Rückkehr in die Knallermetropole Twistringen

Wissenschaftskabarettist Vince Ebert im Interview

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Vince Ebert gastiert am 10. November zum zweiten Mal in Twistringen.

Twistringen - Von Theo Wilke. Den Humor hat er vom Vater geerbt. Mit Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman würde er gerne mal in der Sandkiste über die Zukunft diskutieren. Vince Ebert, Wissenschaftskabarettist, Botschafter für die Stiftung Rechnen, Buchautor und Fernsehmoderator, gastiert am Freitag, 10. November, zum zweiten Mal im Twistringer Gymnasium (19.30 Uhr), mit „Zukunft is the Future“. Im Interview verrät er ein Rezept gegen den Herbst-Blues.

Herr Ebert, Sie werden als komisch, intelligent und unberechenbar beschrieben: Wer hat Ihnen im Mai 1968 als Holger Ebert mehr Humor in die Wiege gelegt, Mutter oder Vater?

Vince Ebert: Ich bin ja in Amorbach, im bayerischen Odenwald geboren und aufgewachsen. Einem Ort mit 4  000 Einwohnern und drei Nachnamen. Und in der Tat war es mein Vater, der mir wohl den trockenen Humor vererbt hat. Einmal sagte er zu mir: „Ha, du duuscht ja grad‘ so, als ob Amorbooch e Kaff wär‘...“ Aber was soll man sonst über eine Stadt sagen, deren Stadtplan im Maßstab 1:1 rauskommt.

Haben Sie einen nicht-wissenschaftlichen Lieblingswitz – erzählen Sie ihn?

Ebert: Tut mir leid. Ich kenne nur Witze mit einem wissenschaftlichen Bezug: Zwei Colibakterien kommen in eine Bar. Sagt der Barkeeper: „Tut mir leid, wir bedienen keine Colibakterien“ – „Wieso bedienen?“, sagen die zwei. „Wir arbeiten seit Wochen in deiner Küche.“

Erinnern Sie sich noch an Ihren Auftritt 2013 in Twistringen. Was verbinden Sie mit dieser Kleinstadt im Nordwesten?

Ebert: Dass es damals ein toller, lustiger Abend war! Oft werde ich gefragt, ob es in Deutschland Unterschiede im Humor gibt. Da gelten landläufig die Rheinländer als lustiger, die Norddeutschen eher als verschlossener. Diese Erfahrung kann ich definitiv nicht teilen. Auch in der Knallermetropole Twistringen wird heftig gelacht. Ich jedenfalls nenne die Region liebevoll den „Odenwald des Nordens“.

Mit welchem prominenten Zeitgenossen würden Sie gerne auf einem Spielplatz herumtollen und in der Sandkiste mit ihm über Zukunft is the Future diskutieren?

Ebert: Mit dem Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman. Ein extrem kluger und witziger Mann, der leider schon länger verstorben ist. Einer meiner Lieblingssätze von ihm ist: „Wer sein Leben lang Physik betreibt, und darüber nicht verrückt wird, hat überhaupt nichts verstanden.“ Auch Albert Einstein wäre ein toller Gesprächspartner. Von dem stammt der Spruch: „Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit Radius Null. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“

Sie sind sozial sehr engagiert, vor allem wecken Sie bei Kindern und Jugendlichen die Begeisterung für Naturwissenschaften. Können Sie in einem Satz erklären, warum das Rechnen so wichtig ist, damit es nicht zum Schlimmsten kommt, wie Sie behaupten?

Ebert: Wer kein Grundverständnis von Zahlen und Statistiken hat, kann auch leicht hinters Licht geführt werden – sei es von einem Kredithai, von den Medien oder von der Politik. Wir alle brauchen ein besseres Mathematik-Verständnis, um kluge Lebensentscheidungen zu treffen. Beim Lotto spielen sagen wir: Die Chancen auf den Hauptgewinn beträgt 1:140 Millionen – es könnte mich treffen. Beim Rauchen sagen wir: Die Chancen für Lungenkrebs beträgt 1:1000 – warum sollte es ausgerechnet mich treffen?

Was ist Ihnen im Leben am wichtigsten?

Ebert: Ganz klar: Freiheit. Und zwar äußere wie innere. Im Programm frage ich an einer Stelle die Zuschauer: „Angenommen, Sie hätten nur noch sechs Monate zu leben. Was würden Sie mit ihrer Zeit anfangen? Und angenommen, nach sechs Monaten stellt sich heraus, dass sich der Arzt geirrt hat: Sie sind kerngesund. Würden Sie wieder in ihren alten Trott zurückfallen? Und falls nicht, warum tun sie es heute?“

Häufig klagen Menschen über mangelnden Respekt in unserer Gesellschaft und kritisieren die Ellenbogengesellschaft. Wie gehen Sie damit um?

Ebert: Das mit der rücksichtslosen Ellenbogengesellschaft bei uns kann ich nicht so richtig nachvollziehen. Verglichen mit vielen anderen Ländern, gehen wir hier in Deutschland miteinander sehr, sehr gesittet um. Wir können durchaus stolz darauf sein, dass in unserem Land Werte wie Liberalität, Toleranz, Mitgefühl und die Bereitschaft, Schwächere zu unterstützen, sehr ausgeprägt ist.

Was tun Sie gegen den Herbst-Blues, haben Sie ein Rezept für unsere Leser?

Ebert: Ab und an mal ins Theater gehen und zwei Stunden lachen. Ich hätte da schon einen Tipp: Der Mann ist Physiker und spielt am 10. November im Gymnasium in Twistringen...

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