Tabakwarenverkäufer ziehen Bilanz

Schockbilder: Raucher kaufen trotzdem weiter

Twistringen - Von Ilka Rickers und Theo Wilke. Da fallen Raucher-Lungen in den Blick, auch trauernde Menschen, Blut spuckende Frauen, rauchende Babys oder verfaulte Zähne. Da geraten selbst hartgesottene Raucher ins Grübeln. Aber schreckt das ab? Sitzt der Schock tief genug, um aufzuhören? Lassen sich Sucht- oder auch Genussraucher den Griff zur gesundheitsschädigenden Kippe vermiesen? Wohl kaum, wie unsere nicht repräsentative Umfrage ergeben hat.

„Meine Kunden kaufen ihre Zigaretten weiter, obwohl sie die Bilder grausam finden“, sagt Anita Trost vom Toto-Lotto-Laden an der Twistringer Bahnhofstraße. Sie findet die Bilder persönlich auch grässlich, kann aber keinen Rückgang beim Zigarettenkauf feststellen.

Fritz Wüppenhorst würde den Tabak lieber ganz abschaffen.

Seit Mai dieses Jahres ist die deutsche Tabakindustrie laut EU-Verordnung verpflichtet, abschreckende Bilder auf Zigaretten- und Tabakverpackungen zu drucken. Bei Anita Trost fragen die Raucher seitdem nach Etuis, die es in drei verschiedenen Größen mit unterschiedlichen Mustern gibt, um die schrecklichen Bilder zu verdecken. Da lässt sich die rauchende Klientel schon einiges einfallen: neben Hüllen zum Beispiel auch Klebebilder.

Gertrud Wüppenhorst von der Westfalen-Tankstelle an der Bremer Straße sagt: „Der Umsatz ist bei uns durch diese Bilder nicht zurückgegangen.“ Sie glaubt, dass weit eher der stark steigende Preis für einen Rückgang sorgen würde.

Etuis und Hüllen liegen im Trend

Um die Schockbilder zu verdecken, kann man bei ihr kostenlos eine Papierhülle für die kleinen Packungsgrößen bekommen. Auch ihr Mann Fritz Wüppenhorst ist von den Bildern nicht überzeugt. Er würde Tabakwaren eher komplett abschaffen, bevor er zu dieser Maßnahme greifen würde.

Jürgen Wilkens von der Avia-Tankstelle berichtet, dass er keine Verluste verbucht: „Die Verkaufszahlen sind keineswegs zurück gegangen, und es schreckt auch niemanden ab.“ Einige Kunden würden nach Schachteln fragen, auf denen bis jetzt noch keine Bilder zu sehen sind. Doch aufhören oder weniger rauchen, würde niemand, erklärt Wilkens. Zwei seiner Kumpels hätten sich extra kleine Aluschachteln besorgt, in die sie nun immer ihre Zigaretten packen. „Das finde ich richtig geil“, sagt Jürgens über diesen Trend, den er mit dem von Zippo-Feuerzeugen vergleicht.

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