Tier kommt glimpflich davon

Schäferhündin Eva gerät im Delmetal in Bisam-Schlagfalle - private Fänger unterwegs

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Bisamratten richten große Schäden an Böschungen an, auch im Delmetal. 

Ein frühlingshafter Spaziergang führt Familie Ferderer durchs reizvolle Delmetal zwischen Twistringen und Abbenhausen. Schäferhündin Eva, angeleint, zieht es ans Wasser. Plötzlich jammert sie und kommt zurück – eine Bisam-Schlagfalle hängt an einem Bein. „Zum Glück ist meine Hündin glimpflich davon gekommen. Mein Mann konnte sie befreien“, erzählt Christiane Ferderer erleichtert. Zur Warnung für andere Spaziergänger und Tierbesitzer hat sie die Falle und ein Schild ans Brückengeländer gehängt.

Twistringen - Von Theo Wilke. Hündin Eva sei nicht schwerwiegend verletzt worden, das Bein sei ein bisschen dick geworden, inzwischen aber alles gut. Sie müsse nicht zum Tierarzt. „Für kleinere Hunde oder eine Katze oder halt ein Kind, das in die Falle gegriffen hätte, wäre es wohl schlimm ausgegangen“, meint die Twistringerin. 

„Dieser Weg ist stark frequentiert. Hier laufen Hunderte von Menschen, in der Nähe ist ein Biotop, mit EU-Mitteln finanziert. Da spielen auch Kinder, auch wenn sie es nicht dürfen“, so Ferderer, die an der Straße Zur Poggenmühle wohnt. Vom Judenfriedhof aus sind es gut 200  Meter bis zur besagten Brücke über die Delme.

Müssen Bisamfallen öffentlich gekennzeichnet sein?

Der Vorfall hat sich am Wochenende schnell herumgesprochen. Und Fragen tauchten auf: Müssen Bisamfallen öffentlich gekennzeichnet sein? Ist der Ochtumverband zuständig?

Dazu Diplom-Forstingenieur Heiko Fritz von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg: „Es besteht keine Verpflichtung, die aufgestellten Fallen zu kennzeichnen, außer in bewohnten Bereichen.“ Häufig, so der Koordinator auf Landesebene, habe man auch mit Vandalismus zu tun, etwa selbst ernannten Tierschützern, die Fallen entfernen oder zerstören. Wo nötig, würden auch Fangkörbe verwendet, deren Einbau in die Böschung von Gewässern aber sehr aufwendig sei.

Schlagfalle warnt an der Delmebrücke. Schäferhündin Eva kam noch glimpflich davon. 

Heiko Fritz stellt auf Nachfrage für den Twistringer Bereich klar: „Private Bisamfänger arbeiten dort im Auftrag des Ochtumverbandes. Wir machen sie nur fachkundig.“

Matthias Stöver, Geschäftsführer des Ochtumverbandes, erklärt: „Die Bisamfallen werden von den privaten Fängern, die für jedes Tier eine Prämie vom Land bekommen, gut getarnt in die Böschung gesetzt.“ Der Bisam werde mit Apfel oder anderem Obst geködert. Und nur, wenn ein Bisam kräftig daran zerre, schnappe die Falle zu. Normalerweise funktioniere dies nicht, wenn etwa ein Hund oder eine Katze die Falle berühre.

Bisamratten werden laut Stöver im Rahmen der Gewässerunterhaltung bekämpft. Die größte heimische Wühlmausart baut ihre Wohnröhren in die Böschung. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer wird dem Bisam „seit der Erstbesiedelung Niedersachsens etwa ab 1930 nachgestellt, weil er wegen seiner Lebensweise und seiner Wühltätigkeit nachhaltige und gefährliche Schäden an Ufern, Deichen, Dämmen und anderen wasserwirtschaftlichen Einrichtungen verursacht“: Uferab- und -einbrüche, Böschungsrutschungen, Unterspülungen, auch Einbrüche gewässernaher Straßen und Deichaushöhlungen.

Bisame seien wassergebunden

Niedersachsenweit wurden 2018 rund 89 .000 Bisame getötet, im Vorjahr 120 .000. 2018, so Forstingenieur Fritz, sei das schlechtete Fangjahr seit 1973 gewesen. Der Grund: die lange Trockenzeit. Und dann sei die Population deutlich rückläufig. Denn Bisame seien wassergebunden,

Das Ochtumverbandsgebiet reicht von Neuenkirchen bis Delmenhorst. Sechs private Fänger sind im Einsatz. Vor drei Jahren wurden 780 Bisame gefangen, 2017 noch 564 und 2018 nur noch 355 Tiere.

Mehr Infos gibt es bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

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