Caritas übernimmt operatives Geschäft

Schicksalhafte „Lebenswege“: Verein löst sich in Kürze auf

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Partner: (v.l.) Caritas-Geschäftsführerin Karin Bockhorst, „Lebenswege“-Geschäftsführerin Ulrike Rehling-Laur und „Lebenswege“-Vorsitzender Hermann Mecklenfeld.

Twistringen - Von Anke Seidel. Schicksalhafte Entscheidung für den Verein „Lebenswege“, der Menschen mit schicksalhaften Lebenswegen seit 22 Jahren begleitet: Der 65 Mitglieder starke Verein, der Hilfen für psychisch Kranke und bedürftige Menschen organisiert und leistet, übergibt das operative Geschäft zum 1. Januar an den Caritas-Verband für die Landkreise Diepholz und Nienburg links der Weser mit Sitz in Twistringen.

25 Mitarbeiter bekommen damit einen neuen Arbeitgeber. Der Trägerverein will sich später auflösen. Das berichtete Hermann Mecklenfeld als amtierender Vorsitzender gemeinsam mit „Lebenswege“-Geschäftsführerin Ulrike Rehling-Laur, Caritas-Geschäftsführerin Karin Bockhorst und dem Caritas-Diözesan-Öffentlichkeitsreferenten Matthias Stockkamp. 

Der Caritas-Verband mit Sitz in Twistringen und „Lebenswege“ sind seit 23 Jahren Nachbarn – und längst miteinander verknüpft. So gehörte Hermann Mecklenfeld, der damals Caritas-Geschäftsführer war, zu den Gründungsmitgliedern von „Lebenswege“.

Verein eng mit Psychiatrie verbunden

Dieser Verein wiederum ist eng mit der Eröffnung der Psychiatrie 1994 im St. Annen-Stift Twistringen verbunden. Denn der Verein hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den psychiatrischen Patienten nach ihrer Entlassung zur Seite zu stehen – bis sie ihr Leben wieder selbst meistern können. Seit Vereinsgründung ist Ulrike Rehling-Laur die Geschäftsführerin. 

Gemeinsam mit den heute 25 Mitarbeitern und den rund 45 Ehrenamtlichen sowie der Unterstützung der „Lebenswege“-Mitglieder und Netzwerk-Partner hat sie eine Organisation der Hilfe aufgebaut, die einem „mittlelständischen Unternehmen entspricht“, zitiert sie den Steuerberater. Rund eine Million Euro im Jahr, so berichtet Hermann Mecklenfeld, beträgt die Bilanzsumme des Vereins.

Erstes Projekt nach der Gründung war die Kontaktstelle nahe dem St. AnnenStift. Dann kam das betreute Wohnen hinzu. Darüber betreuen „Lebenswege“-Kräfte heute 60 Menschen im gesamten Landkreis. „Lebenswege“ eröffnete außerdem eine Tagesstätte in Diepholz, gründete die Twistringer Tafel, richtete Ausgabe-Stellen in Bassum und Barnstorf ein und eröffnete das soziale Kaufhaus in Twistringen.

Domizil an der Bahnhofstraße

Heute hat der Verein sein Domizil an der Twistringer Bahnhofstraße – mit Begegnungsstätte und Verwaltungsräumen. Die 65-jährige Ulrike Rehling-Laur will im April in den Ruhestand gehen. Das war der Grund für die Vereinsmitglieder, über die Zukunft des Vereins nachzudenken. Er sei, so hieß es gestern mit Blick auf die vielfältigen Angebote und den Jahresumsatz, an seine Grenzen gekommen.

Einmütig, so berichtete der Vorsitzende, hätten die Mitglieder für die Übertragung an die Caritas gestimmt. „Es gibt einen fließenden Übergang und es bleibt alles so, wie es ist“, betonte Caritas-Geschäftsführerin Karin Bockhorst. Nach dem Ausscheiden von Ulrike Rehling-Laur werde allerdings keine neue Geschäftsführung eingestellt, sondern eine Fachbereichskraft.

Ulrike Rehling-Laur stellt klar, dass die Caritas auch für sie die Wunschlösung für „Lebenswege“ ist: „Es beruhigt, wenn man weiß, die Arbeit läuft weiter.“ Sie selbst habe vor ihrem Wechsel zu „Lebenswege“ bei der Caritas gearbeitet, verriet sie schmunzelnd. Mit Karin Bockhorst sitzt sie längst in einem Büro – in der ergotherapeutischen Praxis in Bassum, die „Lebenswege“ in der Caritas-Außenstelle an der Kirchstraße betreibt.

Verknüpfung mit Caritas war schon lange eng

Schon in der Satzung des Vereins sei festgelegt, so Hermann Mecklenfeld, dass der Verein bei Auflösung in einen Caritas-Verband übergehen solle: „Wir sind kooptiertes Mitglied im Caritas-Verband im juristischen Sinne.“

Die Verknüpfung der beiden Einrichtungen ist also eng. Auflösen will sich der Verein aber erst dann, wenn alle notwendigen Aufgaben abgearbeitet sind und die Arbeit reibungslos läuft. Dass genau das geschieht, daran hat der Vorsitzende keinen Zweifel: „Es wächst zusammen, was zusammen gehört.“

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