Finanzexperte diskutiert über Zukunfts-Optionen

Rückenwind für regionale Banken

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Stehen hinter regionalen Mittelstandsbanken: (v.l.) Helmut Rahn, Günter Günnemann, Ralph Brinkhaus, Axel Knoerig, Ralph Finke, Volker Meyer, Ulrike Schröder, Frank Hömer, Marcel Scharrelmann, Wilhelm Evers und Hans-Ulrich Püschel.

Twistringen - Von Anke Seidel. Es war eine nicht alltägliche Runde, die am Mittwoch über die Zukunft der Banken diskutierte: Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker saßen mit Verwaltungsratsmitgliedern und Sparkassen-Direktoren im Twistringer „Classico“ an einem Tisch.

An der politischen Spitze: Ralph Brinkhaus, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Fachmann für Finanzen, Haushalt und Kommunales. Politischer Rückenwind für die regionalen Mittelstandsbanken wie Kreissparkassen und Volksbanken war deutlich zu spüren. 

„Auf dem Weg in die Zukunft haben sie aber auch Ziegelsteine in ihrem Rucksack“, stellte Brinkhaus fest – und nannte explizit die Niedrigzinsphase und die Regulierungsflut, von vielen Bankvorständen in Deutschland „Regulierungswut“ genannt. Genau die endlich zu zügeln, praktible Regelungen zu schaffen und auf EU-Ebene die Strukturen regionaler Banken wirksam zu berücksichtigen, das gaben die Sparkassen-Direktoren dem Vize-Bundestagsfraktionschef als – um im Bild zu bleiben – Arbeitsgepäck mit nach Berlin.

Politik liebt Sparkassen und Volksbanken

„Für die Politik kann ich nur sagen: Wir lieben Sparkassen und Volksbanken“, betonte Brinkhaus. Mehr als die Hälfte der bundesdeutschen Bürger würden im ländlichen Raum leben. Genau dort seien auch die erfolgreichen mittelständischen Unternehmen angesiedelt: „Sie profitieren von den mittelständischen Banken!“ Diesen Begriff begrüßte der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig ausdrücklich.

Dass es im Bankenbereich auf europäischer Ebene bisher nur „ein Modell für alle“ gebe, das wertete Brinkhaus als enormes Problem: „Da wird zu wenig unterschieden zwischen den regionalen Banken und den großen Risiko-Banken.“

Deshalb wertete der Finanzexperte aus Berlin die „Smal-Banking-Box“ mit eigenen Regeln für kleine Banken als Option – und forderte Erleichterungen für sie genauso wie für ihre Kunden: „Der Verbraucherschutz ist aus dem Ruder gelaufen.“ Wenn Kreditnehmer sich in einem Wust von Papieren nicht mehr zurechtfänden und sie einfach nur unterschreiben würden, „dann pervertiert das das System“.

Digitalisierung verändert Leben drastisch

Unabhängig davon war Brinkhaus überzeugt: „Die Digitalisierung wird unser Leben mehr verändern, als wir uns das vorstellen können!“ Auch wenn schon heute etliche Bürger ihre eigene „Bankfiliale“ auf dem PC haben, wies der ehemalige Landrat Helmut Rahn auf die enorme Bedeutung von realen Filialen vor Ort hin – als Teil der örtlichen Infra-Struktur. Der Syker Sparkassen-Direktor Günter Günnemann bestätigte das: „Wir wollen so lange wie möglich Mitarbeiter in der Fläche haben.“

Und Bargeld? Das muss es, so stellte Ralph Brinkhaus zum Schluss klar, auch weiter geben: „Schon aus Datenschutzgründen.“ Er wolle sein Bier auf dem Schützenfest nicht mit dem Handy bezahlen: „Dann weiß ja am Ende jeder, wie viel ich getrunken habe.“

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