele Pausen wie möglich zu gestatten, aber wie ist dann noch vernünftig Unterricht möglich, wenn ständig Pausen sind?“ Antworten auf diese Fragen zu finden, müsse jetzt absolute Priorität haben, argumentiert Andreas Woisch. „Was machen wir ab dem 24. September?“ Dann laufen die vorläufigen Regeln ab. Auch wie die Antworten gefunden werden, dazu hat er eine Meinung: Mit den Betroffenen, den Eltern und ihren Ideen, nicht von Hannover diktiert. Das Kultusministerium habe sich bislang aber nicht dialogbereit gezeigt.

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